Herausgeber:
Liechtensteiner Landeszeitung 1863-1867
Bandzählung:
1865
Erscheinungsjahr:
1865
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000081309_1865/65/
durch eine demokratische Rede verdorben. Jetzt kommen 
noch hinzu die unglücklichen Nachrichten aus Meriko. 
Dahin muß er entweder Geld und Soldaten schicken, 
oder sich von aller Welt schadenfroh auslachen lassen. 
Das letzte ist aber für einen Napoleon schlimmer, als 
eine Milliarde Schulden. 
Allerhand Neuigkeiten. 
* Triesenberg, 10. Juni. Ich nehme mir die 
Freiheit Ihnen wieder einmal etwas aus dem hiesigen 
Gemeindeleben zu berichten und zwar über die Art und 
Weise, wie man bei uns die Viehveredlung betreibt. 
Bekanntlich werden die in jeder Gemeinde des Landes 
aufgestellten Zuchtstiere von einer besonderen landschaft 
lichen Commission alljährlich in Augenschein genommen. 
Die Gemeinden sind verpflichtet, vorzugsweise solche 
Stiere zu verwenden, welche von der besagten Commis 
sion als tauglich befunden werden. So geschah es denn 
im letzten Dezember, daß von 7 aus hiesiger Gemeinde 
vorgeführten Stieren 3 besonders zur Zucht empfohlen 
wurden. Einer dieser Stiere wurde als besonders preis 
würdig anerkannt und mit dem I. Preis prämirt. Allein 
man hatte sich getäuscht, dieser Stier zeigte sich mangel 
hast und für die Zucht gänzlich unbrauchbar, obwohl 
über seine Brauchbarkeit von hiesiger Vorstehung ein 
günstiges Zeugniß ausgestellt worden war. Ein zweiter 
Stier von diesen dreien wurde 'auf Antrag des hiesigen 
Ortsvorstehers von der Zucht ausgeschlossen, ob aus 
persönlicher Abneigung gegen den Eigenthümer oder ei 
nem andern Grunde, ist uns nicht bekannt. Jedenfalls 
wählte man auf Vermittlung des Vorstehers und auf 
Beschluß des Gemeinderaths einen anderen Stier; unsere 
Gemeindevorstebung umging auf diese Weise die Anord 
nungen der landschaftlichen Viehveredlungskommifsion. 
Auch an die Stelle des untauglichen Prämiestieres wurde 
ein neuer ausgewählt und sodann mit den Eigenthümern 
dieser 3 Stiere ein Vertrag abgeschlossen. Allein die 
Zahl von drei Stieren zeigte sich für unseren Viehstand 
zu gering und so mußten auch noch die übrigen in der 
Gemeinde befindlichen Stiere für die Züchtung in An 
spruch genommen werden, ohne Rücksicht auf ihre Zu- 
lässigkeit im Interesse der Viehveredlung, .allerdings auch 
ohne Aussicht auf ein Sprunggeld. 
Es besteht nun in der Berggemeinde die Uebung, daß 
jeder Kühbesitzer für jedes Thier 42 kr. in die Gemein 
dekasse zu zahlen hat und diese Beträge, welche jährlich 
an 160 fl. ausmachen, werden am Jahresschluß unter 
die Eigenthümer der 4 von der Gemeinde bestellten 
Stiere vertheilt. Weil aber in diesem Jahre nur 3 
Stiere aufgestellt sind, so fällt der 4. Theil des Sprung 
geldes laut Akkord mit den Eigenthümern in die Ge- 
meindekasse. Allerdings hat die Gemeinde noch einen 
vierten Stier gepachtet um den Betrag von 12 fl., so 
daß also der Gemeinde aus der Viehveredlung immer 
noch ein Gewinn von 30 st. erübrigt. Nun bat unsere 
Gemeinde 6 verschiedene Alpen, wovon in der Regel 
jede mit einem Stiere besetzt wurde. Allein man hat 
bisher nicht vernommen, daß die Vorstehung im Sinne 
habe, aus dem lleberschusse von 30 fl. auch noch 2 
Stiere für die unbesetzten Alpen zu pachten. Es wird 
also dahin kommen, daß die Kenossm dieser Alpen aulf 
eigene Kosten sich mit einem Zuchtstiere versehen. Da 
durch kommen sie in doppelte Unkosten, einmal durch den 
Beitrag von 42 kr. an die Gemeinde und dann durch 
den Pachtzins der auf eigene Rechnung beschafften Stiere. 
