Herausgeber:
Liechtensteiner Landeszeitung 1863-1867
Bandzählung:
1865
Erscheinungsjahr:
1865
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000081309_1865/88/
stant durch den Gemeindeweibel zur Zahlung aufgefor 
dert, gegen Zahlung einer Mahngebühr von 3 kr. Nach 
abermals 10 Tagen sendet die Kassaverwaltung einen 
Erekutionsmann, welcher ein Taggeld von 1 fl. 50 kr. 
bezieht und so lange auf Kosten des Restanten verharret, 
bis die Steuer bezahlt ist. Die längste Erekutionszeit 
währt jedoch nur 6 Tage, nach welcher Zeit Pfändung 
und Schätzung eintritt, nach den Bestimmungen des 
Schuldentriebsgesetzes. 
Zur Behandlung der Fondsrechnungen ist keine Zeit 
mehr vorhanden und es wird nur noch die Wahl zweier 
Kommissionen vorgenommen. 
Eine Kommission für Feuerpolizei, Waldordnung zc 
wird zusammengesetzt aus den Mitgliedern: Schädler 14, 
Keßler 13, Marrer 1i, Wanger 11, Kirchthaler 7 St. 
Eine zweite Kommission für Berichterstattung über den 
Zusatz zum Schulgesetz besteht aus: Schädler mit 7 St., 
Gmelch mit 7/Erni mit 7 St. 
Hierauf Schluß der Sitzung. 
Allerhand Neuigkeiten. 
Vaduz, 3. August. Die neuen östreichischen Mini 
ster sind gefunden. Am Ruder steht Graf Belcredi. 
Den frühern Ministern wurde wegen ihrer „treuen 
und ersprießlichen Dienstleistung" die Anerkennung des 
Kaisers zu Theil. Es schrieb kürzlich eine Zeitung, die 
Geldleute hätten dem Anschein nach zum neuen Minister 
nicht das Vertrauen wie zum abgetretenen. Wirklich ist 
der Banknotenkurs anch schon etwas gewichen. Es mö 
gen übrigens die neuen Minister was immer für ein 
politisches Glaubensbekenntniß haben, so viel ist sicher, 
in Geldsachen werden sie den Mantel nach dem Winde 
hängen müssen, es ist bei dem ohnehin sehr geschwächten 
Kredit Oestreichs nicht anders möglich. — Der östr. 
Reichsrath wurde geschlossen. 
Der Preußenkönig ist auf Reisen. Jüngst versammelte 
er seine Getreuen, Bismark und Konsorten, in dem alten 
Regensburg zu einem Ministerrath. Da soll vornehm 
lich die schleswig-holstein'sche Sache behandelt worden 
sein. Es heißt Preußen werde nachgeben. Damit steht 
aber das Benehmen der preußischen Beamten in Schles 
wig in Widerspruch. Diese kümmern sich weder um 
Gesetze noch um den östreichischen Kommissär. Wer 
ihnen nicht paßt, der wird über die Grenze oder hinter 
Schloß und Riegel gebracht. So haben sie kürzlich ei 
nen Zeitungsredakteur am frühen Morgen durch Solda 
ten aus dem Bette geholt und ihn nach einer unfrei 
willigen Eisenbahnfahrt nach?SchleSwig gebracht und 
eingesperrt. Aller Welt zum Hohn wirthschaftet das 
Bismark'sche Regiment. 
— Heute wurde dahier die IV. Landtagssitzung abge 
halten. Es war das Steuergesetz wieder auf der Ta 
gesordnung. ' ' 
-— Ein.Wolkenbruch bewirkte eine Überschwem 
mung der Tamina im Bad Pfäfers und Rag'atz und 
es soll die Wasserleitung übel zugerichtet worden sein. 
— Aus Vorarlberg berichtet die „Feldk. Ztg." 
über den sehr günstigen Stand der Feldfrüchte. Türken, 
Korn, wie Erdäpfel versprechen eine recht gute Ernte. 
Noch besser steht es mit dem Wein, sehr viel wird es 
nicht geben, aber von vorzüglicher Qualität. Man rech 
net auf einen Wein wie der 1834er. — Die Futter- 
ernte war aber gering, kaum ^/z. — Gleiches können 
wir aus Liechtenstein vermelden, nur nicht in Bezug der 
Erdäpfel. Diese Frucht zeigt eine riesenhafte Krautbil 
dung, aber nur spärliche Knollen. 
Am vorigen Sonntag feierte der Bodensee feuer- 
wehrbund ein hübsches Fest in Bregenz. Von allen 
größeren Ortschaften des Bodensees und selbst von wei 
ter landeinwärts gelegenen Städten Chur, Wallenstadt, 
St. Gallen, Frauenfeld hatten sich Turner und Feuer 
wehrmänner versammelt, Vereine mit 847 Mann. Herr 
Landtagsabgeordneter Baron v. Seyffertitz begrüßte die 
Festversammlung mit einer ausgezeichneten Ansprache, 
worin er den Werth der Feuerwehr- und Turnvereine 
im Dienste der gemeinen Wohlfahrt und der Humanität 
lebhaft schilderte. 
Die Cholera ist wieder vor den Thoren Euro 
pas. In Konstantinopel, aber auch in mehreren ita 
lienischen Städten hat diese Seuche schon ihre Opfer ge 
fordert. Doch tritt sie in Europa nicht so heftig auf 
als in Aegypten, wo an einem einzigen Tage in man 
cher größeren Stadt oft Hunderze von der Krankheit 
hingerafft wurden. 
— Das Schiff welches den riesenhaften Telegra 
phendraht (eigentlich ein dickes Seil) zur Verbindung 
von England und Amerika aufgenommen hatte, ist un 
terwegs. Schon war ^ des Weges zurückgelegt und 
Alles ging ohne Störung. Da aber wurde der Draht 
auf einmal wirkungslos, man konnte nicht mehr zurück- 
telegraphiren. Was die Ursache sei, ist unbekannt. 
— In Jasfa, an den Küsten des gelobten Landes, 
haben sich Heuschrecken eingestellt, wie einst zu Mo 
ses Zeiten in Egypten. Mitte April kamen Wolken von 
Heuschrecken, welche die Sonne verdunkelten. Sie ließen 
sich nieder, verkrochen sich in die Erde und legten ihre 
Eier. Nach einigen Wochen kamen Millionen schwarze 
Thierchen, ähnlich großen Ameisen. Diese machten sich 
über die Feldfrüchte her und fraßen alles Grüne. Sie 
wurden bis 4 Zoll lang. Die Blätter der Türkenpflan 
zen wurden abgefreßen und an den übrigbleibenden fand 
sich ein giftiger Speichel. Das Vieh, welches die Ueber- 
bleibsel fraß, starb davon. 
Curs. 
Für 100 fl. Silber wurden in Wien bezahlt: 
Samstag, den 29. Zuli . . . fl. 107.50 Banknoten. 
Donnerstag, den S; August . . . fl. 107.75 » 
Herausgeber: Gregor Fischer. ^ 
Verantwortlicher Redaktor: Dr. Schädler. 
Druck von I. Graff's Wittwe in Feldkirch.
        

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