Herausgeber:
Liechtensteiner Landeszeitung 1863-1867
Bandzählung:
1866
Erscheinungsjahr:
1866
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000081309_1866/13/
Vierter ^akrSkpK. 
Vaduz, Samstag 
Nro. 4. 
17. Februar 1866. 
Diese« Blatt erscheint in der Regel monatlich Zmal und kostet ganzjährig 1 fl. so kr. Einrückung«gebühr für die gespa^ 
tene Zeile 4 Nkr. Man bestellt die Zeitung i» Vaduz be, der Redaktion — in Feldkirch bei der löbl. Wagner'schen Buch. 
Handlung oder be» der k. k. Post. Die Redaktion besorgt auch Bestellungen auf das liechtenst. Landesgesetzblatt. 
Zum bauerlichen Kredit. — Feuer- 
afsekuranz und Verschiedenes. 
Die Landeszeitung Nr. 30 v. v. Jahre hat den 
Kredit deS Bauersmannes des Nähern besprochen. Ganz 
richtig wird daselbst bemerkt, wie schwer es sei und wie 
viele Kosten es dem Landmann verursache, bis er gegen 
2 bis 3fache Versicherung das nöthige Geld erhalte. 
Besonders in diesem Jahre ist die Geldnoth außeror 
dentlich empfindlich und wir in unserem kleinen Lichten 
stein leiden aus verschiedenen Gründen noch mehr als 
anderwärts. Wie sich das von selbst versteht sind der 
Kapitalisten in einem kleinen Lande wenige, und die Ka 
pitalkräfte wachsen nicht im Verhältniß zum Bevarfe. 
Es ist in der ganzen Welt nicht anders; die kleine 
Landwirthschaft macht keine Kapitalien, das kann nur 
der größere Gutsbesitz, der größere Gewerbsbetrieb und 
die Industrie. In allen diesen Beziehungen ist unsere 
jetzige Lage wenig günstig zu nennen; nach Jahren wird 
es anders sein. So kommt es, daß viele Kapitalien 
aus den Nachbarstaaten geborgt werden. Wenn nun 
das auch vielfach geschieht, so hat eS doch auch wieder 
Schwierigkeiten. Obgleich unser Schuldentrieb aufs Beste 
geregelt ist und keine Ausnahme gemacht wird, ob der 
Kreditor ein Inländer oder ein Ausländer ist, so wird 
doch> mancher Kapitalist in der Nachbarschaft bedenklich, 
weil ihm die Verhältnisse nicht genau bekannt sind. 
Es sollten daher alle Mittel und Wege in Betracht 
gezogen werden, um den Kredit zu heben und um die Lage 
deS geldsuchenden Landwirths zu erleichtern. Da ist nun 
ein Gedanke, welcher wohl wertb wäre, in Betracht ge 
zogen zu werden; er trifft 2 Fliegen mit einem Schlage: 
das ist die Gründung einer landschaftlichen Feuer 
assekuranz. Das neue Gesetz über die Feuerpolizei macht 
es zur Pflicht, , daß alle Gebäude im Lande versichert 
werden müssen. Die jährlichen Prämien machen eine 
schöne Summe und bilden in 30—40 Jahren sicherlich 
einen Fond von mehreren hunderttausend Gulden. Es 
läßt sich berechnen / daß in den letzten sechszig Jahren 
also seit Anfang deS Jahrhunderts an die 360,000 fl. 
Prämien von unserem Ländchett bezahlt wurden. Von 
Brandunglücken blieben wir ziemlich verschont: Eschen, 
Rugell, Gamprin, Planken^ Vaduz, Triesnerberg und 
KlemmelS sind seit 1800 von keinem Brande betroffen 
worden. Was an Assekuranzgeldern ins Land zurück 
gestoßen ist, Mag 40,000 fl. betragen. Wäre dieser 
Fond, der sich in 50—60 Jahren dnrch Prämiengelder 
angesammelt hat, im Lande geblieben, so hätte man 
darin eine Kapitalquelle, um alle Kapitalbedürfnisse voll 
kommen zu befriedigen. So geht er aus dem Lande und 
wird anderwärts nützlich, während uns nur, was Gott 
verhüte, die Aussicht bleibt, im Falle eines Unglücks das 
Geld zurückzubekommen. Was ein solcher Fond unter- 
deß Nutzen schafft, durch Erleichterung des Kapitalver 
kehrs,— das ist für uns verloren. 
Man wird zwar einwenden, bis es zu einem solchen 
Fond kommt, braucht es aber Zeit, und bis dahin muß 
man eben vom Unglück verschont bleiben. Das ist wahr. 
Aber eS ist auch zu bedenken, daß mit Ausnahme von 
Vaduz, Triesen, Schan und Balzers, sämmtliche Ge 
meinden des Landes keine geschlossenen Lagen haben, so 
daß in denselben kaum ein größeres, allgemeines Brand 
unglück zu befürchten steht. Und vieles vermag im äu 
ßersten Fall die eigene Hülfe, wie wir z. B. an der 
Gemeinde Balzers sehen,, welche um 1800 vollständig 
abbrannte, ohne daß damals ein Gebäude versichert 
war. — Wäre dieser Gedanke so ganz unausführbar, 
so müßte er es auch für andere kleine Länder fein. Vorarl 
berg ist zwar vielmal größer als Lichtenstein, doch nicht 
so groß, daß man schließen könnte, was dort in dieser 
Hinsicht ausführbar sei, sei es nicht bei uns. Und den 
noch hat der vorarlberger Landtag beschlossen, eine eigne 
Landesassekuranz zu gründen. 
Im Namen mehrerer vom Eschnerberg. 
Rundschau. 
Der Kaiser von Oestreich ward übel berathen, als 
man ihm den Vorschlag machte, die Reichsverfassung' 
„still" zu stellen, um mit den Ungarn zu unterhandeln. 
Die Ungarn sind starrköpfig, wie immer. Alles Entge 
genkommen, alle Herablassung des kaiserlichen Paares, 
die Reisen nach Pesth: alles ist umsonst. Die Ungarn 
beharren steif und fest auf ihrem Recht, und wenn das 
Reich darüber in Trümmer ginge. Die kaiserliche Re 
gierung befindet sich in der Lage desjenigen, welcher sich 
zwischen zwei Stühlen niedergesetzt hat. Die getreuen 
Ungarn sind nicht zu.Willen, die Deutschen sind vor 
den Kopf gestoßen, und ein Ding ist verloren, was 
schwerer wiegt, als eine verlorene Schlacht am FestungS- 
Viereck in Italien: das unbedingte Vertrauen auf das
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.