Herausgeber:
Liechtensteiner Landeszeitung 1863-1867
Bandzählung:
1866
Erscheinungsjahr:
1866
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000081309_1866/104/
täi bezogen und in die Gräben von Sanssouci ausge 
setzt, pflanzte sich aber außerordentlich schnell weiter fort 
bis in das Flußbett und die Seeen der Havel, selbst 
in den Schifffahrts-Kanal. Man erhoffte von ihr die 
gute Wirkung, den Fischen, durch die lebhafte Schiff 
fahrt schon merklich verscheucht, bequeme Schlupflöcher 
und Anhaltepunkte zum Laichen zu bieten. Dieß hat 
sie nun aber in so ausgedehntem Maße gethan, daß sie 
thatsächlich die Schifffahrt zu hindern anfängt, und es 
ist gar nicht abzusehen, wie man sie jemals wieder los 
werden kann, da sie die Eigenschaft besitzt, daß jedes 
noch so kleine, abgerissene Stückchen sofort selbstständig 
frische Wurzeln treibt. Die Fische kommen dabei gut 
fort, aber die Schiffe nicht. 
Ein preußischer Soldat verlor in der Schlacht beide 
Füße; eS wurden ihm künstliche angesetzt und er geht 
jetzt auf denselben ohne Krücken einher. Sehr geschickt 
in der Anfertigung künstlicher Glieder sind die Ameri 
kaner. 
Coburg, 20. September Gestern gegen Abend hat 
unser tapferes Bataillon seinen Einzug hier gehalten. 
Die Stadt war festlich geschmückt mit Kränzen, Flaggen 
und Fahnen, aber nicht nur mit grün und schwarz- 
weißen, sondern auch mit schwarz-roth-gvldenen, nament 
lich der Rathhausthurm prangte mit zwei deutschen 
Fahnen. 
In Coburg ist am 17. September der talentvolle 
Dichter Arnold Schlönbach gestorben. Seine letzten 
Dichtungen: Hohenstausen, Ulrich von Hütten und der 
Stedtinger Freiheitskampf bezeichnen die Richtung seines 
warmen Patriotismus. Die Grabrede hielt ihm ein 
langjähriger Freund, Hofprediger Schweizer von Gotha. 
Einer armen BauernfraZt in einem Dorfe bei Stet 
tin kam die Nachricht zu, daß ihr Mann bei seinem 
Regiments in Böhmen schwer erkrankt sei. Sie raffte 
ein paar Thaler zusammen und machte sich auf den 
Weg nach Böhmen; glücklich hat sie sich bis Teplitz 
durchgefragt, da hört sie, daß das Regiment hier gelegen 
und so eben auf dem Bahnhof zum Abmarsch bereit 
stehe. Sie eilt auf den Bahhof, er ist gesperrt, Niemand 
wird eingelassen. Ich will zu meinem Mann, ich muß 
ihn sehen, ich komme ja so weit her, um ihn zu sehen! 
ruft sie jammernd. Offiziere werden auf sie aufmerksam, 
hören, um was es sich handelt, rufen den Landwehr 
mann und Mann und Frau liegen sich in den Armen. 
Die Umstehenden öffnen ihre Börsen und sammeln reich 
liches Reisegelb für die Heimfahrt der Glücklichen. 
^ Luzern. Bei der Rekrutenprüfung ergaben sich laut 
dem „Eidg." folgende Resultate: Die Zahl der die Prü 
fungen bestehenden Rekruten betragt 754, wovon 86 
oder 11,4o/g keine oder nur geringe Leistungen auf 
wiesen. Die beste Note in allen Fächern erhielten 109 
Mann oder 14,45 U. 
Als auffallend wird bemerkt, daß 66 Rekruten nicht 
einmal lesen konnten und daß solche, welche etwas 
schreiben und daS Geschriebene lesen konnten, nicht Ge 
drucktes zu lesen vermochten. Die Ursachen des Man 
gels an Leistungen werden in schlechtem Schulbesuche, 
Mangel an Anlagen oder Fleiß und in der Beschäfti 
gung der aus der Schule Entlassenen (Landbau) gesucht. 
Bisweilen wird auch die Schule angeklagt. Der Lehrer 
habe die Schwachen sitzen lassen und sich mit den Bes 
seren beschäftigt zc. die Mehrzahl der Leistungslosen war 
aber ehrlich genug, die Schuld bei sich zu suchen. Da 
rum Bemerkungen, wie: „Mit mir isches nüd z'mache; 
ich bi immer e dumme Kerli g'sy" — „Es lit nid i 
üser Familie; der Alt hed au nüd chönne" — „I ha 
i der Schuel nur Lumpereien triebe und nüd g'lehrt" zc. 
Es gibt aber andere Leute, welche die Schule anschuldi 
gen, und das sind gerade Diejenigen, welche ihr wenig 
geben möchten, um desto mehr von ihr zu fordern. 
Bei den Meisten gelang es, durch den Unterricht der 
Rekrutenschule das Versäumte ordentlich nachzuholen. 
Anzeigen. 
(Zurrsnäo. 
Im Sinne des §. 24 des Gesetzes für Verbesserung 
der Viehzucht (Landesgesetzblatt v. I. 1866, Nr. 3) 
ergeht an die hierländigen Rindviehzüchter die Aufforde 
rung, jene inländischen Stiere, welche im nächsten Jahre 
als öffentliche Sprungstiere verwendet werden wollen, 
der Landes-Commission am Montag den 1. Okto 
ber Vormittags 10 Uhr zu Schaan zur Be 
schau vorzuführen. 
Zu dieser commissionellen Besichtigung haben auch die 
Ortsvorstände sich einzusenden. 
Fürstl. L. Regierung. 
Vaduz, den 21. September 1866. 
v. Hausen. 
Bekanntmachung. 
Unterzeichnete erlaubt sich dem ?. I. Publikum die 
Anzeige zu machen, daß sie vom 1. Oktober an Schaf 
wollen zu kartnen anfängt unter Zusicherung schneller 
und billiger Bedienung. 
Feldkirch, am 26. September 1866. 
M. Moosbrugger, Wittwe, 
in der Neustadt. 
Curs. 
Für 100 fl Silber wurden in Wien bezahlt: 
Samstag, den 22. September. . . fl. 128. Banknoten. 
Donnerstag, den 27. September. . . fl. 127.25 » 
Herausgeber: Gregor Fischer. 
Verantwortlicher. Redaktor: vr. Schädler. 
Druck von Heinrich Graff in Feldkirch.
        

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