Herausgeber:
Liechtensteiner Landeszeitung 1863-1867
Bandzählung:
1865
Erscheinungsjahr:
1865
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000081309_1865/15/
stens sein HauS verkaufen: um Jedermann vor dem An 
kaufe abzuschrecken, habe er den gespielt. 
— Die Eisenbahnbrücke zwischen Ragaz-Mai- 
enfeld bedarf der Reparatur. Herr Dollfuß, der Er 
bauer unserer Sitterbrücke, übernimmt die vollständige 
und sichere Herstellung für 142,000 Fr. Die bisherige 
Brücke komme, wie jetzt, auf fünf Pfeiler zu ruhen, aber 
die Pfeiler würden, statt aus Holz, aus Gußeisen be 
stehen, und zwar würden je zwei gußeiserne Röhren von 
5^ Fuß Durchmesser einen solchen Pfeiler ausmachen, 
und 10 Fuß tiefer in den Boden eingelassen werden, als 
dieß mit den jetzigen Pfeilern der Fall ist. Die Regie 
rung tritt dem Projekte sehr gerne bei; zu bedauern ist 
jedoch, daß nicht ursprünglich eine eiserne Brücke erbaut 
wurde, damals wäre es mit 40,000 Fr. Mehrkosten 
möglich gewesen. (St. G. Ztg.) 
— Durch die Baumwollekrisis ist in Oestreich die 
Zahl der im Betrieb gestandenen Spindeln von 580,000 
auf 100,000 vermindert worden, bei welchen nur noch 
20,000 Arbeiter beschäftigt sind. Fortdauernde Geschäfts 
stockung könnte letztere Zahl bis zum 1. März auf 4000 
Köpfe reduziren. Dies veranlaßte die betroffenen In 
dustriellen, sich mit der Bitte an die Regierung zu wen 
den, sie möchte die brodlos gewordenen Arbeiter, aus 
denen ein gefährliches Proletariat entstehen könnte, bei 
Straßenbauten beschäftigen. 
— Ein neuer Diogenes hat sich an der Straße 
von Lindau nach Wangen aufgethan. Seines Zeichens 
ein Küfer guckte er allzuoft und tief in Faß und Glas, 
bis sein Häuslein vertrunken war; da baute er sich mit 
eigener Hand ein neues, ein mächtiges Faß. Es ist 
oval, nahezu 30 Fuß boch und 16 Fuß lang, mit eiser 
nen Reifen gefaßt und von außen getheert; die beiden 
Böden des Fasses bilden die Vorder- und Hinterseite mit 
je 3 Fensteröffnungen eine über der andern, um den drei 
Stockwerken Licht zuzuführen. Im ersten Stock wird ge- 
küfert, unter der Werkstatt schläft des Meisters Ehehälfte 
nebst Sohn (sie können zu Bett nicht gehen, sondern nur 
schlüpfen); im 2. Stockwerk ist Küche, Empfangs-, 
Wohn-, Speise-, Garderobe- und Schlafzimmer des roch- 
benasten neuen Diogenes, der nicht selten illuminirt ist, 
aber nicht durch eine Laterne; endlich im Z. Stockwerk 
ist der Hausrath insgemein. 
— In Köln ist ein lljähriges Kinds, welches von 
einem Hündchen im Gesichte geleckt worden, das als der 
Tollwuth verdächtig getödtet worden war, kurz darauf 
an der Wasserscheu gestorben. Eben daran starb vor 
Kurzem daselbst ein Mann, welcher durch bloßes Bele 
cken einer Wunde angesteckt worden war. 
— Als ein Beispiel bäuerlichen Uebermuths kann Fol 
gendes dienen: Vor einigen Tagen kam ein reicher Bur 
sche in Deggendorf (Bayern) ins Wirthshaus, trank 
drei Glas Bier und bezahlte jedes mit einem Kronen 
thaler; das Geld, das ihm jedesmal von der Kellnerin 
herausgegeben wurde, warf er unter den Tisch, so daß 
die Münzen im Zimmer umherflogen, bis er zur Thüre 
hinausgewiesen wurde. 
