Herausgeber:
Liechtensteiner Landeszeitung 1863-1867
Bandzählung:
1865
Erscheinungsjahr:
1865
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000081309_1865/99/
mir eine andere Meinung als die richtige darstellen und 
ich bin alsdann in meinem Gewissen verpflichtet, diese 
hier zu vertreten. 
Wanger: Ich stelle den Antrag, um endlich einmal 
von der Stelle zu kommen, daß die auf Privatwaldun 
gen Anwendung findenden Gesetzartikel noch ein Mal 
gelesen und beschlossen werden. Die übrigen Artikel 
haben schon in erster Lesung keine Aenderung erfahren, 
so daß wir sie bis zur Endabstimmung außer Acht las 
sen können. 
Kind: Ich trage auf Endabstimmung an, wenn Nie-- 
mand Abänderungsanträge stellt. 
Präsident: Ich unterstütze die Ansicht des Herrn 
Wanger und ersuche die Versammlung über diesen An 
trag Beschluß zu fassen. 
Reg.-Komm.: Der Antrag des Abg. Kind geht 
am weitesten und hätte zuerst in Abstimmung gebracht 
werden sollen. 
Wanger: Wenn über den Antrag des Herrn Kind 
abgestimmt wird, ziehe ich meinen Antrag zurück. 
Präsident: Ich mußte an dem Antrage des Hrn. 
Wanger festhalten. Ich habe beabsichtigt zum §. 14 
einen Zusatz zu beantragen, welcher die Holzung von 
der forstamtlichen Genehmigung abhängig macht. 
Kirchthaler: Ich würde auch dafür sein, daß man 
wenigstens die Leitung des Holzschlages durch das Forst 
amt festsetzt. 
Fischer: Was meinen Sie mit dem Ausdruck Lei 
tung? Eine bloße Anleitung, welcher ich nach Belieben 
folgen kann oder nicht, ist ganz nutzlos. Das Forstamt 
wird kein Vergnügen darin finden, einen guten Rath zu 
ertheilen, der in den meisten Fällen nicht befolgt wird. 
Entweder Zwang oder Freiheit! 
Keßler: Der ganze Streit ist beendigt, sobald man 
sich die Frage beantwortet: Soll für Privatwälder auch 
ein rationelles Betriebssystem Anwendung finden oder 
nicht? Wenn man dem Einzelnen gestatten will, seinen 
Wald nach Gutdünken zu behandeln, was braucht es 
dann Verzeichnisse über die beabsichtigten Holzschläge? 
Präs.: Ich möchte trotzdem dem Forstamt die Inter 
vention wahren. Es soll unter allen Umständen Kennt 
niß haben von den Maßregeln, die der Private in sei 
nem Walde ausführen will. Das muß sein. Denn im 
8. 6 hat man beschlossen, daß alle Wälder ^als solche 
erhalten bleiben. Es müssen also solche Handlungen 
verhindert werden können, welche den Bestand einer 
Waldfläche untergraben. 
Fischer: Ich schätze die Grundsätze, welche den Hrn. 
Präsidenten zum.Schutze der Privatwälder veranlassen. 
Allein es ist denn doch die Frage, ob die Ausdehnung 
der inländischen Privatwaldungen so groß ist', daß ihr 
Einfluß auf klimatische Verhältnisse irgend eine nennens- 
werthe Bedeutung hat. Es sind hier zwei Ertreme zu 
beachten. Entweder ist der ganze Waldbesitz eines Lan 
des in Händen derPrivaten; dann wird sich der Staat 
allerdings gegen die ungeheuren Folgen einer plötzlichen 
Entwaldung sicher stellen müssen, er wird die Privaten 
zugunsten des Volkswohles bedeutend einschränken müs 
sen; oder der Privatwalbbesitz ist verschwindend klein ge 
genüber dem Besitze des Staates und der Gemeinden; 
darin aber kann dem Gemeinwohl auch aus der schlech 
testen Wirthschaft kein fühlbarer Nachtheil erwachsen. 
Also beantworte man uns die Frage: Wie groß sind die 
Privatwaldungen? 
Quaderer: Es find das so geringe und unbedeu 
tende Parzellen, daß es fast lächerlich, im Interesse der 
selben eine so lange Debatte zu führen. Zudem sind 
sie als kleine Flächen meist zerstreut zwischen Gemeinde 
waldungen. 
Keßler: Der Herr Forstinspektor wird uns sagen 
können, ob sich auf diesen Parzellen eine rationelle Be 
wirthschaftung ausführen läßt oder nicht? 
Forstinspektor Schauer: Die Privatwälder in 
der unteren Landschaft lassen sich nicht rationell bewirth 
schaften, sie sind viel zu klein um eisten regelmäßigen 
Betrieb an ihnen zu vollziehen. Allein wenn, es sich um 
ihre Erhaltung bändelt, so sind doch Rücksichten noth 
wendig, welche der Private in der Regel nicht obwalten 
läßt. So kann eine Fläche durch EntHolzung so aus 
trocknen, und es kann dieselbe so sehr dem Winde und 
der Sonnenhitze ausgesetzt werden, daß die besten Kräfte 
durch die Luft davon geführt werden und daß ihre Auf 
forstung auf künstlichem Wege nur langsam oder gar 
nicht mehr möglich ist. Zur Verhütung dessen wäre es 
genügend, wenn jeder Waldbesitzer alljährlich ein Ver- 
zeichniß des Holzes eingeben würde, worauf ihm das 
Forstamt die Bewilligung ertheilt. 
Reg.-Komm.: Was sie hier von den Privatbesitzern 
verlangen, das gehört schon zur rationellen Wirthschaft. 
Aber das wurde ja schon in der Kommission abgelehnt. 
Quader er: Weil der Privatbesitz äußerst geringfü 
gig ist, so kann man die ganze Sache bei den Beschlüs 
sen der letzten Sitzung belassen. 
Mehrere Stimmen fordern Endabstimmung, eventuell 
Bestätigung der in letzter Sitzung gefaßten Beschlüsse. 
Präsident will zur Endabstimmung schreiten, wenn 
es die Versammlung beschließt. 
Marx er begehrt noch das Wort: Es heißt, daß 
diejenigen Bürger, welche ihr Loosholz verkaufen, wäh 
rend desselben Jahres kein anderes mehr aus dem Ge 
meindewalde erhalten. Man gibt nun das Loosholz im 
Dezember aus. Bezieht man nun diese Bestimmung auf 
das Kalenderjahr, so hat sie keine Bedeutung. 
Wanger: Das ist so zu verstehen, es erhält der 
Betreffende kein Holz mehr, bis wieder eine allgemeine 
Vertheilung geschieht. 
Reg.-Komm: Wenn die Ausgabe des Loosholzes 
im August geschieht, so versteht man unter „Jahr" die 
Zeit bis nächsten August. Darüber können keine Zwei 
fel obwalten. 
Die Endabstimmung wird einstimmig beschlossen und 
es stimmen 10 Abgeordnete für die Annahme des Ge 
setzes mit „Ja". — Büchl stimmt nicht, weil er in 
letzter Sitzung abwesend war. 
Fortsetzung über die Berathung der Wuhrordnung 
folgt in 8 Tagen.
        

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