Herausgeber:
Liechtensteiner Landeszeitung 1863-1867
Bandzählung:
1865
Erscheinungsjahr:
1865
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000081309_1865/83/
reichte mit seiner Last glücklich ein Boot; da bemerkte 
die blutjunge Frau ihren Irrthum und konnte nur mit 
Gewalt zurückgehalten werden, sich ins Meer zu stürzen. 
— Unter den Verunglückten ist ein Schweizer, Schmitt 
aus Viel. Er war in einer Kutsche lustig zum Bahn 
hofe gefahren und die Musikanten mußten ihm das Lied 
aufspielen: „Muß ich denn, muß ich denn zum Städtle 
'naus!" — 
— Wallis. Zermatt. Die Engländer, welche 
am Matterhorn verunglückt sind, kannten die Gefahr, 
die sie zu bestehen hatten, sehr wohl. Einer von ihnen. 
Hr. Whymper, hat schon vor zwei Jahren bei einer Be 
steigung dieser 4482 Meter hohen Pyramide sein Leben 
riskirt und soll erklärt haben, nicht zu ruhen, bis der 
Riese zu seinen Füßen liege. Die Spitze des Horns, 
die nur einige Schuh breit ist, wurde auch wirklich er 
stiegen., aber die Gefahr lag im Hinuntersteigen; da 
glitschte der junge Lord Douglas und hing am Seil/ an 
welchem alle gebunden waren. Durch die vom Fall 
hervorgebrachte Erschütterung oder durch die Ermüdung 
wurden sofort zwei andere Engländer in die Luft ge 
schleudert und durch dieses Gewicht zerriß das Seil, das 
wahrscheinlich durch die Reibung schadhaft geworden war. 
So fielen die drei mit dem ihnen vorausgehenden Füh 
rer in den Abgrund. Die andern, die ihr Leben der 
Geistesgegenwart verdankten, ließen sich an Seilstücken, 
die sie von Zeit zu Zeit festmachten, bis zehn Uhr ab 
wärts und brachten dann die Nacht an eine Fluh ge 
lehnt zu. Whymper, der überlebende Engländer, soll 
während der ganzen gräßlichen Nacht kein Wort gespro 
chen haben. Die Körper von Haddo und Hudson und 
Führer Croz wurden gefunden und einstweilen im Schnee 
begraben. Den jungen Lord hat man noch nicht ge 
funden. 
— Romanshorn. Am 17. Juli, Vormittag um 
10 Uhr 10 Minuten begann Herr Phil. Dulk aus 
Stuttgart eine Schwimmpartie vom hiesigen Hafen aus 
nach Friedrichshafen, wo er Nachmittags um 4 Uhr 31 
Minuten wohlbehalten an's Land stieg. Derselbe ließ 
sich von Hrn. Dammmeister Eggmann in hier mit dessen 
Gondel begleiten. Er brauchte genau 8200 Schwimm» 
stoße, mit jedem Stoß legte er 6' zurück. Es ist dies, 
so viel uns bekannt ist, der Erste, der den See von ei 
nem Ufer zum andern durchschwömmen hat; es wäre 
interessant, wenn auch andere geübte Schwimmer sich 
versuchen würden. 
Die neuen östreichischen Minister sind noch nicht 
gefunden. Der Kaiser hat verlangt, daß ihm eine dop 
pelte Garnitur von Minister-Kandidaten zur Auswahl 
vorgelegt werde, es hat sich aber ein Manco in der 
staatsmännischen Rüstkammer ergeben. 
— Am Rheine ist die Roggen ernte bereits einge 
heimst. In Betreff det Körner ist sie eine mittelmäßige, 
hinsichtlich des Strohes eine spärliche. In der Umge 
gend von Wien hat der Korn schnitt ebenfalls begon 
nen. In Ungarn sieht man einer reichen Getreideernte 
entgegen. 
