Herausgeber:
Liechtensteiner Landeszeitung 1863-1867
Bandzählung:
1865
Erscheinungsjahr:
1865
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000081309_1865/48/
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In Folge der äußerst warmen Witterung entwickelte 
sich die Baumblüthe sehr schnell. Seit dem 15. be 
gann die Blüthe der Kirschen. Die Hitze ist aber auch 
ziemlich empfindlich, 20 " R. im Schatten ist um die 
Mittagszeit gewohnlich, wir zählten schon 24 
— Die Aufnahme neuer Schüler in die Lan 
desrealschule geschieht am 1 Mai. Die Schüler müssen 
wenigstens 1 Jahr in der Oberklasse der Elementarschule 
zugebracht haben; zur Aufnahme genügt ein entsprechen 
des Zeugniß über den bisherigen Schulbesuch. 
Feldkirch,18. April. Heute Nachmittags 3 Uhr 
erfolgte die Abreise des zum Bischöfe von St. Pölten 
ernannten hochwürdigsten Herrn Dr. Josef Feßler. In 
16 Wagen begleiteten denselben- der ganze Bürgeraus 
schuß, Magistrat und Bürgermeister, die Spitzen der Be 
hörden, die Rathe des Kreisgerichtes, die beiden General- 
vikariatsräthe und eine Anzahl Geistlicher aus der Stadt 
und Umgebung. Die Glocken der Stadt riefen dem ho 
hen Scheidenden ihren Abschiedsgruß nach. Der hoch 
würdigste Reisende nahm seinen Weg über Tifis und 
Bendern zur schweizerischen Eisenbahnstation Haag. Wie 
man sagt, wird er am 1. Mai auf seinem neuen Bi 
schofssitze St. Pölten eintreffen. Vorgestern und gestern 
gab hochderselbe noch Abschiedstafeln; zu der ersteren 
waren Bürgermeister und Magistrat, die Spitzen der 
Behörden und die Kreisgerichtsräthe, der Handelskam 
merpräsident, einige Geistliche und Bürger, im Ganzen 
30 Personen geladen; die letztere wurde einer Anzahl 
Geistlicher deS Landes gegeben. Gestern hielt der Bischof 
die Abschiedspredigt. — Wie wir vernehmen, ist von 
Seite des h. Handelsministeriums dieser Tage an Herrn 
Carl Ganahl und Genossen die Concession zur Vornah' 
me der Vorarbeiten für eine Locomotiveisenbahn von 
Innsbruck über Landeck, Bludenz und Feldkirch im An 
schlüsse an die Bodenseegürtelbahn herabgelangt. Es 
wurde hiebei beigefügt, daß, wenn es zur Ausführung 
der fraglichen Bahn kommen sollte, der k. k. priv. Süd 
bahngesellschaft hierauf unter gleichen Bedingungen ein 
concessionsmäßiges Vorrecht zustehen würde. F.Ztg. 
— Am 6. April wurden zu Krumbach im Bregenzer- 
wälde fünf Kinder von Schnee verschüttet, welcher vom 
Hausdache sich löste; zwei Mädchen von eilf und drei 
zehn Jahren blieben todt, die übrigen wurden unversehrt 
herausgegraben. 
— Ueber die Bodenseegürtelbahn soll demnächst 
von Oestreich, der Schweiz und Bayern in München 
berathen werden. 
— Rinderpest. Der schweiz. Bundesrath sandte 
bekanntlich einen Sachverständigen nach Tirol, um Er 
fahrungen über die sogenannte Rinderpest einzuziehen. 
Dieser Herr ist nun zu der Ueberzeugung gelangt, daß 
die fragliche Krankheit, welche sich in Tirol zeigt, von 
der Rinderpest nur sehr wenig verschieden ist. Doch 
scheint dieselbe für jetzt erstickt zu sein, weßwegen der 
Bundesrath keine weitern Sperrmaßregeln für nöthig 
halt. Der Bericht soll in den Grenzkantonen vertheilt 
werden. 
