Herausgeber:
Liechtensteiner Landeszeitung 1863-1867
Bandzählung:
1866
Erscheinungsjahr:
1866
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000081309_1866/122/
setzung der militärischen Stellungen in Sachsen habe das 
Schicksal des FetdzugeS entschieden. Dazu seien Fehler 
des Generalstabs in der technischen Ausführung deS 
Kriegsplanes und die ungenügende Bewaffnung der In 
fanterie gekommen. 
An den Heckerschen Briefen, die zuerst in der Köl 
nischen Zeitung veröffentlicht worden sind, soll viel herum 
geputzt und gestutzt worden sein. ES ist nichts hinzuge 
setzt, vieles aber aus ihnen weggelassen worden; sie ent 
halten nicht den ganzen Hecker und nicht die ganze 
Wahrheit. 
Wenn irgend etwas einen Maßstab abgeben kann 
für die Höhe der Wiener Staatsweisheit, so ist eS die Be 
handlung, welche den braven Tyrolern wiederfährt. 
Das Landesvertheidigungskommando hatte einen aus 
führlichen Bericht über das, was von Einzelnen, sowie 
von ganzen Schützenkompagnien und Gemeinden im 
Kriege gegen den italienischen Einsall geleistet worden, 
nach Wien geschickt und den Leistungen entsprechende 
Auszeichnungen in Vorschlag gebracht. In Wien wird 
ein großer Theil dieser Vorschläge gestrichen und die ge- 
sammte Eingabe zur Umarbeitung nach Innsbruck zu 
rückgeschickt. Darob begreiflicher Weise große Entrüstung 
im ganzen Lande, das alle seine Kräfte daran gesetzt 
hatte, den Feind über die Grenzen zurückzuweisen. 
Schweiz. Der Bundesrath hat die Einführung des 
Winchester-RepetirgewehreS für die ganze Armee vorge-- 
schlagen. DaS braucht 10 Mill. Fr., dafür aber besitzt 
dann die Schweiz ein Gewehr, welches in der Minute 15 
Schüsse abgeben kann. — Bei den Genfer Großraths 
wahlen fielen arge Ruhestörungen vor. Es wurden meh 
rere Bürger verwundet, die Fenster des Wahlgebäudes 
eingeworfen. Feuerwehr und Gendarmerie mußten her 
beigerufen werden um die Ruhe herzustellen. — Die 
letzten Föhnstürme wütheten auf dem Bodensee wieder 
mit einer Heftigkeit, wie man sie selten beobachtet haben 
will. Haushoch schlugen die Wogen empor und sämmt 
liche Dampfer mußten ihre Fahrt einstellen. 
Zürich. Die kleine Gemeinde Benken hat von ih 
rem reichen Herbstsegen den Bewohnern von Ellikon am 
Rhein, deren Weinberge die beiden letzten Jahre durch 
Frost völlig zerstört wurden, eine freiwillige Spende von 
25 Saum gleich 250 Viertel Wein gesammelt und zur 
Vertheilung zugesendet. Ehre solchem Gemeinsmne, der 
es sich zur Aufgabe macht, geschlagene Wunden zu 
lindern! 
AuS dem Rheinthal wird folgendes Muster einer häus 
lichen, sparsamen Hausfrau berichtet: Kürzlich erklärte 
ein Mann seiner Frau, daß er für feinen schon längst 
kranken Fuß doch noch einen Arzt gebrauchen müsse. 
Seine theure Ehehälfte meinte aber, es pressire noch nicht 
so sehr, zu einem Arzt zu gehen, da doch die Cholera 
bald komme und die Rinderpest schon da sei. 
(Aus dem Neutoggenburg). Der sonderbare Fuchs. 
Irgendwo im Neutoggenburg lebt ein Sep mit seinem 
Anneli. „Sep", sagte letzthin das Anneli, „hast du die 
Eier aus dem Hennenstall im „Gaden" genommen? 
