Herausgeber:
Liechtensteiner Landeszeitung 1863-1867
Bandzählung:
1865
Erscheinungsjahr:
1865
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000081309_1865/14/
kümmert er sich um Dinge und bringt Vorschläge an 
den Gemeinderath, die man sonst nur im Kalender zu 
lesen gewohnt ist. So hat er beantragt und angeordnet, 
daß jeder Gutsbesitzer anno 65 auf je 100 fl. Steuer 
kapital drei Scherren und vier Mäuse einzusangen und 
abzuliefern habe, oder er zahlt per Stück 5 Nkr. Nicht 
wahr, das ist possirlich, wenn die Triesnerberger Bürger 
zum Mausfang aufgeboten werden! 
Jagdabenteuer. Auf dem Vorsprung einer circa 
400 Fuß hohen schroffen Felswand in der Nähe von 
Vaduz hatten 2 Füchse ihr Lager genommen. Unterför 
ster Hartmann erschoß den einen, welcher über die Wand 
hinaus fiel. Der andere, ohne Ausweg, macht die 400 
Fuß tiefe Luftfahrt nach und ihm folgt auch der Hund. 
In der Tiefe fand man Hund und Füchse, letztere todt, 
ersterer noch lebend. Mit Ausnahme einiger Löcher am 
Kopfe und einiger Zähne, welche er bei dieser Fahrt ver 
lor, ist der Hund ganz unbeschädigt und schon wieder 
gut zuweg. — Ein anderes Jägerstücklein meldet man 
aus dem Kanton Bern. Als an einem der neblig fin 
stern Winterabende ein mannhafter Jäger des Seelandes 
heimwärts zog, verfehlte er in der Dunkelheit den Weg 
und siel plötzlich in einen nicht sehr tiefen Fluß. Seine 
Hunde, deren nicht weniger als sechse ihn begleiteten, 
hatten kaum das Verschwinden ihres Herrn bemerkt, als 
sie — ein rührendes Beispiel der Treue — ihm sammt 
und sonders in's Wasser nachsprangen. Das Abenteuer 
ging glücklicher Weise ohne weitern Unfall vorüber. Ja, 
als der Weidmann bald bei Hause und am Lichte des 
Herdes anlangte, was sah er? — Tiras, den klügsten 
aller Stellhunde, eine sünfpfündige Forelle im Gebisse, 
die er im Moment der Wassererpedition apportirt. 
Wie steht'S in Nordamerika? Allmählig wankt 
das Reich der südlichen Sklavenhalter. Durch das ganze 
Land donnern die Kanonen, knattern die Gewehre, und 
ertönt der Siegesjubel der nördlichen Armee. Die Re 
bellen sind so schwer geschlagen, daß sie sich kaum wie 
der erholen werden. Erst kürzlich verloren sie Savannah, 
ihre schönste Stadt; der General Sherman ist der Schre 
cken der Südlichen. Ein anderer General, Thomas, war 
kaum im Stande so schnell nachzusetzen als die Feinde 
flohen. Die vorzüglichsten Blei- und Salzwerke der süd 
lichen Staaten sind zerstört, 8000 Rebellen wurden im 
Lause' der letzten Feldzüge getödtet, 226000 gefangen, 
354 Stück Kanonen erbeutet nebst 100 Millionen Gul 
den Werth an Baumwolle und 285 Meilen (ungefähr 
140 Stunden) Eisenbahn zerstört. Nach solchen Erfol 
gen haben sich die Heere in die Winterquartiere begeben. 
Die Gerüchte von Friedensverhandlungen in Amerika 
werden immer lauter und begründeter; die Südstaaten 
selber sollen Friedenskommissäre ernannt oder schon ab 
geschickt haben. Die Sache ist wahrscheinlich; denn Noth 
lehrt beten und die amerikanischen Papiere steigen rasch 
und außerordentlich in die Höhe. Interessant ist eine 
Uebersicht über die Bankerotte in New-Aork. Im 
Jahre 1861 vor dem Kriege gab eS 5935 Bankerotte 
mit der Gesammtsumme von 35^ Will. Pfund St.; 
im Kriegsjahr 1864 nur 5!0 Bankerotte im Gesammt- 
betrag von 1 Mill. 710,000 Pfund St. Der Präsident 
Linkoln ist dabei ein Mann der auch in der schlimmsten 
Zeit den Muth nicht verliert und durch seine trockenen - 
Witze seine Mitbürger manchmal zum Lächeln zwingt. 
