Herausgeber:
Liechtensteiner Landeszeitung 1863-1867
Bandzählung:
1865
Erscheinungsjahr:
1865
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000081309_1865/127/
züglich einer Bahnverbindung Feldkirch-Haag (anstatt 
Feldkirch-Rüthi) dnrchgefübrt würden. Indessen sei diese 
Petition ohne Erfolg gewesen." Wir bemerken hiezu, 
daß die fragliche Petition nicht an Se. Durchlaucht, 
sondern an die f. Regierung gerichtet war, welcher die 
weiteren Schritte vorbehalten blieben. — Die Verhand 
lungen scheinen indeß noch nicht aufboren zu sollen, in 
dem eine östreichische Gemeinde in der Bvdenseegegend 
auch um Wiederaufnahme der Verhandlungen ansuchte, 
und eS wäre möglich, daß ihr entsprochen würde. 
— Von Seite östreichischer Industrieller, namentlich 
in Eisenfabrikation, werden Klagen laut, daß sie seit 
Aufhören der Zotlerleichterung zwischen Oestreich und 
Deutschland fast gar keine Eisenwaaren (Sensen:c.) 
nach Deutschland absetzen können. 
— Schwindel oder Wahrheit! In Magdeburg 
hat Herr Rudolf Dinkelberg eine neue Wunderlampe 
erfunden. Das Gefäß der Lampe ist hohl und anschei 
nend leer, wenigstens kann man sie, wenn sie geöffnet 
ist, nach allen Richtungen bewegen, ohne daß etwas 
heraus fällt, nur ein Petroleumgeruch macht sich dann 
bemerkbar. Es wird allerdings ein Ertract von Petro 
leum, welchen der Erfinder besonders zu diesem Zwecke 
bereitet bat, in die Lampe gegossen, aber sofort auch 
wieder in die Oelflasche zurück gegossen. Der Rest, der 
darin bleibt und der in keiner Lage der Lampe heraus 
fließt, wird durch eine eigenthümliche Vorrichtung in 
Gas verwandelt. Das Gas durchdringt einen gewöhn 
lichen Docht, der aus einer Röhre hervorragt und ange 
steckt ein Helles Licht gibt. Das Wichtige bei dieser Er 
findung, die sich bis jetzt nur auf Küchenlampen und 
Lampen für Werkstätten erstreckt, ist die ungeheure Spar 
samkeit. Es gehören mehrere Stunden, man versichert 
uns zirka 6 dazu, um für 1 Pfennig Werth von dem 
Petroleum-Ertract zu verbrauchen. Auch das möchte 
sehr praktisch sein, daß die Lampe beliebig umfallen kann, 
ohne ihren Brennstoff zu verlieren. 
— Der König Leopold von Belgien, ein Deutscher, 
liegt am Tode. 
— Die Aufregung der Frankfurter Bürgerschaft über 
die Drohnoten ist abgelöst worden von der Bewunde 
rung für ein hölzernes Rößlein. Dieses ist kein Nürn 
berger Fabrikat mit dem bekannten Pfeiflein am hintern 
Ende, sondern eine Erfindung des Stallmeisters des 
Königs von Würtemberg, Herrn v. Hamel. Es kann 
springen wie ein lebendiges Pferd und braucht keinen 
Hafer, nur kann man damit nicht über Feld reiten. 
Die Frankfurter betrachten es unehrerbietig als das 
Symbol deutscher Politik. Die Helden des TageS sitzen 
immer flott zu Pferde, reiten aber stets nur im Kreise 
herum in der Reitschule. 
