Herausgeber:
Liechtensteiner Landeszeitung 1863-1867
Bandzählung:
1865
Erscheinungsjahr:
1865
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000081309_1865/18/
Lauf des gesunden Menschen- und Volksverstandes ge 
hemmt wurde. Kein Wunder ist es, daß diese Staaten 
nicht wohl gelitten sind bei ihren großmächtigen Brüdern. 
Diese Brüder, Oestreich und Preußen, können es den 
Mittelstaaten nicht vergessen, daß sie auf die Stimme ih 
rer Völker, auf die öffentliche Meinung ihrer Länder so 
viel Gewicht legen. 
Da ist hauptsächlich Preußen, wo dem Volke das 
alte Sprüchlein vom „beschränkten Unterthanenverstand" 
wieder aufs Neue eingelernt wird. Weiß unser Leser 
auch was damit gemeint ist? — In Liechtenstein hat 
man das Wort schon seit vielen Jahren nicht mehr ge 
hört; es heißt: Schweige, Volk! Von der hohen Politik 
verstehst du Nichts! Da wissen deine Herren Minister 
bessern Rath, die haben das Recht aus alten, vergilbten 
Staats- und Völkerrechtshandbüchern studirt. Dort stehts, 
wie es recht sein muß. — Vernünftige Leute mei 
nen freilich, daß man das Recht nicht in den alten 
Scharteken, sondern in der Brust des braven und redli 
chen Bürgers suchen müsse. Was die Mehrzahl eines 
Volkes als Recht anerkennt, das wird selten „unrecht" 
sein. Aber das stimmt eben nicht mit dem Grundsatze, 
den die alte Diplomatie predigte: „Recht und Freiheit 
für uns und Gewalt für Euch." — Erfreulich ist es, 
daß die Preußen so tapfer für ihren Landtag einstehen. 
Sie haben dem Landtagspräsidenten eine goldene Bürger 
krone verehrt, zum Dank für seinen unbeugsamen Grad 
sinn und seine mannhafte Verheidigung der Volksrechte. 
Es ist in Berlin nämlich eine Deputation aus Köln 
eingetroffen, um dem Präsidenten, Hrn. Grabow, diese 
Krone zu überreichen. Grabow antwortete derselben 
im Wesentlichen: „Was ich, eingedenk des königli 
chen Wortes: Zwischen uns sei Wahrheit gesprochen, und 
was ich geleistet, ist unzertrennlich von dem, wozu sich 
die liberale Majorität des Abgeordnetenhauses in Wort 
und That seit Jahren bekannte. Ich kann daher die 
höchste Auszeichnung, welche der Bürger einem Bürger 
zu gewähren vermag, nur im Namen dieser Majorität 
entgegennehmen. Sie gebührt allen meinen liberalen 
Kampfgenossen. Ich werde dieses bürgerliche Kleinod 
treu aufbewahren; dasselbe soll mich stählen zum Aus 
harren in dem schweren Verfassungskampfe, falls die all 
seitig gewünschte Verständigung unmöglich sein sollte." 
König Wilhelm wird an dieser Krone keine besondere 
Freude haben, er wird es wohl merken, daß damit auf 
seine Krönungsfeier zc. angespielt sein dürfte. 
Im Oestreichischen Reichsrath hat es in der jüng 
sten Zeit manchen harten Kampf abgesetzt. Die Abge 
ordnete!! wollen um keinen Preis mehr ausgeben lassen, 
als die Staatseinnahmen betragen. Das ist etwas 
Neues, denn bisher wurden alljährlich so an die 20—-30 
Millionen drüber hinaus verausgabt, und um diesen 
Betrag die Schulden vermehrt. Die Reichsräthe thun 
recht damit; auch die Minister thäten gern sparen. Aber 
wo soll gespart werden? das ist eben die Frage und 
der Zankapfel. 
Der König von Italien mußte seine getreue Stadt 
Turin in Zorn und Unwillen verlassen, da man die Fen 
sterscheiben seines Pallastes mit Steinwürfen bedrohte. Er 
ist nach der neuen Hauptstadt Florenz gewandert. 
Aus Amerika neue Siegesberichte der nordstaatlichen 
Feldherren — die Südstaatlichen haben zwei Forts (Be 
festigungen) und zwei Dampfer in die Luft gesprengt, 
damit dieselben nicht den Gegnern in die Hände fielen. 
Es sollen Friedensunterhandlungen sein; man glaubt 
aber an keine Verständigung. 
Allerhand Neuigkeiten. 
Vaduz, 13. Februar. Wenn es so fort geht, dann 
kann der Pariser Wetterprophet Mathieu noch zu Ehren 
kommen. Heute am Morgen hatten wir 10^^ Kälte, 
so kalt war es in diesem Winter noch nicht. Ein Glück, 
daß der Boden mit einer gelinden Schneedecke überzogen 
ist. 
— In Rheineck machte der Bankier Euster und 
Komp. Konkurs mit 16 Millionen Franken Schulden. 
Viele Gemeinden und viele Privatleute kommen um gro 
ße Summen bei diesem Bankerott. 
— In Rorschach lagert soviel Getreide aus Deutsch 
land und Ungarn, daß die St. Galler Regierung neue 
Lagerschupfen bauen läßt. — Die Schweizer wollen ei 
nen Handelsvertrag mit Deutschland (Zollverein) ab 
schließen; sie rechnen dabei auf einen guten Absatz ihrer 
Weine. — In mehreren Kantonen der Schweiz tritt die 
Blatternkrankheit auf, so namentlich in Zürich. 
Die Regierung von St. Gallen empfiehlt zum Schutze 
dagegen die Wiederimpfung. — Eine Würtembergerin 
wollte sich mit einem St. Galler verheirathen und sie 
war deshalb aus dem Würtembergischen Bürgerrecht ent 
lassen worden. Nun kam die Heirath nicht zu stand. 
Jetzt will man die Person in Würtemberg nicht mehr 
annehmen, so daß sie augenblicklich kein Vaterland hat. 
— Im Aargau, im Frickthal fiel es vier übermüthi 
gen Jagdfreunden ein, Räuber zu spielen, d. h. zum 
Spaß. Nachdem sie sich den ganzen Tag dem edlen 
Waidwerk ergeben hatten, wobei jedoch die Flaschen et 
was stark in Anspruch genommen wurden, überfielen sie 
ein etwas einsames Gehöft in der Nähe von Ober-Frick 
und drangen in die Wohnstube, wo sie den erschrockenen 
Hausbewohner« die Gewehre entgegenhielten und „Blut 
oder Geld" schrieen. Der scheints etwas furchtsame 
Mann entschuldigte sich höflich, von wegen dem herr 
schenden Geldmangel nicht einmal ein Fränkli im Hause 
zu haben, bot dagegen ein gutes Quantum Wein, Fleisch 
und Brod an, um sein und der Seinigen Leben zu ret 
ten. Die Räuber fuhren denn auch mit ihrem Raub 
lachend von hinnen, begaben sich, die Räuberhymne: 
„Ein freies Leben führen wir!" singend wieder in ihr 
Waldquartier zurück, wo sie sich um ein mächtiges Feuer 
setzten und unter Johlen und Schießen ihre Beute ver 
zehrten. Unterdessen war aber die Tochter des HauseS 
in das nahe Ober-Frick gelaufen und hatte dem Ge 
meindammann die „Räubergeschichte" erzählt. Dieser, 
welcher hier eine schöne Gelegenheit sah, sich als Help 
zu zeigen, versammelte die Schützen des Dorfes und die
        

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