Als vor 2 Jahren der englische Gesandte Lord Lyons 
mit großer Ernsthaftigkeit dem Präsidenten die Anzeige 
machte, der englische Kronprinz habe sich eine Frau ge 
nommen, antwortete Linkoln auf die feierliche Anrede des 
Gesandten: „Lord Lyons, geht hin und thut desgleichen," 
Der Gesandte ist nämlich noch Junggeselle. 
— Im südlichen Frankreich lebt ein sonderbarer 
Bursche seit Langem in einer Wildniß. Er schläft auf 
dürrem Laub in einer armseligen Hütte aus Baumzwei 
gen, seine Kleidung ist ein Tuch, um seine Lenden und 
Schultern gehängt; am ganzen Körper hat er einen star 
ken Haarwuchs, der bald so groß ist, daß er keine Klei 
dung mehr brauchen wird. Seine Füße sind mit einem 
Stück Eselshaut umwickelt; er ißt Tannenzapfen, Distel 
köpfe, Wicken, Erdäpfel, Cichorien und Kräuter, die er 
mit oder ohne Salz abkocht. Bei seiner Hütte hat er 
ein Stück Garten und einen Brunnen. Sein Korn mahlt 
er mit einem Steine, endlich hat er noch eine Leiter, um 
Tannenzapfen zu pflücken. Fleisch genießt er nicht. Er 
soll aus Savoyen, von guter Familie stammen. Eine 
unglückliche Liebschaft habe ihn zu dieser sonderbaren 
Lebensweise gebracht. 
— Ueber die 400 Faß Salz, welche Oestreich für 
Liechtenstein liefert, bringt die Feldk. Ztg. eine amtliche 
Berichtigung der k. k. Finanzdirektion. Die Lieferung 
geschieht deßhalb per Eisenbahn über Bayern, weil sie 
billiger zu stehen kommt. Die Fuhrleute der Arlberger 
Linie sind eben mit ihrem Angebot zu spät gekommen. 
Wir erwähnen diese Geschichte nur deßhalb, um die Leut 
seligkeit und rücksichtsvolle Haltung der gedachten k. k. 
Behörde zur Kenntniß zu bringen. In dem Punkte 
hat sich'S in Oestreich bedeutend gebessert. Es gab Zei 
ten, wo man solche Dinge keiner Berichtigung oder Auf 
klärung werth achtete. 
— Der „Jaß" als Schiedsrichter. Denjenigen 
unserer werthen Leser, welche dieses edle Mittel zum Zeit 
vertreib nicht kennen, sei kund und zu wissen gethan, daß 
der „Jaß" ein Kartenspiel ist. Auch im Glarner Land 
graßirt die Jaß-Leidenschaft wie es scheint in hohem 
Grade. Dort kamen zwei Bürger in Streit. Es gab 
einen Prozeß und nach langem Unterhandeln schlägt der 
eine vor, man wolle es auf einen „Jaß", als Schieds 
richter, ankommen lassen. So geschah's. Der den JaH 
verlor, mußte auch den Prozeß verloren geben. — Wenn 
alle Prozesse so geschlichtet werden könnten, es wär nicht 
zu verwerfen. 
— Der Teufel und die Gespenster gehen in allerlei 
Gestalt um und es ist gut, ihnen nahe auf den Leib zu 
rücken. Das that auch der Stadthauptmann in einem 
ungarischen Städtchen, wo der Teufel in einem hübschen 
Hause sein Wesen trieb; jede Nacht, wenn die Lichter 
gelöscht wurden, rumorte es in dem Hause, daß Niemand 
sich in die Nähe getraute. Der Hauptmann legte sich 
aber auf die Lauer und fing den 5 in Gestalt des Haus- 
eigenthümers. Ins'Verhör genommen, gestand der arme 
Teufel, er sei im Konkurs und das Gericht wolle näch-
        

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