Herausgeber:
Liechtensteiner Landeszeitung 1863-1867
Bandzählung:
1865
Erscheinungsjahr:
1865
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000081309_1865/98/
pfiichtung zugedacht, ihre Hokzhiebe unter Leitung und 
Kontrolle des ForstamteS auszuführen. Der Landtag 
entschied sich, jedoch nicht einstimmig, für die Aufhebung 
dieser Entwurfsbestimmung und setzte nur fest, daß 
alle bestehenden Waldflächen als solche erhalten bleiben 
müssen, daß eine Ausrottung bestehender Waldstücke nur 
mit Genehmigung der Regierung vor sich gehen darf, 
daß Private nur zu der gesetzlich bestimmten Zeit vom 
Oktober bis April Holz , schlagen dürfen, daß die schlag 
baren Hölzer im Beisein des Eigenthümers vom Wald 
aufseher mit dem Waldhammer anzuschlagen seien, daß 
auch die Privatwaldungen unter derselben Polizeiaufsicht 
stehen, wie Gemeinde- und Staatswaldungen :c. 
Die Debatte dieser Bestimmungen beschäftigte den 
Landtag so lange, daß die I. Lesung des Wuhrgesetzes 
auf nächste Sitzung verschoben werden mußte. Die 
Sitzung wird um 6 Uhr Abends geschlossen. 
7. Sitzung, Vaduz, am 11. September 1865. 
Die Abgeordneten Wol sing er, Gmelch, Erni 
und Kieber sind ohne Entschuldigung abwesend. 
Tagesordnung: II. Lesung der Waldordnung, I. 
Lesung der Wuhrordnung, Wahl der Finanzkommisston. 
Das Protokoll letzter Sitzung wird verlesen und ge 
nehmigt. 
Präsident Schädler: Wir stehen an der II. Le 
sung der Waldordnung. In letzter Sitzung haben sich 
zwei Ansichten bekämpft: DaS Eigenthumsrecht in Be 
zug auf Privatwaldungen möglichst aufrecht zu erhalten 
— oder dasselbe zu Gunsten des Allgemeinen stärker zu 
beschränken. Darüber war eine Differenz in der Ver 
sammlung. Uebereingekommen sind wir, daß alle Flächen, 
welche jetzt Wald sintz, als solche erhalten werden sollen. 
Damit ist konsequent, daß abgetriebene Privatwaldungen 
wieder anzupflanzen sind. Auch darin sind wir einig, 
daß die polizeilichen Anordnungen dieses Gesetzes auf 
alle Privatwgldungen auszudehnen sind. Wir waren 
nur verschiedener Ansicht in Bezug auf das Schlagen 
von Hölzer. Im Entwurf wird das Abholzen an die 
Genehmigung des Forstamtes gebunden. Diese Bestim 
mung wurde nun von mehreren Seiten als eine zu starke 
Beschränkung des Eigenthumsrechts betrachtet, während 
Andere glaubten, es sei dies nöthig und sei nur eine 
Konsequenz des Beschlusses, daß die Waldflächen qls 
solche fortbestehen müssen. Wenn dieser Beschluß einen 
Sinn haben solle, so müsse das Forstamt Kenntniß und 
Einsicht haben von jeder Holzung, damit es verderbliche 
Maßregeln hindere. Treibt der Eigenthümer seinen Wald 
schonungslos ab, so wird dieser Zweck unerreichbar ge 
macht, denn auf manchen abgeholzten Flächen wird der 
fruchtbare Obergrund durch Regen bald hinweggeführt 
und eine neue Kultur fast unmöglich gemacht. — Ich 
bin nun für die Einschränkung der Privatbesitzer im In 
teresse des Allgemeinen, speziell aber im Interesse unse 
res EschnerbergeS, welcher seine Quellen und seinen 
Wasservorrath nur seinen dortigen Waldungen/verdankt. 