— Ein reicher Kaufmann in London verordnete in 
seinem Testamente: Ich verlange, daß mein Körper 
von Aerzten genau untersucht werde, da ich wissen will, 
was die Ursache meines Todes ist. — Eine Dorfge 
meinde in Steiermark blieb mit 30 Gulden Steuern 
in Rückstand und wurde ausgepfändet; in der ganzen 
Gemeinde fanden sich aber nur 60 Kreuzer an baarem 
Gelde vor. 
Abschaffung bestehender Steuern!! 
„Ueber Steuern, welche die eigene Thorheit unS 
auflegt, beklagen wir uns nicht!" So ungefähr spricht sich der 
berühmte Amerikaner, Benjamin Franklin, aus in einem 
Werkchen, das handelt „von der Kunst, reich zu werden." 
Dieser Ausspruch gibt uns Veranlassung, solcher Steuern 
zu gedenken und deren Abschaffung zu beantragen, wir 
meinen vor Allem den ungemäßigten Verbrauch 
des Tabaks. 
Selten trifft man mehr einen jungen oder älteren 
Mann, der nicht von dieser Manie unserer Zeit ange 
steckt ist, der nicht dieser allgemein verbreiteten üblen 
Gewohnheit mit mehr oder weniger Leidenschaft huldigt. 
Im Munde der meisten dieser Genannten dampft die 
Pfeife oder die Cigarre vom frühen Morgen bis in die 
späte Nacht, wo und wie es immer nur angeht. Selbst 
bei schwerer Arbeit, ja nicht selten an feuerge 
fährlichen Orten wird geraucht. Auf dem Gange 
zum Gotteshause ist die Pfeife unentbehrlich, und nur 
ungern wird vor den Thoren des Tempels die Pfeife 
mit dem noch brennenden Inhalte in die Tasche gesteckt. 
Vielfach wird noch nebenbei Tabak gekaut. Und wenn 
nur erst die Männer rauchten! Aber nein! Mancher 
Knabe, welcher noch nicht einmal aus der Werktagsschule 
entlassen ist, probirt das Ding schon häufig, und gibt 
es unter diesen öfters schon professionsmäßige Raucher 
mit stillschweigender Billigung der Eltern. So gewöhnt 
man sich von früher Jugend auf gedankenlos und leicht 
sinnig ein Bedürfniß an, das weder Hunger noch Durst 
stillt, viel Geld kostet und von dem man in der Regel 
nicht mehr läßt. Und wenn in späteren Jahren bei 
manchem Raucher das Geld für den Unterhalt der Fa 
milie kaum mehr aufgetrieben werden kann, wenn oft 
die 12 Kreuzer für Salz nicht heraus wollen: Tabak 
muß man doch haben; denn man ist an das 
Rauchen gewöhnt! Aber nicht nur per Dampf wird 
viel Tabak in die Luft geblasen; auch die Nase fordert 
ihren Tribut. Und zu dem Heere der Tabakschnupfenden 
stellt bei uns und wohl auch anderwärts selbst das 
„schöne Geschlecht" ein respektables Kontingent. 
Welche Steuer nun legen Raucher und Schnupfer 
den Bewohnern Liechtensteins jährlich auf? 
Die Tabakverfchleißer mögen jährlich etwa für 10,000 
fl. verkaufen. Rechnen wir dazu, was in diesen Artikeln 
in der unteren Landschaft, in Feldkirch ;c. Zc. gekaust 
wird, was an Tabak sonst noch auf andere Weise ins 
Land kommt, was für Tabakspfeifen, Cigarrenröhrchen, 
Mundspitzen, Schwamm, Feuersteine, Zündhölzchen, Stahl 
messer, Tabaksbeutel, Dosen ic. ze. verausgabt wird,
        

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