„Ha denk, jowolle!" sagt der Sep, „ich glaubte eben, 
du habest sie herauf. S' muß scheintS ein Fuchs ir 
gendwo herum sein, dem will ich aber sein Eierholen 
verleiden." Der Sep sagt das, geht in den Schluss hi 
naus, holt eine Fuchsfalle, bringt sie in'S „Gaden" an 
den Ort, wo die Eier sind, richtete sie und nun Füchs 
lein, jetzt kannst kommen. In der Nacht erwacht ^das 
Anneli von einem furchtbaren Geschrei in der Nähe des 
Hauses. „Oooh! Oooh! Helfet mir!" tönte es. „Sep! 
Sep!" ruft das Anneli, „hörst nichts!" Der Sep macht 
sich auf die Beine, geht dem Geschrei nach, das führt 
ihn in „das Gaden" und richtig, der Fuchs war in der 
Falle; 'S war aber ein zweibeiniger, der noch immer mit 
seinem Mordiogeschrei fortfuhr, denn das Ding „klupte" 
entsetzlich und er glaubte nichts anders als der Teufel 
hätte ihn am Beine gepackt und dieß wäre kein Spaß. 
Der gutmüthige Sepp erlöste den Gefangenen aus sei 
ner Haft und ließ ihn seiner Wege trappen. Dem 
„Fuchs" wird dies aber eine Lehre gewesen sein, das 
Eierstehlen ein andermal bleiben zu lassen. 
Ein Pariser Elegant geht auf die Jagd, seiner Gelieb 
ten die Uebersendung der ersten Beute versprechend. In 
der That empfängt die junge Dame am nächsten Tage 
per Eisenbahn einen Hasen und einige Rebhühner; da 
die Empfängerin selbst in der Kochkunst nicht sehr be 
wandert ist, so wird die Hülfe eines in demselben woh 
nenden ehemaligen Koches requirirt und ein fröhliches 
Mittagessen veranstaltet. Hase und Rebhühner sind ver 
zehrt, als der Briefträger erscheint und ein Billet des 
abwesenden Amphytrion bringt: „Avis der durch die 
Eisenbahn erfolgten Sendung mit der Bemerkung, daß 
er für die kleinen Ausgaben des Males dem Hasen 80 
Fr. zwischen Fell und Fleisch geschoben habe." Alle Gäste 
schwören, kein Zwanzigfrankenstück verschluckt zu haben 
und die Verantwortung bleibt auf dem Koche haften, 
der endlich unter dem sanften Zureden der Polizei seine 
Schuld bekennt. — Die Geschichte wird aber noch da 
durch interessanter, daß in Folge der vor das Zuchtpo 
lizeigericht gebrachten Klage auch der freigebige Jäger 
wegen Verletzung des Postregals zur Rechenschaft ge 
zogen worden ist und die undeklarirte Geldsendung wahr^ 
scheinlich mit einigen Hundert Franken büßen wird. 
Eine Dame in Berlin verbarg 7000 Thlr. in StaatS- 
papieren in einem alten ausgedienten Koffer in ihrer 
Rumpelkammer. Da suchen Diebe deine Schätze si 
cher nicht, dachte sie. Nach einiger Zeit war das Geld 
dennoch verschwunden. Längere Zeit darnach bot ein 
Kleiderhändler 3000 Thlr. in Bergisch-Märkischen Eisen 
bahnaktien einem Bankier zum Wechseln an, der Bankier 
hatte gemerkt, daß diese Papiere zu den gestohlenen ge 
hörten und machte Anzeige. Der Händler wurde ver 
haftet und gestand, daß sein Schatz ihm das Geld ge 
geben und es vorher ihrer Herrin gestohlen habe. DaS 
ganze Geld fand sich bis auf 700 Thlr. vor. 
Wie ein närrischer Kauz seine Zeche bezahlt. 
— Bekannt ist die Anekdote von jenem Arzte, welcher 
in einem Bauernhaüse kein Papier fand und deshalb sein 
Rezept auf die Stubenthüre schreiben mußte, mit wel 
cher sodann der Bauer nach der Stadt in die Apotheke 
fuhr. Etwas Aehnliches ist in größerem Maßstabe in 
Gmunden, in Oberöstreich, einem durch seine Kaltwasser-
        

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