Herausgeber:
Liechtensteiner Landeszeitung 1863-1867
Bandzählung:
1865
Erscheinungsjahr:
1865
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000081309_1865/95/
geringere Sorten Rindfleisch sind um 15—18 Nkr. zu 
haben. 
— Am 5. Oktober d. I. wird der landwirtschaftliche 
Verein von Vorarlberg seine diesjährige Ausstellung in 
Feldkirch abhalten. Es erhalten alle Klassen von Nutz 
thieren Prämien, ebenso landwirtschaftliche Erzeugnisse, 
Gerätschaften zc. 
— Theure Milch. Zwei Fremde aus 'Deutschland 
machten von Bludenz eine Partie nach dem Lüner See 
und erquickten sich in einer Vorarlberger Alphütte mit 
2 Maß Milch, wofür sie dem Senner 4 fl. Silber be 
zahlen mußten! 
— Von dem Augustmarkt in Altstätten be 
richtet man wenig Erfreuliches. An Pferden und Rind 
vieh wurde fast gar nichts verkehrt; auch das Obst 
fand keine Käufer. Geld- und Heumangel .ist einer so 
groß wie der andere. 
— Aus der Umgegend von Bern wandert viel Obst 
nach St. Gallen zu 2^—3 Fr. per Zentner. Ein in 
St. Gallen wohnender Bauer hat 1500 Ztr. gekauft. 
— Aus Cöln und der Moselgegend wird man be 
nachrichtigt, daß die Lese der Frühburgunder-Trauben 
schon am 28. August begonnen hatte. In der wälschen 
Schweiz wurde schon um die Mitte v. M. gelesen. 
— Es wird nun bald keine Kronthaler mehr ge 
ben, denn der süddeutsche Münzverein hat beschlossen, 
für mehr als 4 Mill. einzuziehen. Ferner sollen alle 
nicht mehr coursfähigen Dreikreuzerstücke eingezogen und 
neue Sechs- und Dreikreuzerstücke geprägt werden. 
— Unter den Schützen, die aus Amerika zum Schü 
tzenfest nach Bremen kamen, befanden sich zwei, die 
nach dem Fest ihre alten Vaterstädte, Kassel und Weißen 
fels aufsuchten. Kaum waren sie da angekommen, wur 
den sie festgenommen, weil sie vor Jahren ausgewandert 
sind, ohne ihrer Militärpflicht genügt zu haben. Beide 
Männer sind jenseits des Oceans glücklich verheirathet, 
haben Kinder und sollen nun in der alten Heimat vor 
ein Kriegsgericht gestellt werden. Kann das geschehen, 
wenn sie in Amerika das Bürgerrecht erlangt haben? 
— Der Bau der Eisenbahn von Lindau-Bre- 
genz-Margarethen und der Zweigbahn Felvkirch - Rüthi 
ist durch Vertrag zwischen Oestreich, Bayern und der 
Schweiz endgiltig beschlossen und sollen dieselben läng 
stens innerhalb 3 Jahren im Betrieb stehen. 
— In einem französischen Dorfe, nahe an der Ber- 
ner Grenze, wurde der Meßner während des Wetter 
läuten s vom Blitze erschlagen. 
— Der älteste Bürger der Stadt Zürich, Hr. Kla 
viermacher Fast, muß ein „famoser Feger" sein. Er 
macht täglich große Spaziergänge und produzirt sich so 
gar mit Kraftstücklein, die mancher Junge nicht zu ver 
richten im Stande ist, wie das senkrechte Aufheben eines 
Stuhles vom Boden mit einer Hand an einem Bein, 
trägt sonst schwere Lasten zc. Am eivgen. Freischießen 
hat er dem ältesten Bürger von Schaffhausen gezeigt, 
daß er den Schaffhauserwein besser vertragen möge, als 
selbst dieses Schaffhauferkind. Ein Arzt fragte unfern 
Senior um das Mittel, um so alt zu werden und doch 
so gesund und frisch zubleiben. Er erhielt die Antwort: 
..Ich habe am Tag gearbeitet, bei Nacht geschlafen, gut 
gegessen und gut getrunken, aber nie gefressen und nie 
gesoffen. — Ohne Zweifel eine weise Lebensregel. 
