Herausgeber:
Liechtensteiner Landeszeitung 1863-1867
Bandzählung:
1865
Erscheinungsjahr:
1865
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000081309_1865/60/
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Zur Äergkeichuttg hebM tbit attö letzterm Folgendes 
hervor: 
„Wer an Jemanden eine Forderung hatte, gleichviel 
von welchem Betrage, der wandte sich an den Landwei- 
bel und zahlte ihm die Gebühr. Der Landweibel gebot 
dem Schuldner die Bezahlung innerhalb 14 Tagen. Er 
folgte sie nicht, so nahm der Weibel ein Pfand. Wurde 
dies innerhalb Tagen nicht gelöst, so wurde es von 
. dem Weibel zum Verkauf ausgekündet. War die Schuld 
unter 10 Pfund, so blieb dasselbe noch 6 Tage. Wurde 
das Pfand in dieser Zeit nicht gelöst, so wurde es ge 
schätzt und blieb noch 8 Tage stehen. Erfolgte jetzt die 
Bezahlung der Schuld und die Einlösung des Pfandes 
noch nicht, nahm ^der Gläubiger dasselbe zu Handen. 
Bei der Pfändung wurde folgende Stufenfolge beobach 
tet: Die Fahrniß im Haus nahm man zuerst, als: 
Schiff und Geschirr, Betten, Korn, Salz, Schmalz, 
Wein; langte dies nicht, so gings in den Stall und 
man pfändete das Vieh; langte auch das nicht, so nahm 
man was im Stall war: Heu, Stroh u. f. w.; langte 
auch dies nicht, so gings an die besten liegenden Gründe. 
Um aber an diese zu kommen, reichte die Befugniß des 
Weibels nicht mehr aus. Der Gläubiger mußte sich an 
das Gericht wenden und von demselben Brief und Sie 
gel zur Pfändung erlangen. Hierauf wurde der Schuld 
ner durch den Weibel an dem Gute geboten ; er hatte 
aber noch 4 Wochen Zeit zur Richtigmachung der Schuld 
und Einlösung des Pfandes. Ließ >der Schuldner aber 
diesen Termin verstreichen, so kam der Gläubiger in den 
Besitz des Gutes, als eines verfallenen Pfandes und er 
konnte es nach Gefallen veräußern, bis er für seine 
Schuld, Schaden und Gerichtskosten bezahlt war. Hatte 
sich aber dabei ein Ueberschuß über alle Kosten hinaus 
erfunden, so wurde derselbe dem Schuldner zugestellt." 
Demnach zeigt sich auch im Verlaufe unserer einschlä 
gigen Gesetzgebung, daß man nach einer Jrtfahrt auf 
die alte naturwüchsige Institution zurück kommt. 
Triesner Straßenbau. 
Gegen die Bemerkungen über die besondere Straßen 
baumethode der Triesner Gemeindevorstehung tritt diese 
mit einer Abwehr auf, welche wir pflichtschuldigst zur 
allgemeinen Kenntniß bringen. Es werden darin die 
Gründe dieser Baumethode aufs Klarste auseinanderge 
stellt und die Zweifel an der nöthigen Einsicht der Bau 
führer so vollständig beseitigt, daß man staunen muß, 
wie gewissenhast das Gemeindsinteresie in dieser Frage 
behütet werde. 
Die Gemeindevorstehung schreibt: „Triefen. Unter den 
Allerhand Neuigkeiten der liechtensteiner Zeitung 
Nr. 14 kommt nach einem, ob competenten oder nicht 
competenten, Urtheile der neuangelegten Straße nach dem 
Triesnerberge eine Jeremiade über den mit derselben von 
Triesen aus in Verbindung gebrachten Fahrweg vor. 
Herr Einsender bedauert, daß die Gemeinde Triesen nicht 
so viel Einsicht hatte, den in Frage stehenden Fahrweg 
durch einen sachverständigen Mann Planiren zu lassen ! 
