Herausgeber:
Liechtensteiner Landeszeitung 1863-1867
Bandzählung:
1865
Erscheinungsjahr:
1865
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000081309_1865/31/
In Steiermark wohnt ein reicher Eisenwerksbesitzer. 1858 
war sein Vermögen über 6 Mill. gerichtlich geschätzt, 
heute hat dieses Vermögen nur einen Werth von 4 
Mill. fl. Er hatte auf diese 4 Mill. Vermögen nur 2 Mill. 
Schulden; unv dennoch wurde er zahlungsunfähig; er 
konnte nicht soviel Geld auftreiben, um seine Verbind 
lichkeiten zu erfüllen. Wo in aller Welt ist so etwas 
erlebt worden, daß ein Mann mit solchem Vermögen 
zahlungsunfähig wurde? 
— Das deutsche Handelsgesetzbuch ist bereits 
in den meisten deutschen Ländern eingeführt. Bis jetzt 
haben nur folgende Länder es nicht angenommen: Wür« 
temberg, Hamburg, Holstein, Kurhessen, Lauenburg, Lich 
tenstein, Lippe-Schaumburg und Luxemburg. 
— Der Peterspfennig hat im Oktober vorigen 
Jahres nur 1456 Scudi ä 2 fl. 15^ kr. Oe. W. ein 
getragen. Die jährlichen Ausgaben der päpstlichen Re 
gierung betragen 11 Millionen; die Einnahmen nur 6 
Mill. Scudi; das Fehlende sollte durch den Peterspfen 
nig gedeckt werden. Da darf er schon besser ausfallen, 
als im letzten Oktober. Aber freilich, viele wollen geben 
und können nicht, und andere könnten und wollen nicht. 
— Man erinnert sich der Hinrichtung eines deutschen 
Schneidergesellen Müller in London. Viele meinten, daß 
derselbe unschuldig gerichtet worden sei. Jetzt ereignet 
sich in London ein Fall, wo ein Italiener als Mörder 
verurtheilt war und in wenigen Tagen gehängt werden 
sollte. Da bringt man einen andern Italiener zur Hast, 
welcher des Mordes überwiesen und geständig ist. Er 
wird zu 5 Jahren Zuchthaus verurtheilt und der erste 
erscheint unschuldig. Wäre der zweite um acht Tage 
später verhastet worden, so hätte der Unschuldige 
ohne Gnade hängen müssen. Wer weiß, wie viele 
Unschuldige schon ihr Leben durch Beil und Strang ver 
loren haben? So lange Einer, der nicht auf der That 
ergriffen wurde, das Verbrechen nicht eingesteht, sollte 
man die Todesstrafe nicht anwenden! 
— Aus dem Prügelstaate Mecklenburg erfahren wir, 
daß die dortige Arbeiterbevölkerung sich selber zu helfen 
weiß, um die Anwendung der Prügelstrafe unmöglich zu 
machen. Es nimmt nämlich kein Arbeiter Arbeit bei ei 
nem Herrn, der seine Leute schlecht gehalten oder gar 
geprügelt hat und hört so diese Barbarei von selbst auf, 
weil der Mangel an Arbeitern ungewöhnlich groß ist. 
Im letzten Herbste sind eine Masse Kartoffeln auf den 
Feldern erfroren, da man keine Leute hatte, um sie recht 
zeitig einzubringen. 
Vorarlberg. Zwischen Klosterthal und Stuben 
stürzte letzter Zeit eine ungeheure Schneelawine, 25—30 
Klafter breit, ins Thal. Auf der Arlberger Straße liege 
der Schnee bis 10 Fuß — Am 11. März waren 
es 100 Jahre, daß die Grafschaft Hohenems östrei 
chisch wurde. — In der Nähe von Innsbruck erschlug 
ein Eisenbahnarbeiter seinen Kameraden mit einer eiser 
nen Hänglampe. Er wollte ihn mit diesem Schlage 
nicht todten, sondern nur wecken. — In Salzburg 
wurde ein Lebzelter zum Strang verurtheilt, weil er seine 
beiden Töchter mit Arsenik vergiftet hatte. 
— Der östreichische Gesandte in Rom gab in der letz 
ten Faschingszeit einen Ball, welcher über 21,000 si. 
kostete. Dem Herrn mag es nicht an Geld mangeln. 
— Wie groß der Steinkohlenverbrauch allmählich auch 
in Süddeutschland wird, ersteht man unter anderem dar 
aus, daß Würtemberg im Rechnungsjahre 1863/64 sür 
den eigenen Gebrauch an Steinkohlengattungen 3,224,821 
Zollzentner einführte. 11 Zentner Steinkohlen werden 
gleich einem Klafter Tannenholz 144 Kubikfuß) ge 
schätzt; somit hätte genanntes Steinkohlenquantum einen 
Brennwerth von 293,166 Klaftern tannenem Holz. 
— Die schweizerischen Telegraphen haben im 
Jahre 1864 einen Reingewinn von mehr als 90,000 
Fr. abgeworfen trotzdem, daß die Taren gegenüber dem 
Auslande bedeutend herabgesetzt worden sind. Dem an 
gestellten Personal wäre aber bei diesem günstigen Stan 
de der Dinge eine Gehaltsaufbesserung sehr zu gönnen; 
denn die Besoldung ist sehr mager. 
— In England sind im Jahre 1864 von 220 Mil 
lionen Eisenbahnreisenden nur 14 getödtet, von je 
315,000 ist nur 1 verwundet worden. Hiefür bezahl 
ten die Eisenbahngesellschaften an Bußen und Entschä 
digungsgeldern die Summe von 170,000 Pfund Ster 
ling. 
— Herr Greiner in Kirchheim, ein ehrlicher Schwa 
be, zugleich Gastwirth und PostHalter, verordnete in sei 
nem Testamente, daß vor seinem Sarge seine zwei Lieb 
lingspferde von drei Postillonen hergeführt würden. In 
der alten Germanenzeit, sagt eine Zeitung, wären sie mit 
in seinen Grabeshügel gewandert. Sie findet den Ge 
danken der Alten verlockend schön, daß der Mensch in 
der Walhalla seine liebsten irdischen Geschäfte fortsetze, 
seinen Meth trinke und trinken lasse, u. s. w. — viel 
schöner als Hölle und Fegfeuer. 
— Am 17. Februar Abends 8 Uhr hat man in 
Berlin einen prächtigen Mondregenbogen beob 
achtet. 
Land- und HauswkrHfchaftliches. 
. Weidenpflanzungen. 
i. 
* Unsere kurze Mittheilung über diesen Gegenstand 
erregte mehrfaches Interesse, und es wurde der Wunsch 
laut, über die Kultur der Korbweide belehrt zu werden. 
Herr Forstinspektor Schauer war so freundlich, nach 
stehenden Artikel zu verfassen, der das Nothwendigste 
über diese Kultur enthält und den wir mit Vergnügen 
in der Landeszeitung mittheilen: 
In Nr. 6 der Landeszeitung wurde hervorgehoben, 
mit welch auffallend großen Nutzen die Korbweidenpslan? 
zungen in einigen Gauen Deutschlands betrieben werden. 
Es wurde dabei die Frage gestellt, ob derartige Weiden- 
zucht und das hiemit verbundene Gewerbe auch hierseits 
sich einführen ließe?
        

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