Herausgeber:
Liechtensteiner Landeszeitung 1863-1867
Bandzählung:
1865
Erscheinungsjahr:
1865
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000081309_1865/39/
kommen ihren Schulstreit. Im Kanton Tessin wurde 
ein neues Schulgesetz erlassen. Nun hat der Papst einen 
Protest gegen dasselbe beim Bund übergeben lassen, weil in 
dem neuen Gesetze die Rechte der Kirche beeinträchtigt seien. 
— Auf der Insel Sizilien herrscht das Räuber 
wesen so stark, daß es fast mehr Spitzbuben als ehrliche 
Leute gibt. Eine sizilianische Zeitung macht den Vorschlag, 
die Regierung möge die anständigen Leute wenigstens ab 
schließen mit Schildwachen vor den Thüren, wenn sie 
des Räuberunwesens nicht Herr werden könne. — Nicht 
besser ists im übrigen Italien. Zwischen Faenza und 
Florenz wurde die Postkutsche angefallen und die Rei 
senden wurden ausgeplündert. Nur ein Soldat bekam 
sein Geld wieder, als die Räuber vernahmen, er wolle 
seinen kranken Vater besuchen. 
— Die Tochter Garibaldi's, Teresita, ist von einem 
Knaben entbunden worden. Der Großvater hat bestimmt, 
daß derselbe den Namen Lincoln erhalte, ein Zeichen 
der Ehrerbietung gegen einen Mann, der zuerst gegen 
die Sklaverei in Amerika aufgetreten sei. 
— Der Papst hat dem Erzbischof von Posen eine 
geweihte Kerze gesendet. Diese kam gerade an, als 
man das Begräbniß des Erzbischofs begehen wollte. 
— Der Gesundheitszustand Napoleons soll wieder 
einmal nicht der beste sein. Die Anfälle eines ohnmäch 
tigen Zusammenbrechens wiederholen sich jetzt häufiger 
und stärker. Die Leitung der Geschäfte sei jetzt haupt 
sächlich in den Händen des Prinzen Napoleon. 
— Der alte Kastanienbaum in dem Tuilerien- 
garten zu Paris hat am 20. März wohl Knospen, aber 
keine Blätter gehabt und das betrachteten die Pariser 
für kein gutes Omen für ihr Kaiserhaus. Der rauhe 
Nordwind trug die Ursache, daß die Blätter sich nicht 
entfalten konnten. 
— Der junge König von Griechenland hat sich 
in die schöne Nichte seines Hofmarschalls verliebt und 
wünscht sie zu heirathen. Das sei auch hauptsächlich 
die Ursache gewesen, daß Onkel Julius sobald seine 
Heimreise hätte antreten müssen, der König habe den 
lästigen Beobachter los sein wollen. 
— In Stockholm hat der junge'Graf Eronhjelm 
seine Großmutter erschossen, weil sie ihm nicht so viel 
Geld geben wollte, als er verlangte. Er entfloh, wurde 
aber bald wieder eingeholt. Im vorigen Jahr diente 
er als Freiwilliger in der dänischen Armee. 
— Die englischen Spitzbuben sind wirklich unver 
schämt. Kürzlich wurde bei einem Wettrennen dem 
Kronprinzen eine Uhr aus der Tasche gezogen. 
— In der Grube Himmelfahrt in Sachsen hat man 
im vorigen Monat reiche Erzgänge entdeckt. Sie be- 
bestehen aus Wismuth-, Kobalt-, Rotbgiltig- und Glaserz. 
Der Wismuth steht im hohen Preise. Man bezahlt 4 
bis 800 Thlr. für den Centner. Das Kobalterz ist 
ebenfalls sehr gesucht und ziemlich theuer. Das Roth 
gilterz enthält bis 80 Prozent des feinsten weißen Silbers, 
während das Glaserz spröderes und härteres 60—80 
Prozent enthält. Es steht bei der großen Mächtigkeit 
und Reichhaltigkeit der angebrochenen Erzgänge und der 
geringen Tiefe der Grube (35 Lachter), eine bedeutende 
Ausbeute in Aussicht. 
