Herausgeber:
Liechtensteiner Landeszeitung 1863-1867
Bandzählung:
1865
Erscheinungsjahr:
1865
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000081309_1865/19/
zwei anwesenden Landjäger, und zog gegen die Räuber- 
schaar im Walde aus, welche noch immer in äulee Milo 
um ihr Feuer saß, umzingelte sie und nahm sie ohne 
weiteres gefangen. Die Geschichte nahm jedoch einen 
friedlichen Ausgang, und das Ende vom Lied war, daß 
die vier Räuber dem Bauern, dem sie den ungebetenen 
Besuch gemacht hatten, eine Verfchreibung von 150 Fr. 
übergaben, wogegen er von einer weiteren Klage abstand. 
— Am Mittwoch verunglückte in Muolen, Kt. St. 
Gallen, der 9jährige Knabe des Herrn Weber in Kols 
hausen bei Muolen. Er war auf dem Wege nach der 
Schule und setzte sich bei dieser Gelegenheit auf einen 
mit Tannen beladenen Wagen seines Vetters Beim 
Fahren über eine Eisbrücke stürzte der Hinterwagen um 
und Brust und Kopf des Knaben wurden zwischen den 
Tannen gänzlich zerquetscht. 
— Kaiser Napoleon schenkte dem Realschulfonde in 
Ermatingen (Schweiz) 1000 Fr., den Armenfonds von 
Ermatingen, Salenstein und Mannenbach 600, 200 und 
200 Frs. 
— Wartau. In hiesiger Gemeinde ist die Aus 
wanderungslust von Neuem erwacht. Etwa 100 Per 
sonen werden nächstes Frühjahr nach Amerika auswan 
dern, insofern sie ihre Habseligkeiten an Mann bringen 
können. Die Genossenversammlung vom letzten Sonntag 
hat auf einen Antrag des Verwaltungsrathes mit gro 
ßer Mehrheit einer erwachsenen Person Fr. 200 — einer 
unerwachsenen Fr. 130 als Reiseunterstützung zur Ueber 
siedlung nach der neuen Welt aus der Ortsgemeinds- 
kasse zuerkannt. (Oberl. Anz.) 
— * Einen augenscheinlichen Beweis dafür, daß die 
Kinder unter besonderem Schutze Gottes stehen, liefert 
auch wieder folgender Vorfall: Ende November gieng 
in einem würtembergifchen Orte ein mit 20 Zentner be- 
ladener Fruchtwagen über ein vierjähriges Kind, ohne 
ibm einen anderen Schaden als eine Quetschung bei 
der Füßchen zuzufügen. 
— Die Italiener, welche sonst den Deutschen nicht 
besonders hold sind, nehmen von denselben doch das 
Gute und für sie Brauchbare an. 
So fand unlängst zu Varese, in Oberitalien, eine 
Volksversammlung zum Zwecke der Errichtung von 
Volksbanken im Sinne von Sch ulze-Delitzsch 
statt. Die Redner sprachen mit so viel Klarheit, Liebe 
und Begeisterung für die Sache, daß in einer Viertel 
stunde wenigstens 150 Mitglieder mit Einzeichnung von 
mindestens 50 Fr. Aktie sich einschreiben ließen. Beim 
darauffolgenden Mahle brachte ein Redner dem verdien 
ten Deutschen, Schulze - Delitzsch, dem Erneuerer und 
Netter des Arbeiterstandes, ein Hoch, welchem die Ge 
sellschaft donnernd beistimmte. Auch in Italien findet 
also der Grundsatz der Selbst hülfe durch Anwendung 
eigener Kraft und kluge Benützung der zu Gebote 
stehenden Mittel Anerkennung und Verbreitung. 
-- Große Städte sind gefräßige Ungeheuer. Mün 
chen verzehrte 1863 2 Millionen Pfund Schmalz, 23 
Millionen Eier, über 100,000 Hühner, 122,000 Gänse, 
23,560 Lämmer, 14,407 Ochsen, 14,972 Kühe und 
Stiere, 138,520 Kälber, 21,400 Schafe, 12,674 Mast 
schweine und 31,728 gemeine Schweine, endlich 2244 
Zentner Fische. 
— Rechtspflege in Japan. Aus Jeddo schreibt 
man einer französischen Zeitung, daß der dortige Krimi 
nalgerichtshof den Fürsten Nogato, der sich geweigert 
hatte, die vereinbarte Entschädigung an seinen Ueberwin- 
der zu bezahlen, dazu verurteilte, daß sein Palast 
geschleift werde, und um ihn noch empfindlicher zu 
strafen als durch den Verlust seines Lebens, daß seine 
treue st en Diener getödtet werden sollen. 
Dies Urtheil wurde auch wirklich vollzogen. Seine Die 
ner, mit Ausnahme seines Intendanten (Oberaufsehers, 
Verwalters), sind enthauptet worden; letzterem ist aus 
besonderer Gnade und in Anerkennung seiner vortreffli 
chen Eigenschaften vergönnt worden, sich selbst den Bauch 
zu öffnen, wofür er, die Thränen in den Augen, den 
Richtern seinen Dank auSsprach. Nach unseren Begrif 
fen allerdings eine sonderbare Gnade! 
— Bei einer Spazierfahrt wäre der türkische Sultan 
heinahe ums Leben gekommen. Die Pferde wurden scheu, 
als aus einem Gebüsch, bei dem er vorbeifuhr, ein Ru 
del Rehe heraussprang, und stürmten auf einen großen 
Abgrund zu. Der Kutscher hatte aber die Geistesgegen 
wart, die Stränge zu durchschneiden und so den Wagen 
zum Stehen zu bringen. 
— Der 14jährige Knabe, der zu Weihnachten mit ei 
nem von dem Christbaum herabgenommenen Lichte das 
Waisenhaus in Frankfurt in Brand steckte, um aus 
dieser „schrecklichen Haft" zu entkommen, ist mit Rück 
sicht auf seine beschränkte geistige Entwickelung zu ein 
jährigem Aufenthalte in einer Besserungsanstalt verur 
theilt worden. 
Land- und Hanswirthschaftliches. 
Sparsamkeit mit Brennholz. 
Das Wort paßt auch wieder ein Mal nicht gut in die 
Zeit. Während ich dieß schreibe, sind die Vorfenster mit 
einem Teppich von Eisblumen verschleiert und im Ofen 
brennt ein förmlicher Scheiterhaufen. Und doch, gerade 
recht gut paßt eö! Es sind da allerlei Sprüchlein zu 
merken, die uns viel Geld ersparen können. „Brenne 
kein schlechtes Holz" — wenn du's vermagst." 
Wer das Holz nehmen muß, wie es kommt, der hat al 
lerdings keine Wahl; wer es aber kaufen muß — der 
passe auf. Die gelehrten Leute tüfteln allerlei heraus 
und so haben sie auch gefunden, daß man z. B. mit 
Ahornholz 97 Grad Hitze, mit Eichen 90, Buchen 88, 
Kiefern 66, Birken 59, Fichten 39, Erlen 32 und Tan 
nen 29 Grad Hitze zuweg bringt. Drei Klafter Bu 
chenholz find soviel als 4 Klafter Kiefern, 2 Klafter 
Erlen sind noch nicht soviel als 1 Klftr. Kiefern. Das 
wußten wir übrigens schon lange, ehe die Gelehrten mit 
ihrer Rechnung kamen, aber nur nicht so auf den 
„Tupf"; und dann gibt'S dabei noch was anders zu be-
        

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