Werden größere Flächen des Privatwaldes niedergeschla 
gen , so müssen die Bewohner des Eschnerberges noth 
wendig in Wassermangel gerathen. Diesem Uebel möchte 

ich vorbeugen, um so mehr, weil es Spekulanten gibt, 
welche oft mehrere kleine Parzellen ankaufen und voll 
ständig niederhauen. — Man hat in letzter Sitzung 
auch die Frage angeregt, ob der Staat das Recht habe, 
den Privaten dermaßen zu binden. Ich bin darüber kei 
nen Augenblick im Zweifel. Der Staat hat das Recht, 
so oft es das allgemeine Beste erfordert. 
Kind: Ich bemerke nur, daß eine solche Kalamität, 
wie sie von Hrn. Präsident befürchtet wird, am Esch 
netberg nicht so leicht eintreten wird. Die dortigen Pri 
vatwaldungen sind alle sehr ungleich im Alter, so daß 
eine gleichzeitige AbHolzung großer Flächen nicht gesche 
hen kann. Ich bin sodann der Meinung, daß dem 
Staate kein Recht zustehe, den Waldbesitzer in d,er an 
geführten Weise zu beschränken. 
Kirchthaler! Ich war noch in der letzten Sitzung 
derselben Ansicht, wie mein Vorredner. Unterdeß hatte 
ich Gelegenheit, mich über die gegenwärtige Wirthschaft 
in Privatwäldern zu belehren, und ich sehe mich ver 
pflichtet, für eine größere Beschränkung zu stimmen. Es. 
ist erschrecklich, wie man in manchen Privatwaldungen 
wüthet. Das ganze Jahr wird Holz geschlagen, mitten 
im schönsten jungen Bestand fällt man zur Sommers 
zeit ältere Stämme, welche durch ihren Fall ganze Flä 
chen verwüsten. Spekulanten kommen und schlagen mit 
ten im Sommer ganze Wälder nieder um einen Spott 
preis. Es sollen Verkäufe gemacht worden sein um 100 
fl., während 500 fl. nicht zu viel gewesen wäre. 
Kind: Es ist wahr, daß viel Unfug statt hatte. 
Allein in Zukunft ist der Private an die regelmäßige 
Hiebzeit gebunden. Daß man aber Wälder verschleudert 
habe, das kann ich nicht bestätigen. Ich muß, als Esch- 
nerberger, mich verwahren, daß man uns für so ein 
sichtslos hält, den Werth einer Waldfläche nicht zu er 
kennen. 
Kirchthaler: Was ich bemerkte, ist der Bericht ei 
nes glaubhaften, mit der Sache vertrauten Mannes. 
Keßler: Der Herr Präsident scheint diejenigen der 
Inkonsequenz zu beschuldigen, welche für das Privatei 
genthum einstehen. Die Freiheit des Eigenthums ist ein 
Prinzip und was aus diesem Prinzip folgt ist Konse 
quenz, alles andere Ausnahmen. Ich bin ganz der An 
sicht, der Staat habe das Recht das Privateigenthum zu 
beschranken; allein er hat nur ein Recht so weit zu ge 
hen, als es nöthig ist. , Wenn die heutigen Ansichten 
des Herrn Präsidenten' zur Durchführung kämen, so 
würde es kein Privateigenthum mehr geben. Konsequent 
sind diejenigen, welche die in der Kommission angenom 
menen Anträge vertheidigen, inkonsequent aber die, welche 
in der Kommission anders und hier wieder anders ge 
stimmt haben. 
Präsident: Ich bin kein Freund von Persön 
lichkeiten, ich bin stets bemüht dieselben zu -verhüten und 
bemerke, daß meinen Worten keine Absicht zu Grunde 
lag, wie sie Hr. Keßler darin findet. Ich finde aber 
auch keine Inkonsequenz, wenn ich in der LandtagSsitzung 
eine andere Meinung gewonnen habe als ich sie in der 
Kommission hatte. Durch reiflichere Ueberlegung, durch 
Kenntnißnahme entgegenstehender Ansichten :c. kann sich
        

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