Herausgeber:
Liechtensteiner Landeszeitung 1863-1867
Bandzählung:
1866
Erscheinungsjahr:
1866
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000081309_1866/123/
und Soolbadeanstalt bekannten und deshalb vielgesuchten 
Orte geschehen. Ein Graf K. hatte dort einige Wochen 
herrlich gelebt, aber, wie es scheint, für die Heilung sei 
nes etwas wirren Kopfes die Kaltwasserheilanstalt nicht 
benützt. Er reiste plötzlich ab, ohne seine Zeche zu be 
richtigen, und erst nach einiger Zeit bemerkte man, daß 
der kuriose Gast seine Zeche in Papiergeld mit einem 
starken Klebestoff auf den Tisch geleimt hatte. Da es 
nicht möglich war, die Noten von der Tafel deS Tisches 
wegzubringen, ohne sie zu beschädigen, so blieb dem Gast 
hofbesitzer nichts übrig, als diese Fünf- und Zehngulden 
scheine an die Bank nach Wien in ihrem aufgeklebten 
Zustande, d. h. also mit sammt der Tischplatte abzusen 
den, wo sie zum Glück angenommen wurden, weil deren 
Aechtheit unstreitbar war. Freilich in Cours können sie 
nicht mehr gelangen. 
Aechte Rüsten bekommen manchmal auch im Aus 
lande vaterländische Rückfälle. Einer sehr bekannten rus 
sischen Fürstin in Paris versengte ihr Kammermädchen, 
beim Bügeln das Taschentuch ein wenig. Zur Strafe 
mußte sich das arme Mädchen in der Küche entblößt auf 
die heiße Herdplatte setzen, bis sie furchtbar verbrannt ins 
Spital gebracht wurde. Dem hohen Gemal wurde die 
Barbarei seiner Frau mitgetheilt. Ich weiß eS wohl, 
sagte er phlegmatisch, sie ist von jeher etwas — leb 
haft. 
Landwirthfchaftliches. 
Bon der Rinderpest. 
(Fortsetzung.) 
Den angestellten Nachforschungen gemäß war dle 
Rinderpest im Jahre 1709 aus der Tartarei über das 
Gebiet von Moskau nach Polen und von da noch mehr 
südwärts über Podolien, Bessarabien und Kroatien ins 
Dalmatische gezogen. Dalmatinische Viehhändler ließen 
auf der nach Padua führenden Straße einen erkrankten 
Ochsen zurück, welchen ein Hirte in einem mit vielem 
Vieh besetzten Stalle einstellte. Die Folge davon war 
nicht allein, daß dieser ganze Viehstand angesteckt wurde 
und zu Grunde ging, sondern, daß auch die Seuche 
durch fortgehende Ansteckung über das ganze Mittel- 
und Unteritalien sich verbreitete, bei welcher Gelegenheit 
sie in Padua und Rom von dem berühmten Arzte Rei- 
nazzini beobachtet und beschrieben wurie; er nannte sie 
von einem damit verbundenen pustulösen Hautausschlage 
die Pockenseuche des Hornviehes. 