— Treue des Hundes — Hundebann —- 
Ein Trunkenbold in Danzig hatte einen Hund, der sein 
einziger Gefährte bei Tag und Nacht und in allen Un 
fällen fein Schutz war. Bor ein paar Tagen fand 
man den Mann ertrunken im Fluß, neben ihm seinen 
treuen Hund; das Thier war ihm nachgesprungen 
und hatte seine Zähne fest in die Kleider seines Herrn 
verbissen; er büßte seine Treue mit dem Tod. — Beim 
nächtlichen Brande einer K^nstwollefabrik in Kehl, im 
Badischen, rettete das Hündchen deS Geschäftsführers, 
welcher in der Fabrik schlief, seinen Herrn vom Erftik- 
kungs- oder Feuertode, indem eS, die Gefahr bemerkend, 
durch fortwäbrendeS Heulen den vom Qualm schon halb 
Betäubten weckte; durch einen Sprung aus dem Fenster ent 
rann der Mann noch glücklich dem grausamen Geschick. 
— Und wie werden dem treuesten Diener des Menschen 
seine Dienste belohnt?. Weil hie und da ein wüthiger 
Hund Unheil stiftet, hat die bayrische Regierung in ih 
rer Weisheit einen Vertilgungskrieg gegen die Hunde 
beschlossen. Von Neujahr an soll m München jeder 
Hund mit 12 fl. versteuert werden, auf den königlichen 
Eisenbahnen dürfen Hunde um keinen Preis fahren. Das 
heißt das Kind mit dem Bade ausschütten. 
— In Frankreich sind vom dortigen Finanzministerium 
bis jetzt nicht weniger als 3500 Zollwächter ent 
lassen worden. Der Abschluß von Handelsverträgen, 
die einen freieren und weniger belästigenden Grenzver 
kehr zulassen, wirkt also auch in dieser wie in jeder an 
dern Hinsicht nur günstig. 
— Dem Seidenball in Europa eröffnen sich insofern 
wieder günstigere Aussichten, als wir nun Hoffnung ha 
ben, Seidenraupeneier aus Japan zu erhalten. Es ist 
nämlich dem französischen Gesandten in Japan, Löon 
Rocher, auf seiner Reife nach Jeddo gelungen, die Auf 
hebung der seitherigen Beschränkungen dieses Handels 
zweiges durchzusehen und es soll von nun an der Han 
del mit Seidenraupeneiern ins Ausland gestattet werden, 
wie der Handel mit andern in den Verträgen aufgeführ 
ten Artikeln. Die Verpflanzung dieses Samens in un 
seren Erdtheil trägt wahrscheinlich auch etwas zur He 
bung der Krankheit bei, von welcher, namentlich in 
Italien, in den letzten Jahren die Seidenraupen und 
die Seidenproduktion so viel zu leiden hatten. 
— Ein Riesen-Apfelbaum. In Amerika und 
zwar in Nord - Whitehall steht ein Apfelbaum, welcher 
17^ Fuß im Umfang mißt. Auf 7 Fuß Höhe hat 
der Stamm noch 15^ Fuß Umfang und fangen in 
dieser Höhe die Aefte an. Zwei derselben, wovon einer 
1 1 der andere 6 Fuß Umfang hat, sind besonders merkwürdig. 
Der Baum ist 54 Fuß hoch und nimmt einen Flächen 
raum von mehr als 60 Fuß im Durchmesser ein. Das 
Alter dieses Baumes läßt sich nicht genau ermitteln; er 
scheint aber ums Jahr 1730 gepflanzt worden zu sein. 
Der Baum ist noch gesund und kräftig und trägt jähr 
lich eine Menge sehr guter Aepfel. (Jllstr. MtShf.) 
— In der Schweizer. Eisenbahn- und Handels-Ztg. 
wird die Genfer Regierung belobt, daß sie die erste ist. 
welche Anstalten getroffen, um dem Publikum in Betreff 
der Verspätung von Eisenbahnzügen einigen Schutz zu 
verschaffen. Eine Verspätung von 1k — 30 Minuten 
wird bestraft mit 50 Fr., von 31 — 60 Minuten mit 
100 Fr., von 61—90 Minuten mit 300 Fr., mehr als 
90 Minuten mit 500 Fr. 
Der Nachtwächter und die Kirchenuhr. Der 
Stuttgarter „Beobachter" erzählt seinen schönen Witz, 
der auch bei uns anwendbar ist. In einem Dorfe in 
Würtemberg lebt ein Nachtwächter, der, obwohl im Dienste
        

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