Herausgeber:
Liechtensteiner Landeszeitung 1863-1867
Bandzählung:
1865
Erscheinungsjahr:
1865
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000081309_1865/44/
,ang der Wahrheit nie aus dem Wege gegangen ist, und 
sie wird es auch ferner nicht anders halten. Kann die 
LandeSzeitung den Baum des öffentlichen Lebens auch 
nicht gerade mit dem schärfsten Messer beatrbditett, so 
bleibt ihr dennoch die nicht minder nützliche Arbeit, den 
selben durch Licht und Luft, (durch Belehrung, Aufklä 
rung, Ermunterung) durch Hinwegräumen des kleineren 
Unkrautes im Wachsthum zu fördern. 
Vaduz, 6. April. Die fürstl. Regierung erließ in 
den letzten Tagen eine Verordnung, worin die Durch 
führung einer möglichst allgemeinen Na chimpfung an 
geordnet wurde. Veranlaßt ist diese Maßregel durch 
das Austreten der Blatternkrankheit in den benachbarten 
Landschaften. Alle Personen von 12—20 Jahren sollen 
sich der Nachimpfung unterziehen, desgleichen die Mili 
tärmannschaft. 
— Die Krankheit des Rindviehes, welche in 
Tirol herrscht, sei nicht die Rinderpest, sondern die Nuhr- 
seuche. So erklären die östreichischen Behörden. — 
Weiteres hierüber siehe unter „Schweiz". 
— Der hochwürdige Herr Dr. Joseph Feßler, 
Bischof von Nyssa und Generalvikar für Vorarlberg, 
wurde am 27. März in Rom zum Bischof von St. 
Pölten präkonisirt. — In demselben Konsistorium sprach 
Se. Heiligkeit Papst Pius IX. sein Erstaunen und sein 
Bedauern aus über die Maßregeln des Kaisers Mar in 
Meriko; sodann dankte er den italienischen Bischöfen für 
den Eifer, mit dem sie die Religion und die Freiheit der 
Kirche gegen die weltlichen Behörden vertheidigen. 
— Für 65 fl. ö. W. nach Paris und zurück mit 
der von Hrn. Redaktor Tuvora in Wien veranstalteten 
Gesellschaftsreise. Die Theilnehmer an dieser Fahrt ha 
ben sonst keine Auslagen zu bestreiten. Wer mitfahren 
will, K^se sich das Programm von der Erpedition der 
„Wiener^Ztg." senden. 
Deutschland. > Der Zeitungsleser verfolgt mit vie 
lem Interesse und mit großer Befriedigung die politischen 
Händel im kleinen Königreiche Württemberg. In 
dem ehrlichen und grundtüchtigen Schwabenvolke regt 
sich eine energische, aber besonnene freiheitliche Strö 
mung. Eine Schranke der naturgemäßen Entwicklung 
fällt nach der andern und man muß der Regierung des 
neuen Königs das Lob spenden, daß sie einen aufmerk 
samen Blick hat für die Bedürfnisse und Wünsche des 
Volkes. Ob sie diese Rücksicht auch über die Grenzen 
der bisherigen Gewohnheit hinaus zu tragen gesonnen 
ist, das wird sich bald zeigen. Es ist ihr durch den 
Antrag der Abgeordneten auf Verfassungsreform eine 
Prüfung ernster Art bejcheert worden. In diesem An 
trage werden einige sehr gewichtige Freiheiten des Vol 
kes zurückverlangt: freie Niederlassung in jeder Gemeinde 
des Landes, allgemeines Wahlrecht, auch solcher, welche 
nicht gerade Grundsteuer Wahlen, unbeschränkte Preß 
freiheit und Vereinsrecbt, Behandlung der Preßprozesse 
durch Geschworene, Beseitigung aller Vorrechte des Stan 
des und der Geburt, d. i. völlige Gleichheit aller Staats 
bürger vor dein Gesetze , unbeschränktes Recht der ÄUS^ 
gabenverwilligung durch den Landtag und Zurücksorde- 
rung aller unbewilligten Ausgaben, Schutz der Abgeord 
netes gegen jede Verantwortlichkeit, Aufhebung der ge 
heimen Abstimmung bei den Wahlen. — Eine schöne 
Forderung, die sicher manchem unserer alten, deutschen 
Staatsmänner einen eiskalten Schauder verursacht. Die 
Herren haben übrigens schon gar Manches lernen müssen 
— und sie werden sich aus Liebe zum Hausfrieden auch 
Mit diesen Forderungen bekannt zu Machen verstehen. 
