Herausgeber:
Liechtensteiner Landeszeitung 1863-1867
Bandzählung:
1865
Erscheinungsjahr:
1865
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000081309_1865/25/
Liechtensteiner Landeszeitung. 
Dritter ^»krSanK. 
Vaduz, Samstag 
Rrv. V. 
11. März 1865. 
Dieses Blatt erscheint in der Regel monatlich Smal und kostet ganzjährig 1 fl. so kr. Tinrückungsgebühr för die gesval- 
tene Zeile 4 Nkr Man bestellt die Zeitung in Vaduz bei der Redaktion — in Feldkirch bei der löbl. Wagner'schen Buch 
handlung oder bei der k. k. Post. Die Redaktion besorgt auch Bestellungen auf das liechtenst. Landesgcsetzblatt. 
Bericht 
über den Stand der Gemeindebaumschulen im 
Mrstenthume. 
Unser Ländchen hat eine sehr vortheilhaste Lage für 
die Obstbaumzucht. Der Ertrag ist im allgemeinen ein 
sehr günstiger, indem man fast jedes 2. Jahr auf eine 
ergiebige Ernte rechnen kann. Dabei zeichnet sich das Obst 
sowohl durch seine vollkommene Entwicklung als auch 
durch seinen Gehalt aus; die 63er Ausstellung lieferte 
davon den Beweis. Leider ist nun die Pflege der vor 
handenen Bäume nicht besonders rühmenswerth, viele 
Besitzer überlassen den Obstbaum seinem Schicksale und 
kommen nur um die Ernte zu nehmen. Auch wäre 
noch gar manche günstige Lage vortheilhast mit Bäumen 
zu bepflanzen, und es sollte auch der Anpflanzung von 
guten tragbaren Sorten mehr Rechnung getragen wer 
den. Die Obstbaumzucht könnte einen viel höheren Rang 
unter den landwirthschastlichen Betriebszweigen einneh 
men. Nicht nur, daß aus dem erzeugten Obste eine 
schöne Nebeneinnahme gemacht wird, es empfiehlt sich 
die Baumzucht auch als eine reiche Quelle gesunder und 
billiger Nahrungsmittel. 
Unsere h. Regierung hat sich die Hebung der Obst 
baumzucht besonders zur Aufgabe gemacht. Es wurde 
deshalb im Jahre 1360 Herr Oberlehrer Hinger auf 
Landeskosten nach Reutlingen gesandt, um daselbst einen 
Lehrkurs für Baumzüchter zu hören. Im nächsten Jahre 
wurde sodann auf Anordnung der f. Negierung von 
Herrn Hinger ein 8tägiger Unterrichtskurs für die Leh 
rer des Landes in Vaduz abgehalten und gleichzeitig den 
Gemeinden die Anlage von Gemeindebaumschulen empfoh 
len. Im Laufe des vorigen Monates forderte nun die 
f. Regierung von den Lehrern Berichte ab über den 
Stand der Baumschulen in den einzelnen Gemeinden und 
über die Art und Weise des Unterrichts in der Baum 
zucht. 
Indem wir in dem Nachstehenden ein Referat mitthei 
len, welches auf Grundlage dieser Berichte verfaßt wurde, 
wünschen wir, daß die öffentliche Besprechung des Gegen 
standes dazu dienen möge, um das Interesse der Ge 
meinde- und Schulräthe anzuregen und daneben um den 
pflichteifrigen Herren Lehrern die verdiente Anerkennung 
zu verschaffen. 
Die Berichte beantworten im allgemeinen 3 Fragen: 
Welches ist der Stand der Baumschule. 
L) Was geschah in Bezug auf Unterricht. (?) 
Wie verhält es sich mit der Bestreitung der 
Kosten und beziehungsweise der Entschädi 
gung der Lehrer. 
Aus den Berichten geht hervor, daß in sämmtlichen 
Gemeinden Baumschulen errichtet sind, mit Ausnahme 
von Schellenberg und Planken. Auf Schellenberg 
wird indeß eine Schule vom Hochw. ?. Maximilian und 
auf Planken eine solche vom Herrn Lehrer Jehly auf 
eigene Kosten und als Eigenthum unterhalten. In den 
Gemeinden Ruggell und Triesenberg mußte der 
Boden zu den Baumschulen erst hergerichtet und ertrags« 
fähig gemacht werden. In Ruggell geschah dies durch 
Erhöhung der Bodenschicht und am Triesnerberg durch 
Düngung mit Jauche, Anpflanzung mit Hackfrüchten und 
Vermischung des Bodens mit Humus oder Dammerde. 
In Triefen scheint es an der nöthigen Umzäunung zu 
mangeln; dle Hühner richteten ein Saatbeet vollständig 
zugrunde. JnGamprin und Mauren litten die Saa 
ten durch Mäusefraß und Engerlinge. 
Der Unterricht in der Baumzucht wurde in den 
meisten Schulen in der Oberklasse, namentlich in den 
Handwerkerschulen berücksichtigt. Nur am Triesner 
berg fand sich hiezu noch keine Gelegenheit, weil erst 
im vorigen Herbste mit der Anpflanzung von Wildlin 
gen (aus der Maurer Saalschule) begonnen wurde. Im 
Jahre 1864 war der Unterricht in Obstbaumzucht für 
die Handwerkerschule vorgeschrieben. Auf Anordnung 
des Herrn Lokalschulinspektors ertheilten die Lehrer jedoch 
Unterricht in der Viehzucht, welches jedenfalls der wich 
tigste Betriebszweig am Berg ist. Auch He;r Lehrer 
Haöler in Balzers unterließ bisher den Unterricht; 
doch wurde diese Aufgabe von Herrn Lehrer Brunhardt 
ausgeführt, welcher die Leitung der dortigen Gemeinde 
schule übernommen hat. — Der Unterricht in den mei 
sten Schulen erstreckte sich auf Behandlung und Pflege 
der Obstbäume vom Keme bis zum Verpflanzen der 
Edelstämmchen; einige Lehrer nahmen indeß auch Rück 
sicht auf das Beschneiden und die Pflege der tragbaren 
Obstbäume. So z. B. die Herren Lehrer Hinger in 
Vaduz und Goop in Eschen. — Die Schüler wurden 
zu den verschiedenen Arbeiten herbeigezogen und ihnen 
so die nöthigen praktischen Handgriffe: Beschneiden. Ver 
edeln, Päen, Verpflanzen zc. beigebracht. — Herr Lehrer 
Ritter in Mauren unterstützte seinen Unterricht über- 
dieß durch Vorlesen und Erklären mehrerer Aufsätze aus 
den Frauendorfer Blättern. (Schluß folgt.)
        

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