Land- und HauswirHschaftlicheS. 
Das Umpfropfen der Obstbäume. 
Wertb und Bedeutung guter und für eine Gegend 
passender Obstsorten werden immer mehr erkannt. Aber 
dies hilft manchem Baumbesitzer wenig oder nichts mehr, 
wenn er in seinen Gärten, auf Feldern, an Straßen zc. 
zc. erwachsene Bäume mit werthlosen, unpassenden 
oder mehr und minder unfruchtbaren Obstsorten 
hat; die Bäume stehen einmal, beanspruchen Raum und 
Nahrung, gewähren dem Eigenthümer geringen oder kei 
nen Nutzen, und er kann sich darüber höchstens lange 
Zeit ärgern, wenn er nicht einmal in gerechtem Zorne 
die Art an die Wurzel der Taugenichtse legt und sie so 
wenigstens für seinen Ofen nutzbar macht. Bei der bis 
herigen Weise, Bäume zu pflanzen, wo man nur darauf 
sah, einen Baum zu haben, unbekümmert, welche 
Obstsorte er trage, oder wo der Pflanzer oder Ver 
käufer auch beim besten Willen meist nicht angeben konnte, 
von welcher Sorte der Baum sei, waren Mißgriffe bei 
der Anpflanzung unvermeidlich. Es lassen sich indeß 
solche Mißgriffe, ohne den Baum von seiner Stelle zu 
entfernen, einigermaßen wieder gut machen durch das 
Umpfropfen. Ist z. B. eine Obstsorte ohne Werth, 
oder paßt sie nicht für den Standort des Baumes, (wie 
etwa Frühobst oder schön in die Augen fallendes, vom 
Baume sogleich gemeßbares Obst an Straßen oder 
weit von der Wohnung entfernt nicht taugt), 
oder ist die Sorte unfruchtbar oder doch erst im höheren 
Alter des Baumes tragbar; wird statt Tafel- Mostobp 
gewünscht, trägt der Baum gar Holzäpfel oder Holzbir 
nen u. s. w., so kann bei kräftigen Bäumen von jün 
gerem oder mittleren Alter mittelst des Umpfropfen 6 
eine andere und entsprechende Obstsorte aufgesetzt werden. 
Ist das Verfahren hiebei ein zweckmäßiges, so^ trägt der 
Baum oft im zweiten oder dritten Jahre schon wieder 
etwas Früchte der neuen Sorte, und bald steht er in alter 
Kraft, aber verjüngter Form vor uns. Reiser, die ich 
im Frühjahre 1862 auf einen schon größern Baum auf 
gesetzt hatte, trugen mir letztes Jahr ungemein reichlich 
und prachtvolle Birnen, deren ein einziges solches Reis 
70 angesetzt, aber selbstverständlich nicht alle zur Reife 
gebracht hatte; ja ein im Frühling 1863 aufgesetztes kleines 
Reis brachte schon voriges Jahr 5 sehr schöne Birnen 
zur Reife. 
Mit diesem Wenigen möchte ich nur mehr aufmuntern 
zu einem Verfahren, das nicht schwierig ist und so bald 
zum Ziele führt und noch außer der Verbesserung des 
Sortenbestandes auch den Vortheil gewährt, die Trieb 
kraft der Bäume zu steigern. 
Ein günstiges Resultat des Umpfropfens wird übrigens 
durch die Befolgung nachstehender Grundsätze bedingt: 
1) Die vorhandenen Zweige und Aeste werden auf 
oder l/2 ihrer Länge zurückgeschnitten, wobei je 
doch stets auf die Bewahrung einer guten Kronenform 
gesehen werden soll. Dieser Rückschnitt kann bei günsti 
ger Witterung schon im Januar, Februar oder März, 
soll aber immer einige Wochen vor der Veredlung 
geschehen, um den Saft von der Veredlungsstelle etwas
        

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