Herausgeber:
Liechtensteiner Landeszeitung 1863-1867
Bandzählung:
1865
Erscheinungsjahr:
1865
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000081309_1865/38/
Allerhand Neuigkeiten. 
Aus Liechtenstein. Die Gemeinde Triefen soll 
eine sehr vortheilhaste Holzversteigerung abgehalten ha 
ben. Es waren mehrere Glarner bei der Versteigerung 
anwesend; und wurde per Klafter zirka 24 Fr. erlöst. 
—Die Triesnerberger sind wieder fleißig an ihrem 
Straßenbaue; der Grundbau ist bereits ganzlich herge- 
gestellt, d. h. bis zum Anschluß an die Landstraße. — 
Der Verkehr mit den benachbarten Schweizerort- 
schaften hat sich seit Eröffnung der Zolllinie wesent 
lich gehoben. Namentlich geht gegenwärtig viel Heu in 
die Schweiz. Die Verkäufer möge» wohl gute Preise 
erzielen, ob es aber nicht vortheilhafter wäre, wenn das 
selbe im Lande verfüttert würde, ist eine andere Frage. 
— Aus Vorarlberg und Oestreich. Nach 
einer Mittheilung der „Feldk. Ztg." hat die Postdirektion 
die Verfügung getroffen, daß das Briefpaket für 
Wien nicht mehr mit dem Postwagen, sondern mit der 
jeden Nachmittag 1 Uhr von Feldkirch nach Bregenz 
abgebenden Reitpost abgefertigt wird. Von Bregenz geht 
das Paket Abends nach Lindau, von da am anden Tag 
nach Augsburg ze., so daß die Briefe von Feldkirch aus 
in 44^ Stunden nach Wien gelangen. — Ein Bauer 
von Kehlegg, berichtet die „Feldk. Ztg.", führte einen 
Zuchtstier nach Dornbirn; dort wollte er ihn im 
Wirthsstalle einstellen. Da wurde der Stier plötzlich 
wüthend, stieß den Bauer nieder und mißhandelte ihn 
auf dem Boden längere Zeit, ohne daß einer der vielen 
Zuschauer es gewagt hätte, dem Unglücklichen Hilfe zu 
leisten. Da rief einer: „Stelle dich todt, dann läßt er 
dich gehen." Der Bauer that's und richtig! der Stier 
ließ von ihm ab und schaute etwas seitwärts. Diesen 
Augenblick benützte der Bauer und entsprang. Jetzt 
wendete sich der Stier gegen die fliehenden Zuschauer, 
ohne jedoch einen zu verletzen; man mußte ihn mit über 
geworfenen Schlingen fangen. — Es verlautet in Tirol 
s deyn die Rinderpest wäre wohl das Schlimmste, 
was die Alpenländer treffen könnte. — In Fünfkirchen 
(Ungarn) bekam der dortige Rabbiner, Hr. Ehrlich, eine 
Steuererekution wegen 4^ Nkr. — Auch in Mähren 
herrscht große Geldnoth. Wegen 5—10 fl. Steuerrück^ 
stand werden Haus und Hof feilgeboten. — Bayern 
hat sich bereit erklärt mit der Schweiz und Oestreich über 
die Bodenseegürtelbahn zu unterhandeln. Man 
unterhandelt schon 10—12 Jahre; es wäre Zeit zur 
That. — Am 12. Oktober 1864 wurde in Wien be 
schlossen, den mittellosen, durch das letzte Nothjahr halb 
verhungerten Bauersleuten in Ungarn für die Zahlung 
rückständiger Steuern 1 bis 4 Jahre Zeit zu lassen. 
Ende Januar gelangte dieser Beschluß erst zur Ausfüh 
rung, d. i. nach mehr als 3 Monaten erlangten die 
Bauern erst Kenntniß davon, nachdem viele wohl schon 
von Haus und Hof vertrieben waren. Ein schönes 
Stücklein von der Langsamkeit der Behörden! 