Dem Einsender wäre es nun erwünscht, eine Aufklä 
rung zu erhalten. 1. wie man einem notorisch untaug 
lichen Stiere ein Fähigkeitszeugniß ausstellen konnte, wo 
durch derselbe den 1. Preis erhielt? 2. Ob die land 
schaftliche Kommission öder der Gemeindevorsteher mit 
den Gemeinderäthen über Schönheit, Körperbau und 
Farbe der Stiere zu urtheilen haben? 3. Ob die An 
ordnungen' der Kommission befolgt werden müssen? 4. 
Ob die, Gemeinde berechtigt ist, sich aus dem Sprung 
geld eine neue Einnahmsquelle zu verschaffen, und wie 
der Ueberschuß zu verwerthen ist? 5. Ob es hillig 
und recht ist, daß derjenige, welcher einen eigenen von 
der Kommission anerkannten Stier für seine Kühe be 
nützt hat, auch zur Unterhaltung der von der Gemeinde- 
vorstehung bestellten Stiere 42 kr. pr. Kuh beitragen 
muß? 
Triefen. Noch ein Mal der Straßen- oder Fahr 
wegbau. Am Schlüsse der Einsendung von Triefen 
in Nr. 15, Seite 58, wird gegen den Ausdruck „Mag- 
natenthum" angekämpft. Der Einsender sagt, „man 
könne und dürfe die Gemeindebürger von Triefen nicht 
mit diesem Titel beehren." Ganz richtig. Die Magna 
tengeschichte hat nicht im Geringsten auf die sämmtlichen 
Triesner Gemeindebürger Bezug und,kein Mensch, der 
das ABC versteht, wird dieses Wort auf die ganze Ge 
meinde beziehen. Wohl aber gibt es in dieser oder je 
ner Gemeinde öfters etliche Gewalthaber, welche ein 
Vergnügen daran finden, über den großen Haufen, wie 
über eine willenlose Heerde, zu herrschen und sie finden 
allerlei Mittel und Mittelchen, um die Leute nach ihrer 
Pfeife tanzen zu lassen. — Freilich ist es zu beklagen, 
daß man sich unter das Joch dieser Gewaltigen gar oft 
lieber beugt, als dem guten Rath verständiger Leute zu 
folgen, welche zu gewissenhaft sstnd, um auf Schleich 
wegen ihrer. Ansicht Geltung zu verschaffen, oder welche 
ihre Körpergröße nicht durch eine Unterlage von Napo 
leons oder Fünflivres vermehren können. 
* Balzers. (Eingesandt.) Dienstag den 6. Juni 
ertönte in früher Morgenstunde der Klang der Glocken 
und rief die Bewohner der Gemeinde Balzers zur kirch 
lichen Feier; aber freilich war der Gegenstand ein höchst 
ergreifender und trauriger. Sonntags um 3 Uhr Mor 
gens entschlief im Herrn nach 16tägiger schmerzlicher 
Krankheit Herr Vorsteher Frz. Anton Kaufmann und 
um 7 Uhr gleichen Morgens 5ach längerer Krankheit 
Baptist Frömmelt, ein schlichter braver Bürger, der auch 
früher mehrere Gemeindestellen bekleidete. Dienstag wur 
den die beiden Entseelten von einem ungewöhnlich gro 
ßen Geleite bestattet, Richter Kaufmann getragen von 
vier Mitgliedern des Gemeinderathes, .in Trauermäntel 
gehüllt. Nach Beerdigung derselben hielt der sHochw. 
Herr Pfarrer Gmelch auf dem Grabe des Erstem eine
        

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