Herausgeber:
Liechtensteiner Landeszeitung 1863-1867
Bandzählung:
1865
Erscheinungsjahr:
1865
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000081309_1865/57/
ner Sippe von Sklavenjunkern aufrecht erhalten werden 
konnte. 
Durch die Ermordung Lincolns wurde jedenfalls den 
Rebellen der letzte Hoffnungsfaden abgeschnitten. Daß 
man die Anstiftung des Mordes den Südlichen mit gu 
tem Grunde zurechnen muß, hat sie vollends um die 
Sympathie aller zivilisirten Nationen gebracht. Durch 
den Mord haben sie aber auch die letzte Möglichkeit zer 
stört, eine glimpfliche Behandlung von den Siegern zu 
erlangen. — Die Theilnahme an dem schrecklichen Un 
glücke des nordamerikanischen Volkes ist bei den meisten 
europäischen Nationen eine sehr lebendige. In England, 
in der Schweiz, in Italien, in einigen Städten Deutsch 
lands hat man BeileidSadressen erlassen, bedeckt mit zahllo 
sen Unterschriften.— Booth, der Mörder Lincolns, wurde' 
nach 14tägiger Flucht und Verfolgung erwischt und bei dem 
Versuche, ihn gefangen zu nehmen, erschossen. Er hatte 
während dieser Zeit ein entsetzliches Dasein geführt; ge 
ächtet und verfolgt irrte er in Sümpfen und Wildnissen 
mit einigen Spießgesellen umher, während er schon bei 
dem Sprunge aus der Loge ein Bein gebrochen hatte. 
.— Der Minister Seward kommt mit dem Leben davon, 
dagegen ist sein Sohn noch nicht außer aller Gefahr. 
— Der Wittwe Lincoln wurde von der Regierung die 
Summe von 100,000 Dollars einstweilen als National 
dank zugewiesen, weiteres soll noch geschehen. Lincoln 
war nicht reich, er besaß nur 6000 Dollars Vermögen 
und sein makelloser Charakter gestattete es nicht, daß er 
sich während seiner Amtsführung bereicherte. — Das 
Theater, in welchem der Mord geschah, soll niederge 
rissen und auf dem Platze ein großes Denkmal für den 
Märtyrer-Präsidenten gesetzt werden. 
Allerhand Neuigkeiten. 
Triesnerberg. Die neue Straße vom Flach 
lande bis zur Kirche ist im Ganzen als vollendet zu be 
trachten. Von der Landstraße bis über den Maierhof 
hinaus auf dem TrieSner Bühel ist der Straßenzug auf 
Anordnung der fürstlichen Regierung mit Pappelbäumen 
besetzt worden, welche dereinst ein prächtiges Landschafts 
bild schaffen werden. Der schöne und solide Bau, die 
gleichmäßige und äußerst regelmäßige Arbeit, und vor 
Allem die gelungene Planirung machen einen sehr ent 
sprechenden und erfreulichen Eindruck. An dieser Arbeit 
zeigt sich, was gutgeleitete Arbeiter mit einem vernünfti 
gen Plan zu leisten vermögen. Jammerschade ist es, 
daß die Gemeinde Triesen nicht so viel Einsicht hat, um 
den Anschluß ihrer Straße aus dem Dorfe von einem 
sachverständigen Manne planiren zu lassen. Die Rich 
tung deS Triesner Anschlusses neben dem Pfarrhaus 
vorüber ist im Ganzen rechf wohl gewählt, indem er 
ohne schwierige Steigungen auf die Höhe deS Bühels 
führt. Aber man steht es der ganzen Geschichte an, es 
lst kein Plan und kein Verständniß im Bau; es wird 
schwerlich etwas Gutes und Schönes herauswachsen. 
Wenn man fertig zu sein glaubt, so wird man einsehen, 
daß. Geld und Zeit und Arbeit schlecht verwendet wur 
de«. Mit der Arbeit der Berggemeinde jwird sich der 
Triesnerbau nie und nimmer messen können. — ES wäre 
interessant zu erfahren, wer die famose Jngenieurarbeit 
gemacht hat und was dahinter steckt, daß man eS nicht 
auf die rechte Weise angreift. WaS gilt'S hier spuckt 
ein Stück Magnatengeschichte! 