— In Paris ist eine ungeheure Riesenschlange aus 
ihrem Käfige entronnen, während das Publikum auf 
deren Fütterung mit lebendigen Schafen und Kälbern 
wartete. Das Geschrei und die Angst der Zuschauer 
war unbeschreiblich, als das furchtbare Thier plötzlich 
zwischen der gedrängten Menge hin und herschoß. Den 
Wärtern «gelang endlich die Einsangung des Thieres; 
allein die Zuschauer waren fort und kamen nicht wieder. 
— Im Württembergischen (Remsthal) betrug im heu 
rigen Sommer der Erlös aus verkauften Kirschen für 
einzelne Ortschaften 10,000 bis 20,000 fl. Sie gingen 
größtentheils per Eisenbahn nach Baiern. Sollten solche 
Beispiele nicht auch uns aufmuntern, den Anbau ver 
edelter guter Kirschensorten ernstlich zu betreiben! 
— Italien. Auf der Insel Sardinien wurden 
mehrere Ortschaften auf den Umkreis von einigen Stun 
den von einem ungeheuren Heuschreck^nschwarm 
heimgesucht, welcher in wenigen Stunden Gärten, Fel 
der, Weinberge, Wiesen und die üppigen Bäumwoll 
pflanzungen so gründlich zerstörte, daß man glauben 
sollte, es wäre ein großartiger Brand über die weite 
Gegend dahingezogen. . 
— Das Jahr 1866 wird den Römern denkwürdige 
Ereignisse bringen. Vor allem ist es ihnen wichtig, daß 
die Franzosen Rom verlassen werden. Sodann wird es 
ein Fest von nie dagewesenem Prunk geben, der 1800ste 
Jahrestag des Todes des hl. Petrus. Bei dieser Gele 
genheit sollen auch 85 bis 90 neue Märtyrer und 
fromme Personen heilig gesprochen werden. 
— Papst Pius IX. hat in wenigen Monaten sein 
73. Lebensjahr zurückgelegt und es sind bereits 19 Jahre, 
daß er den päpstlichen Stuhl bestiegen hat. Unter den 
259 Päpsten haben nur 8 länger als 20 Jahre regiert. 
— In Wien haben sich die Steuerrückstände im letz 
ten Vierteljahr auf 7 Millionen Gulden belaufen; in 
Pra'g (160,000 Einwohner) sind in 1 Monat 25,000 
Steuererekutionen vorgenommen worden; in Brunn 
hat die Verzehrungssteuer um 200,000 fl. abgenommen. 
>— Die Telegraphistinnen in Wien haben sich 
ebenso wenig bewährt als die Frauen, welche zur Billet- 
Ausgabe bei mehreren Kassen der Raaber und Prager 
Eisenbahn verwendet tpurden. Ob die Telegraphen- 
Frauen das Plaudern nicht lassen konnten, wird nicht 
gesagt; bemerkt hat man aber, daß beiderlei Beamtinnen 
mit dem ungalanten männlichen Publikum am Schalter 
sehr leicht Händel bekamen und immer auf die Hülfe 
ihrer Männer angewiesen waren. 
— Ein finnländischer Bauer fällte eine alte Eiche 
und hörte plötzlich im Innern ein sonderbares Stöhnen; 
er untersuchte den hohlen Stamm und fand einen Ba 
ren, der feinen Winterschlaf in dem Baum gehalten 
und durch den Fall des Baumes schwer verwundet wor 
den war. 
— Manchem trägt eine gute Kehle mehr ein^als der 
beste Kopf. Die kaiserliche Oper in Wien zahlt den er 
sten Sängern und Sängerinnen jährlich 210,000 fl.; 
darunter an die Sängerin Dustmann 14,000, Kraus 
13,000, Murska 16,000 fl.; an die Sänger Ander 
12,000, Wachtel 18,000 fl. u. s. w. u. s. w. Die erste 
Tänzerin aber, Frau Eouqui, sticht mit ihren gelenken 
Beinen alle auS; sie bekommt 20,000 fl.
        

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