— Zur Statistik der Unglücksfälle auf Eisenbahnen 
dürfte folgende Notiz von Interesse sein. Auf den fran 
zösischen Bahnen kam bis jetzt durchschnittlich 1 Todes 
fall auf 1,955,555 Passagiere, 1 Verwundung auf je 
496,551. Viel schlechter stellt sich das Verhältniß auf 
den englischen Eisenbahnen, wo 1 von je 1,256,290 
getödtet und 1 von je 311,345 verwundet wurde. Auf 
den belgischen Bahnen berechnet sich 1 Todesfall auf je 
8,661,804 und 1 Verwundung auf je 2,000,000 Per 
sonen. Noch günstiger fällt der Vergleich für die badi 
schen Bahnen aus, bei denen die Proportionen 1 zu 
17,514,977 und 1 : 1,154,311 sind. Am günstigsten 
aber stellt sich das Verhältniß auf den preußischen Ei 
senbahnen, wo nur 1 von je 21,411,488 getödtet und 
1 von je 3,802,998 verwunder wurde. 
— Das französische Kaiserpaar weilte drei Tage 
in Arenenberg im Thurgau und machte dann noch eine 
Reise durch die Schweiz. In Neuchatel gingen bei der 
Fahrt vom Bahnhof zum Hotel die Pferde an dem Wa 
gen der Prinzessin Anna Murat durch, der Wagen wurde 
umgeworfen und die Prinzessin trug eine ziemlich starke 
Quetschung am Kopfe davon, doch soll sie gefahrlos 
sein. Außerdem brach die Herzogin von Montebello das 
Schlüsselbein, General Fleury den Arm, eine Hofdame 
Arm und Bein und dem Kutscher wurde der Fuß zer 
quetscht, mehrere Personen wurden überfahren. Der 
Kaiser ist nach Fontainebleau zurückgekehrt, die Kaiserin 
aber zur Pflege der Verunglückten vor der Hand in 
Neuenburg zurückgeblieben. — Napoleon machte bei die 
ser Gelegenheit eine Rundreise auf dem Bodensee. 
— Napoleon hat in Arenenberg 30,000 Franken 
zur Unterstützung für die umliegenden Dörfer zurückge 
lassen. 
— Unter 1000 Einwohnern können in Piemont 578, 
in der Lombardei 599, in Ligurien 708, in Toscana 
778, in der Aemilia 803 weder lesen noch schreiben, so 
daß die Volksbildung in Italien noch weit tiefer steht 
als in Spanien, wo das Verhältniß um 25 Prozent 
besser ist. 
Der Telegraphendraht, welcher uns mit Amerika 
verbinden sollte, ist abgerissen, das am Meeresgrund 
liegende Ende konnte nicht mehr herausgefischt werden. 
Wenn nun auch die Hoffnung einer telegraphischen Ver 
bindung mit der neuen Welt ins Nasser gefallen ist, 
so interessirt es dennoch, zu wissen, wie dieser Draht, 
Kabel genannt, eingerichtet ist. 
Das Kabel besteht aus einem feinen Geflecht von 
Kupferfäden, nicht stärker als ein gewöhnliches Zünd 
hölzchen. Dieses Geflecht von Kupfer wollen wir die 
Seele des Kabels nennen, weil dies die eigentliche 
Leitung ist. Sie muß zwei Bedingungen erfüllen. Er 
stens muß sie völlig ununterbrochen durch die ganze 
Strecke fein^ weil jeder Ritz, und ließe er auch nur eine 
Lücke von der Dicke eines Haares offen, sofort den elek 
trischen Strom unterbrechen würde. Zweitens muß die
        

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