— Der Zollvereinsvertrag mitOesterreich wurde 
wieder erneuert und gilt vom 1. Zuli 1365 bis Ende 
4877. Sowohl der Zollverein als Oestreich sind auch 
in Zukunft völlig unabhängig in Bezug auf Zoll- und 
Handelsgesetzgebung. Zu den bisherigen Erleichterungen 
in dem Verkehr zwischen Oestreich und Deutschland kom 
men noch verschiedene andere, auch die Frage über voll 
ständige Zotteinigung zwischen Deutschland und Oestreich 
ist im Auge behalten, und es werden die betheiligten 
Staaten in Unterhandlung treten, sobald der eine Theil 
den Zeitpunkt für geeignet erachtet. 
— Am 8. April starb zu Wien Fürst Karl Lischt 
ten st ein, erster Oberhofmeister des Kaisers von Oestreich, 
General der Reiterei, geb. 23 Oktober 1790. 
— Ein Oestreicher bemerkt über den Rothstand, der 
sich in Steiermark, Kram, Kärnthen zc fühlbar macht, 
es müssen noch andere Gründe als die schlechte Ernte 
und Geldmangel an dem Uebel schuld tragen. Er meint 
der Bauersmann verliere allmälig das Selbstvertrauen, 
er verzweifle an der Hoffnung auf eine bessere Zeit; er 
sehe eS von Jahr zu Jahr schlimmer werden, und so 
lasse er die Dinge gehen, wir sie eben gehen wollen. 
Das ist freilich schlimm, wenn einem Volk das Selbst 
vertrauen schwindet. Es kann übrigens auch dazu kom 
men; so wäre es z. B. gar kein Wunder, wenn die 
Deutschen mit der Zeit an der Wiedergeburt ihrer Na 
tion, ihres Gesammtvaterlandes verzweifelten. 
— Die Gesammtstaatsschuld für das Königreich Bayern 
beträgt nach Abzug des Aktivvermögens 120,920,085 fl. 
42 l/z kr. 
— Auch in Holland wird die Todesstrafe ab 
geschafft werden. Die Regierung selbst stellte den An 
trag auf Abschaffung. 
— Der vielgenannte Friedrich Hecker aus Baden, 
welcher 1849 von dem preußischen Kriegsgerichte zum 
Tode verurtheilt wurde und seitdem in Amerika lebte, 
wird amerikanischer Konsul in Zürich. Im laufenden 
Frühling will er nach Zürich übersiedeln. 
— Der russische Menschenwürger, General Mura- 
wieff, ist seiner Henkerarbeit müde. Er hat sich nach 
Petersburg begeben, um den Kaiser zu bitten, daß er 
ihn von seinem Posten entlasse. Altersschwäche und an 
gegriffene Gesundheit sollen ihn dazu veranlaßt haben; 
andere sagen, er sei wegen mehrfacher Unterschleife ab 
gesetzt worden. 
— Man kann sich lebhaft vorstellen, wie es in Ita 
lien mit der Justiz beschaffen ist, wenn man erfährt, 
daß im vorigen Jahre nahe an 50,000 Menschen in 
den Gefängnissen deS Landes saßen; von je 500 Ita 
liener war also einer den Gerichten verfallen. — Hiezu 
paßt es ganz trefflich, wenn man liest: Ein Gefangen 
wärter zog allnächtlich mit einem seiner Gefangenen, 
welcher ein berüchtigter Räuber war, in die umliegenden 
Ortschaften, daselbst Raub und Diebstahl ausübend. 
Längere Zeit trieben sie das unbemerkt, bis man ihnen 
auf die Spur kam. — Auf der Insel Sizilien wollte 
kürzlich ein reicher Gutsbesitzer eine Reise nach Palermo 
machen; er wagte diesen Plan nur in Begleitung von 
30 Bewaffneten durchzuführen, um nicht iy die Hände 
der Räuber zu fallen.
        

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