Herausgeber:
Liechtensteiner Landeszeitung 1863-1867
Bandzählung:
1865
Erscheinungsjahr:
1865
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000081309_1865/131/
Weinpreise in Rheinpreußen. Der Wem ist 
von ausgezeichneter Qualität, er hat fden „Elfer" und 
^34er" übe»troffen: und doch ist keine Gelegenheit zum 
Verkauf. Sonst ging viel Rheinwein nach Norddeutsch- 
land, st'it der französische Handelsvertrag in Kraft ist, 
gehen die billigen französischen Rothweine um geringen 
Zoll ins Land, und verderben den einheimischen den 
Markt. Dafür hat die deutsche Champagner- (spnch 
Schampanjer) Fabrikation sehr zugenommen. Früher 
ging deutscher Champagner nach Frankreich, die Flaschen 
bekamen ein französisches Schild und wurden nun für 
echt sranzöü'ch vei kaust und getrunken. Jetzt kennt man 
die Güte des deutschen Fabrikats und eS braucht diese 
betrüblichen Lockmittel nicht mehr. 
M a ß und G ew i ch t. Seit 5 Jahren bemüht man 
sich dle sämmtlichen deutschen Staaten unter einerlei 
Maß und Gewicht zu bringen. Nach langem Rathen 
soll nun daS von der Wissenschaft längst anerkannte 
französische Maßsystem auch in den deutschen Staaten 
zur Anwendung kommen. So z. B. als Längemaß für 
den Fuß ras Meter (etwas über 3 Fuß), als Gewicht 
das Kilogramm (2 Zollpfund), als Weinmaß das 
Liter (^ Wiener Maß). 
Es wäre zu wünschen, daß endlich auch einmal mit 
der Mt'mzverwirrung aufgeräumt würde. Am besten 
wäre der Frankenfuß. Man hat so vielerlei von den 
Franzosen entlehnt, ohne daß die Nationalität in die 
Brüche gi'na; wahrlich man dürfte ohne Gefahr auch 
noch den Münzfuß entlehnen. Zeitungsverwarnungen, 
Staatsanwaltschaft:c. sind eine speziell französische Er, 
findllng, deren Nothwendigkeit auf deutschem Boden noch 
von gar Vielen nicht begriffen werden kann, und doch 
gehören sie zu den nothwendigen Merkmalen eines „fort 
geschrittenen" deutschen Staatswesens. 
— Vorsicht! In einer Weberfabrik "zu Bärents- 
weil beging ein Arbeiter die Unvorsichtigkeit, Petroleum 
in eine Lampe zu schütten, während dieselbe brannte 
Eine Arbeiterin, ein junges Mädchen, zündete ihm zum 
Ueberflusse noch mit dem offenen Licht. Das Oel fing 
Feuer und theilte sich durch das Zerspringen der Lam 
penkugel den Kleivettl des Mädchens mit, welches sehr 
wahrscheinlich den dadurch erhaltenen Brandwunden er 
liegen wird. 
— Der Sultan hat sich seiu Taschengeld ans daö 
Jahr 1866 in Paris geborgt, — 6 Mill. Franken. 
— In Nordamerika werden jetzt anch die Frauen 
Heilkün st l e r. In der Stadt NewIork ist eine An 
stalt, in welcher bereits 399 Fr«uen zu Aerzten und 
Wundärzten gebildet werden. 
— Eine wabre Geschichte macht in Berlin grc/ 
ßen Eindruck Ein Preuße — es soll sogar ein beglau- 
digter gewesen sein — sondirt einen östreichischen Colle- 
gen in Wien auf die zarteste Weise, wie viel er ihm für 
Holstein bieten soll. Da dreht sich der Oestreicher um, 
fährt mit beiden Händen in die mit Napoleons gefüllten 
Taschen, sieht den Preußen mitleidig an und fragt: 
Was kostet Schleswig? So verdirbt das Geld die 
> besten Leute. 
— Baselland. Hier wurde ein wegen GlftmordS- 
versuch im Jahre 5855 zu LHähriger Kettenstrafe ver- 
urtheilter Metzger, Martin Bader, unter der Bedingung 
begnadigt, daß er nach Amerika auswandere. Dagegen 
protestirt nun der amerikanische Konsul in Basel und 
erklärt, die Vereinigten Staaten seien keine Verbrecher 
kolonien; es seien bereits Schritte gethan, besagtem Ba 
der die Landung nicht zn erlauben, sondern ihn auf Ko 
sten der basellandschastlichen Negierung zurückzuschicken. 
Zeit- und Geldbilder.") 
Einer Hat'S, der andere hat's gehabt, der 
dritte hätt' es gerne. 
Was ist denn das, wonach alle so jämmerlich ringen? 
„Geld" heißt der Junker, denn: „Geld paßt ja in 
alle Taschen" und „Geld muß zwei Schelme haben, ei 
nen der's gewinnt, nnd einer der's verthut." DaS sind 
Sprichwörter aus der guten alten Zeit (daS letztere zwar 
etwas derb, wie die Zeit es eben auch war), denen wir 
im Verlauf noch einige anreihen müssen, bald in feiner, 
bald in grober Hülle, wie das Golo eben in der Natur 
vorkommt; denn in den Sprichwörtern ist unstreitig auch 
„Gold" verborgen. Früher hatte man nur Metalle: 
Kupfer, Zinn, Silber und Gold als Geld; jetzt nachdem 
diese Dinge zentner- und haufenweise ausgegraben wer 
den, kommt zum weitern Ueberfluß auch noch „Papier 
geld" hinzu, das seine Eristenz weiß der Himmel wel 
chem Belzebub verdankt. Mit dem Silber, dem Golde 
und hauptsächlich dem Papier (Lumpen gibt's ja im 
mer genug) läßt sich auch millionenweise Schulden ma 
chen, was früher viel schwieriger war, läßt sich bankrot- 
tiren, aber auch Millionen erwerben, seine Schulden be 
zahlen und ein redlicher Mann werden, denn: „Tugend 
ist und Geschlecht, wenn Geld fehlt, schnöder als das 
Meergras", spottet Ulysses in der Unterwelt, und setzen 
wir hinzu: „Mit dem Beutel in der Tasche wird keiner 
gehängt." 
Man kann jetzt kaum mehr athmen in einer Zeit, in 
der Anleihen von Hundertmillionen wie eine Bagatelle 
fast täglich in den Zeitungen ausgeschrieben werden. 
Eigenthümlich ist dabei, daß diese Ausschreibungen nur 
auf „begehrt" und nie auf „offerirt" lauten. Wohin 
die Millionen nur alle hinkommen und die Banknoten? 
man wird doch nicht etwa noch das liebe Vieh damit 
füttern wollen? Am Ende könnt's doch noch zu viel 
werden und dann wären nur noch die Lumpen beschei 
den, denn: 
„Geld macht stolz" und 
„Geld kann nicht Unrecht thun." 
Item, man muß jetzt viel, viel Geld haben, um nur 
leben zu können und wer'H nicht hat, soll es verdienest 
oder es entbehren lernen, denn: 
„Ist das Gold noch so roth, 
Es muß heraus für Brod." 
*) Obige »Zeit, und Geldbilder« findet man in dem fSe 
1866 erschienenen Voltstalender »Meister Hämmerlin«. Zv» 
Kommission bei Waser am Limmatquai in Zürich.
        

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