— April und Mai waren dies Jahr wahre Feuer- 
monäte. So viele Brände, wie in den vergangenen 
Wochen, sind wohl selten in so kurzer Zeit aufeinander 
gefolgt. In Admont in Steiermark wurden 21 Häuser 
nebst dem schönen Benediktinerstift ein Raub der Flam 
men; Oberstdorf in Bayern, bei Sonthofen verlor 200 
.Häuser, Bartholmä in Würtemberg 60. In Rüziders 
in Vorarlberg wurden 90 Familien mit 500 Köpfen 
obdachlos. Der Schaden in dieser Gemeinde wird auf 
150,000 fl. geschätzt. Die Kirche blieb verschont, das 
neuerbaute Pfarrhaus wurde zerstört, fast wäre auch 
noch der angrenzende Wald von den Flammen ergriffen wor 
den. Eine alte kranke Frau verbrannte, 4 Personen erlitten 
bedeutende Brandwunden; eine Frau ward während des 
Brandes auf freiem Felde entbunden. Der Magistrat 
der Stadt Feldkirch erließ einen Aufruf zur Unterstützung 
der Unglücklichen. Die Herren MaaistratSräthe Wein- 
zierl und Huber in Feldkirch sind zur Annahme von Ga- 
ben, als Geld, Kleidungsstücke, Nahrungsmittel ic. er 
bötig. — Vom 12. Mai meldet man noch ein weiteres 
furchtbares Brandunglück aus Kolomea in Galizien, wo 
-450 Häuser eingeäschert wurden und 1000 Familien 
ihr Obdach verloren. 
— Aus der Schweiz. Es besteht eine sogenannte 
„Militärersparnißkommission", welche Mittel und Wege 
ausfindig machen soll, um in Militärsachen billiger zu 
wirthschaften. Das ist aber eine schwierige Sache. Das 
meiste Geld verursachen immer die Anschaffungen neuer 
Waffen. Kaum war der schweizerische Ordonnanz 
stutzen als eines der vorzüglichsten Gewehre zur 
Anerkennung gekommen, und kaum daß die Millionen 
zur Anschaffung gezahlt sind, so ist er. schon wieder ver 
altet. Die preußischen Zündnavelgewehre, welche von 
hinten geladen werden, gelten jetzt als das Höchste. Be 
reits tagt auch schon eine Kommission, um dieses Ge 
wehr einer Prüfung zu unterziehen. Also fort mit Spar 
gedanken! Die „Bodenseezeitung" meint deshalb, die Er- 
sparnißkommission müsse als 8. t ihrer Vorschläge be 
stimmen: „Es ist bei 3 Mill. Fr. Buße verboten, in 
nerhalb der nächsten 50 Jahren eine neue Erfindung 
an Soldatengewehren zu machen." — Vielleicht nimmt auch 
der deutsche Bund das Zündnadelgewehr demnächst als 
„Einheitswaffe" (!) zum Beschluß und veranlaßt die 
Anschaffung. Das könnte Liechtenstein auch wieder seine 
10,000 Fr. kosten. — Der Vorstand deS einst so rei 
chen, kürzlich aber fallirten Bankhauses Custer u. Eomp. 
in Rheineck, Custer, wurde in strafgerichtliche Untersu 
chung genommen, weil er der Brandstiftung verdächtig 
ist. AuS Verdruß, daß sein Vaterhaus, der Löwenhof 
in Rheineck, in fremde Hände kommen soll, machte er 
den Versuch, das HauS in Brand zu stecken. Eine 
traurige Geschichte! — Von Wartau sind jüngsthin wie 
der 62 Personen nach Amerika ausgewandert. — In 
Basel land war dieTröckne nicht minder groß als bei 
uns; die hochgelegenen WieSböden sind von der Sonne
        

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