Doch, diese Einsicht hätte die Gemeinde schon gehabt, 
wenn es sich um eine ganz neu anzulegende Straße, 
und nicht blos um eine Verbesserung des altett Fahr 
weges gehandelt hätte. Es wird zwar zugegeben, daß 
dieser mit viel weniger Steigung, weit schöner, eleganter 
und kostbilliger mit Geld und Arbeit hätte erstellt wer 
den können, wenn einerseits diese Mittel unbedingt zur 
Verfügung gestanden, und andererseits ein dringendes 
Bedürfniß es erheischt hätten. Aber, wo weis't Herr 
Einsender der Gemeinde Triesen die Cassa an, aus wel 
cher sie die nothwendigen Gelder zu diesem Zwecke schö 
pfen könnte, Um die vielen Weingärten, Wiesen und 
Obstbäume, die bei einem regelrechten Plane zu erpro- 
priiren kämen, zu bestreikn? Dann wäre es jauch in 
teressant zu erfahren, welche Vortheile eine mit der 
Triesnerberger Straße, in dieselbe von Triesen aus ein 
mündende, technisch planirte, kostbillig angelegte Straße 
darböte? Außer Triesen benützt diesen Fahrweg keine 
andere Gemeinde, und diese- braucht ihn höchstens nur 
8—10 Tage im Jahre zur Einfuhr des magern HeueS, 
denn bei dem Mangel an Dünger ist an eine weitere 
Kultivirung, an Umwandlung in Ackerland der Maschil- 
ser Büchel nicht zu denken. Wozu also eine LuruS- 
straße, die weder materielle noch landwirthschaftkiche Vor 
theile gewährt? Der jetzige Fahrweg, wenn er einmal 
fertig ist, wird vollkommen dem Zwecke entsprechen, wo 
zu er dienen soll, und das wird genügen, wenn Herr 
Einsender auch von der ökonomischen Ansicht ausgeht, 
daß dabei Geld, Zeit und Arbeit schlecht verwendet sei. 
Auch lag es nie in der Absicht Triesens, eine der Tries 
nerberger Straße gleiche Straße zu erbauen, um sich mit 
ihr messen zu wollen, weil Triesen, wie gesagt, eine 
solche an dieser Stelle nicht bedarf, sondern es als ge 
nügend erachtete, eine bloße Verbesserung des alten Fahr 
weges vorzunehmen, was jeder Einsichtsvolle als genü 
gend zugeben wird und muß, wenn er sich genau mit 
den Verhältnissen und Bedürfnissen vertraut macht oder 
gemacht hat. Triesen benöthigt nicht mehr wie die Ge 
meinde Triesnerberg eine Verbindungsstraße mit den 
übrigen Gemeinden des Fürstenthumes, Triesen liegt ja 
bekanntlich an der Landstraße, und mit dem Triesner- 
berge ist der Verkehr nicht so beträchtlich, daß eS sich 
rentiren würde, eine kunstgerechte Musterstraße zu bauen. 
Herr Einsender wünschte auch zu erfahren, „wer die 
„famose Jngenieurarbeit bei dem fraglichen Fahrwege 
„(denn anders soll er nicht heißen) gemacht habe, und 
„was dahinter stecke, daß man es nicht auf die rechte 
„Weise angegriffen habe?" Man hat eben, um unnö 
thige Gelvauslagen zu ersparen, was beilafig schon be 
merkt wurde, und in Anbetracht det Zweckdienlichkeit die 
alte Richtung mit einigen Abtragungen und Ausfüllun 
gen der Vertiefungen und theilweiser Abkürzung der Li 
nien beibehalten, und zwar im Einverständnisse der Ge- 
meindedürger, die man doch nicht mit dem Titel eines 
Magnatenthums beehren kann noch darf, zumal die 
Triesner ein anerkannt gefügiges Völklein sind. 
Schließlich wird bemerkt, daß der Ausdruck jammer 
schade, der über unsere Gemeinde wegen der, wie es 
heißt, so schlecht planirten Straße benutzt wurde, passen 
der wäre auf denjenigen anzubringen, der in der Be 
rechnungskunst, wie er sich selbst zu Tage gibt, nicht 
einmal so viel zu bestimmen vermag, daß eine Straße,
        

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