Herausgeber:
Liechtensteiner Landeszeitung 1863-1867
Bandzählung:
1865
Erscheinungsjahr:
1865
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000081309_1865/114/
Gwelch: Hat der Landesphyßkus keinen Anspruch 
auf eine Wohmmg? 
Kircht Haler: Der Landesphyßkus macht keinen An 
spruch. 
Gmelch: Wir können nicht auf die Person, sondern 
müssen auf die Stelle Rücksicht nehmen, und da fragt 
es sich ob nicht auch der Landesphysikus eine Amtswoh 
nung zu beanspruchen habe. 
Kirchthaler.' Mir kommt es vor, als werde diese 
Frage nur herbeigezogen, um die Verhandlungen zu ver 
zögern oder zu scheitern. Wir wollen beim Nöthigsten 
stehen bleiben, sonst könnte man auch am Ende die Frage 
auswerfen, ob man mit dem Baue des Ständehauses 
und der Landrichterswohnung nicht zugleich an den Bau 
einer Kaserne denken soll; denn die Soldaten find ja 
zufallig auch nicht in einem landschaftlichen Gebäude, 
sondern im fürstl. Schlosse untergebracht. 
Gmelch (mit erhobener Stimme): Ich frage als Ab 
geordneter, zu meiner Aufklärung, hat der Landesphysikus 
das Recht, eine Wohnung anzusprechen? 
Reg.-Komm.: Das ist eine Frage an mich. Die 
Wohnung des Landesphysikus ist ein fürstliches Gebäude, 
er bewohnt dieselbe gegen Miethe, bei seiner Anstellung 
wurde dem gegenwärtigen Landesphysikus eine Wohnung 
nicht zugesichert. 
Wolfing er.- Ich wäre lieber dafür, man sollte ei 
nen festen, unkündbaren Miethkontrakt mit einem Haus 
eigenthümer in Vaduz abschließen, etwa auf 5—6 Jahre 
und sollte die Bausrage so lange verschieben. Die Ko 
sten sind zu groß und man hat auch nicht die erforder 
lichen Geldmittel. 
Kirchthaler führt an, daß bei dem bestehenden 
Wohnungsmangel dieser Vorschlag nicht annehmbar sei. 
Erni: Wir haben diese Frage schon früher (18ß4) 
verhandelt, dort ist man davon abgegangen. Seitdem 
haben wir verschiedene Ausgaben dekretirt, so daß alle 
vorhandenen Mittel verwendet sind. Nun will man ungenirt 
zur Ausführung des vorliegenden Projektes Geld aufnehmen; 
nachdem man unterschiedliche Gelder vergeudet hat... . 
Präsident: Ich muß den Herrn Abgeordneten Erni 
bitten, sich parlamentarischer Ausdrücke zu bedienen. Es 
werden hier keine Gelder vergeudet. Die Beschlüsse, die 
hier gefaßt werden, sind der Ausdruck der gewissenhaften 
Ueberzeugung und besten Einsicht — und auf diese kann 
ich einen solchen Ausdruck nicht anwenden lassen.... 
Erni: Ich will damit sagen, wir haben nicht gerade 
gespart. Wenn ich aber nicht das Recht habe, diese 
meine Ansicht auszusprechen, so muß ich mich der De 
batte enthalten. 
Präsident: Sie haben dieses Recht, und ich habe 
es Ihnen nicht verkürzt; aber in maßvollen Ausdrücken 
soll die Debatte geführt werden. 
Es wird nun die Frage langer debattirt, ob man 
nicht den Plan noch weiter in Erwägung ziehen und 
nochmal dem Landtage vorlegen solle. Der Präsident 
findet st>as nicht nothwendig, indem man, nachdem ein 
mal der Bau beschlossen sei, so viel Vertrauen zu dem 
Landeschef haben dürfe, daß die Sache möglichst zweck 
mäßig und mit der umsichtigsten Anlage der Geldmittel 
durchgeführt werde. Deßwegen wird auch kein Beschluß 
in diesem Sinne gefaßt, um so weniger, da der f. Re 
gierungskommissär erklärt, es sei recht leicht möglich, die 
Frage noch einmal vor den Landtag zu bringen, indem 
derselbe anstatt im Mai, schon im Februar zusammenge 
rufen werden könne. 
Die Versammlung stimmt nun den Kommissionsan 
trägen mit 11 gegen 4 Stimmen (Gmelch, Wolfinger, 
Büchl, Erni) bei und beauftragt das Bureau ein ent 
sprechendes Bittgesuch an Se. Durchlaucht zu richten, 
bezüglich der Abtretung des Bauplatzes. 
Die Kommission hatte ferner beantragt, die f. Regie 
rung möge dem nächsten Landtage Vorlage über Ablö 
sung des Fastnachthennenzinses, des Neugeruth- und 
Schäffhaberzinses, dann des Pleuelgeldes zu machen. 
Der Landtag stimmt diesem Antrag bei, beschließt aber 
einstimmig insbesondere, daßderFastnachtshennen- 
zins vom Jahre 1866 an unentgeltich auf 
zuheben sei. 
Hierauf kommt die Rechnung des Landtagssekretärs 
G. Fischer in Behandlung. Die erwählte Prüfungs 
kommission fand dieselbe in allen Stücken richtig und 
beantragte, der Landtag wolle dieselbe genehmigen und 
den Rechnungsleger entlasten. Der Landtag genehmigt 
diesen Antrag einstimmig. Die bezügliche Rechnung gibt 
einen Ausweis von fl. 252 Diäten für 8 Landtags 
sitzungen, fl. 194 Diäten für Kommissionssitzungen und 
fl. 196. 97 Bureaukosten. 
Nach Verlesung einer Botschaft Sr. Durchlaucht des 
Landesfürsten an den Landtag und nachdem der Präsi 
dent einen kurzen Rückblick auf die dreijährige Thätigkeit 
der gegenwärtigen Landtagsversammlung gemacht hatte, 
wurde der Landtag mit einem dreimaligen „Hoch" auf 
Se. Durchlaucht geschlossen. > 
In den Landesausschuß werden erwählt Keßler und 
Wange?, als Ersatzmänner: Kirchthaler und Marrer. 
Sodann erfolgt die gesetzliche Ausloosung von 6 Mit 
gliedern. Das Loos zum Austritt wird gezogen von: 
Erni, Kieber, Quaderer, Wanger, Bargetze, Wolfinger. 
Nach Genehmigung des Protokolls wird die Sitzung 
geschlossen. 
Allerhand Neuigkeiten. 
Vaduz, 25. Oktober. Kurze politische Rund 
schau. Das größte Aufsehen erregt eine östreichisch 
preußische Zuschrift an die Regierungsbehörde der freien 
Stadt Frankfurt. Frankfurt wird aufgefordert, den häu 
figen Volksversammlungen, den politischen Vereinen, die 
daselbst Zusammenkünfte halten, den allzu freisinnigen 
Zeitungen, welche in Frankfurt gedruckt werden, Einhalt 
zu thun oder dieselben zu unterdrücken. Wenn in die 
ser Hinsicht keine Schritte geschehen, so wollen Oestreich 
und Preußen gemeinsam die Regierung von Frankfurt 
in die Hände nehmen. Solche Schreiben sind auch an 
andere deutsche Regierungen erlassen worden, damit sie 
ihren nicht östreich-preußenfreundlich gesinnten Zeitungen 
den Maulkorb anlegen. Die Zeiten gestalten sich immer 
freundlicher für das „übrige" Deutschland, nicht lange 
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.