Ebenso wünschen die Würtemberger ihr Militärwesen 
nach Schweizerart einzurichten. 
— Der bayrische Landtag ist auch wieder ver 
sammelt. Er mußte einen neuen Präsidenten wählen, 
weil der alte abgedankt hatte. Die Wahl traf den Pro 
fessor Dr. Pözl aus München. Seine Antrittsrede war 
dem verstorbenen König Mar gewidmet — dessen Ver 
dienste nun in Bayern schon seit Jahr und Tag in allen 
Regierungszeitungen und in allen Festreden immer und 
immer wieder hervorgehoben werden. Allen Respekt vor 
dem Verdienst des sel. Königs — die Bayern werden 
nicht sobald wieder seines Gleichen bekommen — aber 
es wäre ein Mal Zeit mit den Lebenden anzubinden und 
die Todten im Frieden ruhen zu lassen. 
— Das allgemeine deutsche Bundesschießen wird 
am 16. Juli in Bremen abgehalten. Eine GeWerbe 
ausstellung, ein großes Wettrennen und Ausstellung von 
Schiffsgegenständen werden damit verbunden. 
— In der „Dorfzeitung" schreibt einer: Die Zeitun 
gen haben eine Annexionskarte angekündigt; ich hab' 
mir sie gekauft und gefunden, daß Preußen und Oestreich 
sich auf das Annectiren tüchtig verstehen. Der Maler 
hat viel weniger Mühe gehabt, Deutschland anzustrei 
chen?, als alle seine Vorgänger, denn ganz Deutschland ist 
blau und gelb geworden. Die blaue oder preußische 
Farbe trägt ganz Nord- und Mitteldeutschland, also Han 
nover, Mecklenburg, Oldenburg, Schleswig-Ho li 
ste in, Kurhessen, Nassau, das Königreich Sachsen und 
alle kleineren sächsischen, reußischen und schwarzburgischen 
Herzog- und Fürstenthümer, sie sind alle von Preußen 
annectirt. Die gelbe oder östreichische Farbe tragen Wür- 
temberg, Baden, Darmstadt und selbst die dritte deutsche 
Großmacht Bayern, sie alle sind von Oestreich annec 
tirt. Die bayerische Rhein-Pfalz ist ganz ver 
schwunden oder doch rosenroth wie Frankreich angestri 
chen. Die blaue preußische Uniform trägt auch ein neues 
Stück von Polen. Dafür ist jdie ganze Moldau und 
Walachei russisch-grün angestrichen. Der kühne Pinsel 
ist angeblich William Bilsy in London, wahrscheinlich 
aber ein Landsmann, der sich gescheut hat, seinen Na 
men und sein ipse feoi unter sein Traumbild zu setzen. 
Unter der Karte steht nicht etwa: Deutschland 1965, 
sondern Karte von Deutschland in Bezug auf jetzige 
Verhältnisse. 
Wir wollen wünschen, daß es den Bayern, Sachsen, 
Hannoveranern, Thüringern u. s. w. nicht einmal geht 
wie den guten Fischern der Malediven-Insel unweit der 
Küste von Malabar. Als diese von einem großen Fisch 
zuge heimkehrten, war ihre alte Heimath verschwunden.
        

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