Herausgeber:
Liechtensteiner Landeszeitung 1863-1867
Bandzählung:
1865
Erscheinungsjahr:
1865
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000081309_1865/27/
- SS 
ches die übrigen Mitglieder für das Gedeihen der Jugend 
bildung haben, diese wichtige Aufgabe gelingen, und sei 
ner Zeit lohnende Früchte tragen. 
Habe ich so die günstige Seite in etwas beleuchtet, so 
fordert die Wahrheit, auch die Schattenseite Ihrem Auge 
vorzuhalten. So wenig, als irgendwo, ist auch in Va 
duz alles in Ordnung, alles gesund, alles im blühenden 
Zustande. Religiosität und Moralität haben ihre schwe 
ren Kämpfe. Mag auch Manches des Menschen ange- 
borne Schwäche, und noch mehr der Einfluß der Zeit 
auf Rechnung zu nehmen haben, zu übersehen ist nicht, 
daß der Feind des Guten stets wachsam ist, und Unkraut 
unter den Weitzen streut. Unbehutsame sind bald um 
strickt, Zaghafte leicht erschreckt, Unentschiedene schnell 
verführt. 
An euch ist es, geliebte Pfarrangehörige, um eueren 
zweiten Pfarrer euch so zu schaaren, wie ihr euch einst 
an den ersten angeschlossen hattet! Höret seine Lehren, 
befolget seine Mahnungen, unterstützet seine guten Ab 
sichten! Ehrwürdig sei auch sein Amt und heilig auch 
die Pflicht, seine Verantwortung vor Gott und der Kirche 
ihm zu ermöglichen und zu erleichtern! Betet oft als 
Kinder für eueren geistlichen Vater! 
Zu allx dem gebe der Allmächtige seinen Segen! 
Amen." 
Nach der kirchlichen Feier, an der sich die Gemeinde 
sehr zahlreich, sowie auch Hr. Landesverweser und sämmt 
liche Herren Beamten betheiligten, begab man sich, Geist 
liche, Beamte, Gemeinderäthe, ins Pfarrhaus. Gesellige 
Unterhaltung, Toaste auf Se. Durchlaucht, auf den Hoch 
würdigsten Herrn Bischof von Ehur zc. beschlossen die 
Feier. 
Die Einführungsfeierlichkeit, besonders aber die Rede 
des Herrn Landesvikars, machten allseitig den besten Ein 
druck. So viel wir aus Allem schließen können, ist man 
gegenseitig von guten Hoffnungen erfüllt. Möge 
das Schlußwort der Einführungsrede in Erfüllung gehen. 
Schließlich sehen wir uns verpflichtet, Hochw. Herrn 
Landesvikar Wolfinger für die freundliche Mittheiluug 
seiner Rede in der Landeszeitung unseren herzlichen Dank 
auSzusprechen. 
— Das heutige Gesetzblatt Nr. 2 bringt die Amts 
instruktion für die mit der Landesvermessung betrauten 
Geometer: Herrn Oberlieutenant Rheinberger und Herrn 
Forstinspektor Schauer. 
Balzers. Am 23. Februar früh verfügte sich der 
hiesige Bürger S. N. von Mäls in Geschäften nach 
Mayenfeld, nahm aber den Rückweg anstatt über die 
Landstraße St. Luziensteig, nach Fläsch und dem Frei 
berge entlang über den schlechten Fußweg. Als er 
Abends den Seinigen fehlte, verfügten sich 8 rüstige Bur 
schen, dessen einziger Sohn an der Spitze, nach allen Rich 
tungen um den Vater aufzusuchen, was aber leider erst 
am folgenden Morgen gelang; nahe an seiner Heimat 
im Balzner Oberfelde fand man seine Leiche; er war er 
froren. Seine Familie verlor einen sehr fleißigen braven 
Vater, die Gemeinde einen treuen friedlichen Bürger. 