Sie verbreitete sich über Ferrara, das römische Ge 
biet, bis Neapel, und durch Mailand, Piemont, in die 
Dauphine Lionoise, Bourgogne, Elsaß, Deutschland, 
Brabant bis Holland. Im Piemomesischen allein, wo 
sie 1714 um sich griff, erkrankten an die 70,000 Stücke 
Hornvieh; von da aus verbreitete sie sich über das süd 
liche Frankreich, Elsaß und Holland, in welchem letztern 
Lande bei 300,000 Stücke zu Grunde gingen, sowie in 
Friesland 40,000, in Ostfriesland 60,000 an dieser 
Seuche fielen. In dem Gebiete der Stadt Rom fielen 
vom August 1713 bis Mai 1714 nach genauen Listen 
26,252 Stücke. Zu eben derselben Zeit, da die Seuche 
von Osten her in Europa eindrang, zog sie auch über 
die nordwärts gelegenen Landstriche, so daß sie über 
Liefland und Kurland nach Preußen, Pommern, Mek- 
lenburg, Holstein :e. kam. Die damalige Unbekannt- 
schaft mit der Natur und Ansteckungskraft der Seuche 
und daher das Suchen nach Heilmitteln mit Vernach- 
läßigung polizeilicher Anstalten trug zu den großen Ver 
wüstungen, die sie anrichtete, ungemein viel bei. Pau- 
let berechnet, daß in den 3 Jahren von 1711 bis 1714 
anderthalb Millionen Stücke Rindvieh an der Pest in 
Europa zu Grunde gingen. Auch in den Jahren 1729 
und 1731 scheint die Viehpest wieder geherrscht zu ha 
ben, seit 1740 aber grassirte sie fast ununterbrochen 
bis 1756; in Niederöstreich wurden ihr vom Jahre 
1739 bis 1750 und von 1754 bis 1780 jedes Jahr 
1000 bis 5000 Stücke zum Opfer; m Böhmen und 
Mähren verwüstete sie die Viehheerden fast unausgesetzt 
22 Jahre lang; sie war über viele Länder Europas 
verbreitet und nahm seit 1757 neuerdings überHand. 
Auch in den Jahren 1769 bis 1772 waren ihre Ver 
heerungen groß, in Liefland und Esthland fielen über 
60,000, in Holland allein mehr als 140,000 Stücke; 
in letzterem Lande erhielt sich die Seuche bis 1776 mit 
solcher Wuth, daß dieser durch Viehzucht sonst so blü 
hende Staat von seinem Viehstande größtenteils ent- 
blöst wurde. Im südlichen Frankreich herrschte die 
Seuche im Winter 1775 und entblöste die Gascogne 
und Guyenne von allem Rindvieh. Die großen Ver 
heerungen, welche die Seuche 1777 bis 1779 anrich 
tete, hat Albilgard aufgezeichnet; jene in einigen Ge 
genden Ostreichs Adam; im einzigen Eiller-Kreise in 
Steiermark fielen vom März bis Ende des Jahres 1780 
bei 10,000 Stücke; an den kroatischen Grenzen hatte 
sie ihren Anfang genommen. Im kriegerischen Jahre 
1795 litt Deutschland ungemein viel unter den Ver 
wüstungen dieser Seuche, die sie bis 1801 fast ununter 
brochen fortsetzte; im Asnbachischen fielen 1796 über 
9000, rm Würzburgischen bei 25,000, Würtemberg ver 
lor über 26,000 Stücke; zu derselben Zeit wüthete sie 
in Oberitalien, und im Jahr 1800 in Oestreich, Un 
garn, Polen, Preußen und Sachsen. Seit jener Zeit 
hat sich die Seuche mehrmals wieder eingefunden, in 
Sonderheit war dies in den Kriegsjahren 1805 und 
1809 der Fall. Als gewöhnliche Begleiterin der Hee 
reszüge aus dem nördlichen und östlichen Europa wurde 
die Seuche im Jahre 1813 in ganz Deutschland ver 
breitet, von da wurde sie mit den ungarischen und pol 
nischen Schlachtviehheerden der verbündeten Armeen im 
Jahre 1814 nach Frankreich gebracht, wo sie auf eine 
mörderische Weise um sich griff, was um so leichter ge 
schehen konnte, da man die Krankheit im Anfange nicht 
kannte, erst nachdem sie große Verheerungen angerichtet 
hatte, auf ihre kontagiöse Natur aufmerksam wurde 
und auch dann noch die einzig hülfreichen streng poli 
zeilichen Maßregeln nicht gehörig in Anwendung brachte. 
Während des russisch - türkischen Krieges im Jahre 
1827 bis 1828 war die Rinderpest in der Moldau, 
Walachei, Bessarabien, Volhynien, Podolien u. s. w. 
ungemein ausgebreitet, überschritt die preußischen und 
östreichischen Grenzen, indem sie durch angesteckte Schlacht-
        

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