Herausgeber:
Liechtensteiner Landeszeitung 1863-1867
Bandzählung:
1866
Erscheinungsjahr:
1866
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000081309_1866/12/
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— so würde das Schwein nicht unter den Lebenden ge- 
blieben sein. Jedes einzelne Thierchen ist ein ziemlich 
harmloses, unschädliches Geschöpf: gefährlich wird der 
Parasit nur durch seine Menge, die den Darm millio 
nenfach durchbohrt und die Muskelbündel zerfasert Wie 
das Leben im kleinsten Raum durch seine riesenhafte Jn- 
dividuenzahl Gebirgsfchichten schafft und Inseln auf- 
thürmt, so wirkt es hier verheerend und unheilverbreitend 
in der'Menschenwelt. Wird trichinöses Fleisch genossen, 
so zerfallen die Kapseln unter der Einwirkung des Ma 
gensaftes und die Würmchen beginnen ein neues Sta 
dium ihrer Entwicklung. Zn den Darm gelangt, wer 
den sie nach etwa zwei Tagen geschlechtsreif, die Weib 
chen werden zu Muttertrichinen, indem sie fast die fünf 
fache Größe der Muskeltrichine erreichen. Nach unseren 
Messungen beträgt die Länge der Muskeltrichine im Mit 
tel Vz Linie Maß, die der Muttertrichinen aber 1 
1 s/4 Linien pariser Maß. Die Männchen sind etwa 
halb so groß und, leicht erkennbar an zwei kegelförmigen 
Spitzen am Hintertheil; sie sind viel seltener als die 
Weibchen; nach unsren Erfahrungen kommt auf 12 bis 
15 Weibchen erst ein Männchen. Die Weibchen füllen 
sich alsbald mit Eiern, deren wir in einem Thiere über 
200 gezählt haben. Nach 6 bis 10 Tagen — je nach 
der Temperatur — schlüpfen die Jungen, die sich schon 
in der Mutter fast völlig entwickeln, ohne Kchelle, also 
lebendig aus der Geburtsöffnung; wir haben den Vor- 
gang des Gebarens uuter dem Mikroskope verfolgt. Ob 
die Muttertrichinen wiederholt befruchtet werden und 
wiederholt gebären, konnten wir nicht evident ermitteln. 
Doch ergab der Versuch, daß bei einem Kaninchen, des 
sen Fleisch von Muskeltrichinen ganz durchsetzt war — 
drei Wochen nach der Trichinisirung — die Muttertri 
chinen im Darme, wenn sie auch der Zahl nach etwas 
abgenommen, von Eiern strotzten Die Muttertrichine 
wird übrigens im Leibe ihres Wirths zur Großmutter, 
da das frischgeborene, junge Volk, ohne geschlechtsreif 
zu werden , alsbald auf die Wanderschaft geht. Die 
Darmwand wird durchbohrt und der Eingang in die 
Muskeln gesucht und gefunden, während die Muttertri- 
chinen wochenlang bis zum Absterben un Gedärme ver 
weilen. Jetzt treten für den unglücklichen Wirth die 
Unterleibsleiden ein, denen der Patient nur zu oft er 
liegt. Sind die Thiere in die Muskeln eingetreten, so 
trennen sich die Muskelbündel, zerzahnt vom Eindring 
ling. Für den unglücklichen Wirth beginnt nun der 
Muskelschmerz und die Bewegungslosigkeit der Gliedmas- 
sen. Die meisten trichinenkranken Menschen erliegen in 
diesem zweiten Stadium. Die Hohlräüme, iu denen die 
zusammengerollten Trichinen liegen, erfüllen sich mit grie- 
selicher Masse, die am Ende durch Ansschwitzung der 
umgebenden Theile zur kalkigen Kapsel erstarrt. Diese 
Kapsel ist nicht etwa vom Thiere selbst abgesondert, wie 
die Puppenhülle von der Raupe, sondern lediglich von 
außen her angelegt; sie bildet im Schweine die Wiege 
zu neuem Leben für das Würmchen, wenn der Wirth 
verspeist wird, im Menschen aber, der nicht mehr frisch 
gefressen wird, den Sarg des Parasiten. So ist der Kreis 
sauf im Leben der kleinen Bestie vollendet. (Schluß folgt.) 
Druck der Grafisch n^rben 
Anzeigen. 
Kundmachung. 
Von dem fürstl. Landgerichte als Handelsgericht, 
wird hiemit bekannt gemacht, daß die Eintragungen in 
das Handelsregister im laufenden Jahr in der „Liechten 
steiner Landeszeitung" veröffentlicht werden. 
Vaduz, den 23. Jänner 1866. 
Keßler. 
FirmaprotokoMrung. 
Von dem fürstl Landgerichte als Handelsgericht 
wird hiemit bekannt gemacht, daß nachstehende Handels 
und Fabriksirenen protokollirt wurden: 
1. Felir Real, Tuch-, Schnitt- Spezerei- und Gemischt- 
waarenhandlung in Vaduz, Herr Felir Real Allein 
eigenthümer. 
2. Johann Georg Rheinberger, Tuch-, Schnitt-, Spe- 
zerei- und Gemischtwarenhandlung in Vaduz, Herr 
Joh. Gg. Rheinberger Alleineigenthümer. 
3. Joh. Ferd. Schlegel, Spezerei- und Gemischtwaaren- 
Handlung in Schaan, Herr Joh. Ferd. Schlegel Al 
leineigenthümer. 
4. Kaspar Honegger, mechanische Baumwollweberei in 
Mühleholz-Vaduz, Herr Kaspar Honegger Alleinei 
genthümer. 
5. Kirchthaler und Dürst, mechanische Baumwollweberei 
in Triesen, offene Gesellschafter und Firmaführer 
Herren Franz Ant. Kirchthaler und Heinrich Dürst; 
Herr Arnold Kirchthaler Procurist. 
6. Weilemann und Wachter, mechanische Baumwollwe 
berei in Mühleholz-Vaduz, offene Gesellschafter und 
Firmaführer Herren Heinrich Weilemann und August 
Wachter. 
Vaduz, den 30. Jänner 1866. 
Keßl e r. 
Unterzeichneter, mit einem Theile der f. liechtensteini 
schen Landesvermessung betraut, fände bei dieser Be 
schäftigung noch genügend Zeit, um auf Nebenarbeiten 
sich zu verlegen, empfiehlt sich daher unter der Zusiche- 
rung, gegebene Arbeiten auf's genaueste und billigste 
auszuführen, allen resp. Behörden und Privaten zur 
Ausarbeitung von Bauplänen und Kostenberechnungen 
des Hoch-, Straßen-, Wasser- und Kunstbauwesens. 
Wäre auch geneigt, Bauhandwerkern und jüngeren Leu 
ten, die dem Bausache sich widmen wollen, unter billi 
gen Bedingungen die nöthigen Schulfächer zu ertheilen. 
Allfällige Aufträge werden jeden Dienstag und Sonn 
tag im Schäfte in Feldkirch entgegengenommen. 
Schellenberg, den, 34. Jänner 1366. 
3i I. Kutter, Jngeniuer. 
Gurs. 
Für 100 fl Silber wurden in Wien bezahlt: 
Samstag, den 27. Zänner . . fl. 104.- Banknoten. 
Mittwoch, den 61. Jänner . . fl. 1,>4.I0 » 
Herausgeber: Gregor Fischer. 
Verantwortlicher Redaktor: vr. Schädler. 
(He 1 n nch^Gräff)" tn^Feldki r ch'.'"""" "
        

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