— Der Vorarlberger Landtag verlor ein sehr 
ehrenwerthes Mitglied durch den Tod, Herrn Neyer von 
Bludenz. Es folgt ihm der Nachruf eines freisinnigen 
Mannes von makellosem Charakter. 
— Der Polengeneral Langiewicz, von dem vor 2 
Jahren die Zeitungen manches Rühmliche berichteten, ist 
von Oestreich freigelassen worden. Er ist jetzt in der 
Schweiz, eine Gemeinde des Kt. Solothurn hat ihm das 
Bürgerrecht verliehen. 
— Im Kronlande Krain sind in kurzer Zeit 36,000 
Steuererekutionen vorgekommen, so arg ist die Geld 
noth. In der Handelskammer jenes östreichischen Lan 
des wurde die Ansicht ausgesprochen, daß unter den über 
großen Lasten, Stempelgebühren zc. Alles verarmen müsse. 
Kaum ist der Nothstand in Ungarn vorüber, so wird 
das Gebirgsland der galizischen Karpathen (Oestreich) 
von einer fürchterlichen Noth heimgesucht. Man fürch 
tet, daß viele Hungers sterben werden. 
-— Die Regierung des Kantons Thurgau hat den 
Geistlichen verboten, den Fastenbrief des Bischofs von 
Basel, soweit er das päpstliche Rundschreiben be 
trifft, zu verlesen. Der Herr Bischof protestirte dagegen 
und sagte den Herren Regierungsräthen rund heraus, 
daß sie die Kirchensachen gar nichts angehen. Das war 
jedenfalls ein sehr unnöthiges Verbot; denn wir haben 
nirgends gelesen, daß es in den Ländern, wo das päpst 
liche Rundschreiben verlesen wurde, Revolutionen gege 
ben habe. 
— Der (nicht mehr regierende) Kaiser Ferdinand in 
Prag gibt zu dem päpstlichen Anlehen 200,000 
Franken. 
— Preußen hat nun seine Forderungen in Wien 
gestellt, die es an die Elbeherzogthümer macht. Es ver 
langt die Territorialhoheit über Rendsburg, die Häfen 
von Kiel, Eckernförde und List, desgl. über das Uferge 
lände des Nordostseekanals, das Recht, Matrosen anzu 
heben, die Truppen der Landarmee unter preußischem 
Oberbefehl, Verwaltung des Zoll-, Post- und Telegra 
phenwesens, die Vortheile des Nordostseekanals und Ein 
tritt der Herzogthümer in den Zollverein. 
— Man zweifelt, daß Oestreich auf die preußischen 
Forderungen wegen Schleswig - Holstein eingehen 
werde, da dieselben mit dem Bundesrecht nicht zu ver 
einbaren wären und der künftige Regent des Landes so 
gut wie gar keine Souveränitätsrechte behielte. 
— Amerikanische Blätter berechnen, die Union besitze 
über 1000 Mill. Acker kulturfähigen Landes, darunter 
mindestens 2 Mill. Acker gold- und silberhaltigen Ge 
bietes. Diese seien mindestens 2000 Mill. Dollars werth, 
und stünden dem Kongresse zur Deckung der Kriegskosten 
zur Verfügung. 
— Aus der Schweiz. Die Gemeinde Grabs 
hat zum Statut ihres Gemeindevermögens einige zeitge 
mäße Zusätze gemacht. Jeder Genossenbürger erhält den 
Gemeindenutzen, solange er innert der Grenzen von Eu 
ropa wohnt. Ferner erhalten nun auch die Genossen 
unehlicher Abkunft den Bürgernutzen. — Die Regierung 
von St. Gallen hat auf Anregung des Erziehungsrathes 
beschlossen, künftighin zu Schulhausbauten nur an 
solche Gemeinden Staatsbeiträge zu leisten, welche beim 
Bau ihrer Schulhäuser zugleich auf Lehrerwohnungen
        

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