Herausgeber:
Liechtensteiner Landeszeitung 1863-1867
Bandzählung:
1865
Erscheinungsjahr:
1865
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000081309_1865/62/

Clevnern, blauen Burgundern und weißen 
Elben (Burgauer). Solche frühzeitige Traubenblüthen 
sind wohl seit den besten Weinjahren unsers Jahrhun 
derts, 1811, 1834 tt., nicht wieder vorgekommen. 
Vaduz, 30. Mai. Heute wurde beim Holzfällen 
ein Weib von einem Steine erschlagen, welcher von ei 
ner verwitterten Felswand losbröckelte. 
Vorarlberg. Der landwirthschaftliche Verein will 
seine diesjährige Ausstellung in Feldkirch abhalten. 
Der Brand in Nüziders hat nach amtlichen Erhe 
bungen 291,000 fl. Schaden angerichtet (179,000 fl. 
an Gebäuden, 52,000 an Mobilien). Es waren um 
94,000 fl. Gebäude und um 14,000 fl. Mobilien ver 
sichert, so daß an 183,000 fl. verloren gehen. Das ist 
wieder eine ernste Mahnung für diejenigen, deren Haus 
und Fahrniß noch unversichert ist, und die im Unglücks 
falle einzig auf die Barmherzigkeit ihrer Mitmenschen 
rechnen. 
Auch in Vorarlberg hat man schon um den 20. Mai 
blühende Trauben gefunden und vor mehr als 3 Wochen 
wurden reife Kirschen zu Markt gebracht. 
Schweiz. Die Auswanderungslust regt sich wieder 
aller Orten und besonders aus den benachbarten Ort 
schaften Trübbach, Wartau, Oberschau, Sevelen, Buchs 
zc. sind schon mehrere Hundert Leute, meist ganze Fa 
milien ausgewandert. Die ärmeren Familien erhielten 
vielfach Unterstützuug von der Gemeinde, so hat z. B. 
der Verwaltungsrath in Buchs 7000 Fr. zu diesem 
Zwecke verwilligt — Sevelen für 6 Familien und 10 
ledige Genossenbürger 11,500 Fr. — Die eidgenössische 
Staatsrechnung für 1864 weist eine halbe Million 
Mehreinnahme auf. — In Ragaz nimmt die Emanzi 
pation allmälig größere Dimensionen 'an. Die Bauern 
haben ihre Ochsen in Freiheit gesetzt, indem sie ihnen 
nicht mehr das quälende Torturjoch aufhalsen, sondern, 
wie es geziemend und menschlich ist, diese in einem Le 
dergeschirr ziehen lassen. So können nun die Befreiten 
sich der lästigen Fliegen entledigen. 
— Der größte Arbeiterfreund lim Königreich Hanno 
ver ist Georg Egestorff. Er beschäftigt mehr als 
2000 Arbeiter und sorgt wie ein Vater für sie. Er 
verausgabt jährlich 700,000 Thlr. und kgibt 45,000 
Thlr. Steuern. Er ist auch der Begründer der Volks 
speiseanstalt. Jetzt hat er eine Freischule für 80 Arbei 
terkinder errichtet und ein Capital von l.8000 Thaler 
fundirt, um von den Zinsen die Lehrer zu besolden. 
— Pius IX. feierte 13. Mai seinen 73. Geburtstag, 
das 19. Jahr seines Pontifikats. Von den 259 Päp 
sten seit dem heil. Petrus regierten nur 8 länger, als 
der gegenwärtige Papst. 
— Zu dem früheren Präsidenten der Vereinigten 
Staaten Lincoln trat einst ein armer StellesuH?ender und 
empfahl sich für den eben erledigten Gesandtschaftsposten 
in England. Nachdem der Präsident das Gesuch lä 
chelnd abgelehnt hatte, ging der Bittsteller gradatim mit 
seinen Ansprüchen immer mehr zurück und begnügte sich 
zuletzt mit einem Paar getragener Beinkleider. 
Es ist noch nicht sehr lange her, daß eine große 
Partei in der amerikanischen Union voll Aerger und 
Neid auf das sich immer mehr dort ausbreitende deutsche 
Element sah und einen förmlichen Haß gegen Falles 
Deutsche zur Schau trug. Das ist jetzt anders gewor 
den. In dem großen und folgenschweren Kampfe um 
die Aufrechthaltung der Union haben die Deutschen drü 
ben immer in der ersten Reihe gestanden, und ihre Hin 
gebung an den Staat und ihre Aufopferungsfähigkeit 
wird nunmehr bereitwillig anerkannt; jetzt ist man froh, 
das deutsche Element zu haben. Zu dieser Umänderung 
der Stimmung hat aber auch der Umstand viel beige 
tragen, daß , ganz im Gegensatz zu England, Deutsch 
land in dem Kampfe mit seinen Sympathien auf der 
Seite der Nordstaaten, auf der Seite des Rechtes und 
der Freiheit war. Das ist von den^Staatsmännern 
und dem Volke der Union nicht unbemerkt geblieben, 
und so sind die Beziehungen der nordamerikanischen Frei 
staaten zu Deutschland die erfreulichsten. Der jetzige 
Präsident der Vereinigten Staaten war bekanntlich in 
seinen jungen Jahren Schneidermeister. Als er Mitglied 
der Gesetzgebung von Tennessee wurde, dachte ihn ein 
aristokratischer Gegner aus der Fassung zu bringen, in 
dem er ihm naserümpfend die Worte in's Gesicht warf: 
Ei, Herr Johnson, es ist ja doch nicht lange her, daß 
Sie mir ein Paar Beinkleider gemacht haben. Nun, 
sagte Johnson gelassen, waren sie Ihnen etwa nicht gut 
gemacht? Wer die Lacher auf seiner Seite hatte, ist nicht 
schwer zu errathen. >—Ein einziger Lobspruch aus Feindes 
Munde wiegt schwerer als die längsten Lobreden der 
Anhänger und Freunds Bei der Nachricht von Lincolns 
Ermordung hat General Lee, tief erschüttert den Aus 
ruf gethan! Lincolns Güte war mächtiger als Grauts 
Artillerie. 
Eine Klafter Holz 1000 fl. ö. W. Zu welch' 
hohem Werthe ein Rohstoff durch die Industrie gesteigert 
werden kann, davon liefert die Zündholzstäbchen-Fabrika 
tion einen überraschenden Beweis. Die Stäbchen wer 
den aus reinem glatten Holze gehobelt, wovon die Klft. 
11 fl. kostet. Ein 30zölliges Scheit gibt 72000 Hölz 
chen, eine Klafter von 75 Kubiksuß liefert 14 V2 Mill. 
im Werthe von 1000 fl. 
Anzeigen. 
Bei Unterzeichnetem ist ein starker einspänniger 
Wagen mit eisernen Achsen, der erst 3 Jahre gebraucht 
wurde, zu verkaufen. 
Ruggell, am 25. Mai 4865. 
Rud. Haffur. 
Curs. 
Für fl. Silber wurden in Wien bezahlt: 
Donnerstag, den 1. Juni . . . fl. 106.50 Banknoten. 
Samstag, den 3. Juni . . . fl. 107. » 
Herausgeber: Gregor Fischer. 
Verantwortlicher Redaktor: vr. Schädler. 
Druck von I. Graff's Wittwe in Feldkirch.
        

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