— Aus Deutschland. Das Königreich Würtem- 
herg ist eines der bestverwalteten Länder, die man sin» 
den kann. Die Regierung hat in den 3 letzten Jahren 
nach Bestreitung aller Auslagen 15 Millionen Gulden 
erspart. Diese Ersparnisse sollen für öffentliche Gebäude, 
eine Irrenanstalt, Straßen- und Eisenbahnbauten zc. ver^ 
wend et werden. Für Kirchen- und Schulbedürfnisse sol 
len in den nächsten 3 Jahren 1^ Mill. mehr ausge 
geben werden als bisher, per Jahr im Ganzen 2 i/z 
Mill., das macht auf den Kopf mehr als 1 fl. 15 Nkr. 
Und das thut nur der Staat; während die Gemeinden 
den größten Theil der Schulbedürfnisse selbst bestreiken. 
Man darf also annehmen, daß die Gemeinden die gleiche 
Summe aufwenden; dazu kommen noch die Stiftungen. 
Drei Gulden per Kopf für den Unterricht ist sicher nicht 
zu hoch. Die „Feldk. Ztg." berechnet im Vergleiche 
hiemit, daß in Oestreich der Staat noch nicht 15 Nkr. 
per Kopf auf den Unterricht verwendet! Diese Zeitung 
meint, solche finanzielle Schwabenstreiche lasse man sich 
anderwärts auch gefallen! — Die deutschen Mittelstaa 
ten sollen von Oestreich den Rath erhalten haben, mit 
allen Kräften dahin zu wirken, daß ein deutsches 
Parlament in's Leben gerufen werde. Das sei das 
einzige Mittel, um Preußen zu nöthigen, daß eS die 
Elbeherzogthümer zu ihrem Rechte kommen lasse. Oestreich 
selbst sei bereit dazu, diesen Gedanken je eher je lieber 
zur Ausführung bringen zu helfen. 
— Aus der Schweiz. Der Kanton Zürich beab 
sichtiget eine Irrenanstalt zu errichten. Es wurden 
deshalb freiwillige Gaben im Belauf von Fr. 650,000 
gesammelt. Ein schönes Zeichen von Gemeinsinn! — 
In Ehur wurde von der Bürgerversammlung die Ein 
richtung eines neuen Spitals beschlossen. — Im Kanton 
Graubünden werden nun auch die Hundebefltzer und 
Jagdliebhaber zur Steuer herbeigezogen. Man rechnet 
5600 Hunde im Kanton. — Im Glarner Lande regt 
sich die Aus wanderungs l ust wieder stärker. Einzelne 
kleinere Partien ziehen hie und da nach Amerika; viele 
wollen erst das Ende des Krieges abwarten, um dann 
von der Heimat Abschied zu nehmen. Bemerkenswerth 
sind folgende Worte aus einem amerikanischen Briefe, 
welche in der „Neuen Glarner Ztg." mitgetheilt werden. 
„Jedem kräftigen, gesunden und thätigen Arbeiter, wel 
cher Lust hat, nach Amerika zu kommen, würde ich ra 
then, ungesäumt dahin zu gehen, und sich unbedingt im 
Westen anstatt in den östlichen Staaten anzusiedeln. Be 
vor er aber diese Reise unternimmt, prüfe sich ein Jeder 
recht ernstlich, ob es nicht etwa falsche Vorspiegelungen, 
glänzende Luftgebilde sind, die ihn zur Auswanderung 
locken. Wenn das ist, dann bleibe er lieber zu Haus, 
denn er würde sich in vielen Stücken schrecklich getäuscht 
finden. Auch in Amerika, wie überall, gibt es Plagen 
aller Art. Doch Eines ist gewiß, ein Jeder, der da 
tüchtig arbeiten will und kann, findet hier ein besseres 
Auskommen, als bei Euch.zu Hause." Das stimmtauch 
mit einem Bericht des Schweizerkonsuls in New-Uork 
überein, welcher sagt, daß Landarbeiter und Handwerker 
ihr gutes Auskommen in Amerika finden. Leute, die 
hinüber gehen, sollten sich aber vor den Menschenfleisch- 
Händlern, den Werbern in Acht nehmen, welche die Aus 
wanderer zum Militär anwerben und das Handgeld 
theilweis für sich behalten. — Auch die Schweizer be-
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.