Herausgeber:
Liechtensteiner Landeszeitung 1863-1867
Bandzählung:
1865
Erscheinungsjahr:
1865
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000081309_1865/58/
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ganz ausgebrannt. Endlich am 9. d. stellte sich ein hef 
tiges Gewitter ein, aber mit Hagelschlag verbunden. 
Das Unwetter hat dort arg gewüthet, ebenso im Aar 
gatt, Solothurn, Luzern. Der Vogel in der Lust, das 
Gewild im Feld, das Huhn auf friedlicher Weide wur 
den vom gräßlichen Hagelsturme überrascht und erschla 
gen. Hie und da wurden die Gebäude der Dächer ent 
blößt, Bäume und Reben stehen blattlos wie im Winter 
da, Saaten und andere Gewächse liegen vernichtet im 
Felde. Aus Flüh (Solothurn) wird berichtet: Hier ver 
nichtete es in Zeit von zwei Stunden die Hoffnungen 
des Landmanns. Die mit Schlossen vermischten Wasser 
massen eines fürchterlichen Wolkenbruches schwellten un 
sere Bäche zu Strömen an und machten Felder und Re 
ben für Jahre zur Wüste. 
— General Grant reiste vor einiger Zeit auf der 
Eisenbahn. Wie gewöhnlich, trug er keine Abzeichen 
seines Ranges. Da kam ein junger „fliegender Buch 
händler" in den Wagen' und schrie „General Grants 
Lebensbeschreibung" zum Verkauf aus. Ein schelmischer 
Adjutant wies den Jungen an, zu dem Manne dort zu 
gehen, der werde wahrscheinlich ein Eremplar kaufen. Grant 
blätterte ein wenig in dem Buche und fragte, von was es 
handle. Der Junge sah ihn groß an und sagte mit verächtli 
chem Lächeln: „Sie müssen auch ein rechtes Grünhorn sein, 
daß Sie nicht 'mal 'was vom General Gram wissen!" 
Da konnte der General denn freilich nicht anders, als 
dem Jungen ein Eremplar abzunehmen. 
Die überseeischen Länder, wie Amerika und Austra 
lien, — besonders aber das erste erzeugen auf ihren un 
geheuer weiten und üppigen Weiden, Wiesen und Fel 
dern die größesten Massen von Fleisch, — weit mehr 
als die dortige Bevölkerung selbst wieder verzehren kann. 
So wird denn vieles Fleisch noch in den Handel ge 
bracht, größtentheis zur Versorgung der zahllosen großen 
Handels- und Kriegsschiffe. Zu dem Zwecke muß es 
natürlich eingepökelt werden. 
Seit längeren Jahren wurde das Einpökeln besonders 
von Schweinen in Cincinnati (Nordamerikanische Frei 
staaten) in großartigen Fabrikbetrieben ausgeführt. 
In Neuerer Zeit hat eine zweite nordamerikanische 
Stadt, Chicago, das Pökelgeschäft in eben so bedeuten 
dem Maßstabe ausgenommen. In Chicago wurden 
im Jahre 186Z über 900,000 Schweine eingepökelt, — 
also im Durchschnitte täglich etwa 2500, — oder bei 
12stündiger Tagesarbeit fallen auf jede Minute 3^ 
Schweine', welche mit Schlachten, Reinigen, Eintheilen 
und in Fässer Einpökeln fertig werden. Man denke, 
welche. Zahl von Fässern hierzu schon gehören muß. Nun 
haben wir gerechnet, daß das Einpökeln im ganzen Jahre 
gleichmäßig fortbetrieben würde. In der That aber geht 
dies Geschäft nur den Winter hindurch, etwa vom I. 
Oktober ab. Die Geschäftsmässe häuft sich also per Tag 
wenigstens auf das Doppelte des oben Berechnelen auf, 
d. h. es werden in jeder Minute 7 Schweine und mehr 
fir und fertig gemacht. Da mache sich einmal Einer 
eine Vorstellung davon, wenn>r es nicht selbst gesehen hat. 
Das Gesagte galt erst einmal von den Schweinen. 
Außer ihnen wird auch Rindvieh in Chicago eingeschlach 
tet und gepökelt. Im letzten Jahre wurden daselbst über 
7000 Stück Rindvieh im Werthe von mindestens vier 
Millionen Dollars (über 10^ Millionen Gulden) ein 
gepökelt. Danach wurde also der Werth eines Stückes 
Rindvieh dyrt gegen 150 fl. veranschlagt.' 
Es sind dies Verhältnisse, welche wir Viehhalter hier 
zu Lande nicht ganz außer Auge lassen dürfen— denn 
früher oder später wirken sie unfehlbar auch auf unseren 
eigenen Viehmarkt zurück. Erfahren wir doch jetzt schon 
zur Genüge, wie die östlichen Länder Ungarn und Ruß 
land, welche Getreide und Vieh so viel leichter und ko 
stenloser erzeugen können, auf unsere diesseitigen Markt 
verhältnisse drücken. Auf solche Dinge haben wir zu 
achten, da sie uns um so näher angehen, als durch Ei 
senbahnen, Dampfschifffahrt und Telegraphen die Länder 
und Völker einander so viel näher rücken und der Aus 
tausch der Erzeugnisse von einem Lande zum andern auch 
über weitere Entfernungen hin sich immer mehr ent 
wickeln muß. 
In Ungarn wurden nach amtlichen Erhebungen im 
Jahre 1863 über 3V^ Millionen Schweine geschlachtet,, 
außerdem aber sehr große Mengen ins Ausland gelie 
fert. . (Bztg.) 
Nur 1 st. AO kr. O. Nkn. 
kostet i/z Originaltons zu der am 24. und 
26. Mai 1865 unter Garantie der Regierung 
stattfindenden ersten Gewinnziehung der neuesten 
großen 
eld-Verloosung 
welch' letztere in ihrer Gesammtheit 14800 Ge 
winne enthalt, worunter fl. 200,000; 100,000; 
50,000; 30,000; 25,000; 20,000; 15,000; 12.000 
10,000; 5,000; 4,000; 3,000; 2,000; 1,000 zc.zc. 
Ein ganzes Originalloos für obige Ziehung kostet 
fl. 6 öfter. Bankn. Ein halbes Originalloos für 
obige Ziehung kostet 3 fl. öster. Bankn. 
Jeder Auftrag bis zur kleinsten Bestellung wird 
prompt und verschwiegen ausgeführt. Man be 
liebe sich daher direkt zu wenden an 
Jakob Kindheimer junior, 
Staats-Effekten-Handlung in Frankfurt 
am Main. 

Curs. 
Für 100 fl. Silber wurden in Wien bezahlt: 
Samstag, den 13. Mai . . . fl. icn.50 Banknoten. 
Donnerstag, den 13. Mai . . . fl. 107.75 » 
Herausgeber: Gregor Fischer. 
Verantwortlicher Redaktor: Vr. Schädler. 
Druck von I. Grüff's Wittwe in Feldkirch.
        

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