Herausgeber:
Liechtensteiner Landeszeitung 1863-1867
Bandzählung:
1865
Erscheinungsjahr:
1865
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000081309_1865/111/
schule nothwendig sei. Es ist zwar bemerkt worden, daß 
die Schüler den sonntäglichen Realunterricht besuchen 
könnten. Allein man kann dieselben laut Schulgesetz 
nicht zu diesem Unterricht anhalten, um so mehr mußte 
also auf einen besondern Religionsunterricht Bedacht ge 
nommen werden. Zudem habe man gefürchtet, der 
Schule gegenüber der Geistlichkeit zu schaden, wenn man 
den Religionsunterricht aufgebe. 
Gmelch: Die Motive von Herrn Pfarrer Erni re- 
spektire ich. Allein ich glaube sie passen nicht hieher. 
Ich schaue die Sache anders an. Ein Pfarrer ist wohl 
verpflichtet in der Volks- oder Elementarschule den Re 
ligionsunterricht zu ertheilen. Die Realschule ist aber 
etwas anders als die Elementarschule; sie ist eine Lan 
desschule und hat» eine gewisse Selbständigkeit. Man 
hat in andern Staaten Realschulen, Bürgerschulen und 
wie sie alle heißen; der Religionsunterricht an diesen 
Schulen wird durch besondere Religionslehrer ertheilt. 
Fischer: Ich habe nur gegen eine Bemerkung des 
Herrn Pfarrer Gmelch ein Wort zu sagen. Hr. Pfr. 
Gmelch bemerkt, die Realschule habe eine „gewisse" 
Selbstständigkeit. Ich bin der Ansicht, daß sie nicht eine 
«gewisse", sondern eine volle Selbstständigkeit hat. 
Erni: Meint man solle die Frage fallen lassen, die 
Kirche werde schon Sorge tragen, daß ein besonderer 
Religionsunterricht an der Realschule ertheilt werde. 
Die Forderung wird schließlich mit 9—6 Sttmmen 
genehmigt. 
Für den Gesanglehrer an der Realschule werden 
fl. 10 Aufbesserung von der f. Regierung verlangt. 
Auch diese Post wird längere Zeit bekämpft. 
Quaderer will, daß der Gesangunterricht von den 
Schülern bezahlt werde, welche denselben besuchen wollen. 
Reg.-Komm.: Bemerkt, daß der Gesangunterricht 
obligat sei und ein Freigeben nicht stattfinden könne. 
Wolfinger: Wenn er obligat sei, so werde er von 
dem betreffenden Lehrer auch ferner ertheilt werden 
müssen. 
Für die Forderung sprechen noch Schädler, Keßler, 
Gmelch, Kirchthaler, so daß dieselbe endlich mit 9 St. 
gegen 6 (Schaffhauser, Büchl, Erni, Kieber, Bargetze und 
Wolfittger) genehmigt wird. 
Von der Kommission sinv ferner 35 fl. Miethzins für 
ein Lokal des Gefällengerichts zu streichen beantragt. 
Nach dem Zollvereinsvertrag ist das Land verbunden 
für die Untersuchungen des Gefällengerichts ein Lokal 
bereit zu halten, welches bisher miethweise um den Zins 
von st. 35 aufgenommen wurde. Da diese Untersuchun 
gen in einem Lokale des Amtshauses gepflogen werden 
können, so wurde dieser Betrag einstimmig gestrichen. 
Es wird nun durch Akklamation eine Kommission zur 
Prüfung der Rechnung des Sekretärs Fischer gewählt: 
Wanger, Marrer, Kirchthaler und diy Sitzung um 12 
Uhr vertagt. 
(Fortsetzung folgt.) 
Allerhand Wenigkeiten. 
Vaduz, am 12. Oktober. Heute reiste Herr Lan 
desverweser v. Hausen auf höchsten Befehl nach Wien. 
Die vom heurigen Landtag verabschiedeten Gesetze, dann 
verschiedene Petitionen:e. werden der Erledigung harren. 
Vaduz, am 9. Oktober. Bei einem heftigen Föhn 
sturm war heute Vaduz von einer Feuersbrunst 
bedroht. Um balb 10 Uhr gerieth neben dem „Engel" 
ein Schwein stall und daneben gelagerte Streue in Brand. 
Die Flammen drangen nach allen Seiten empor. Glück 
licherweise waren mehrere der eben versammelten Herren 
Landtagsabgeordneten und Herr LandeSverweser v. Hau 
sen schnell zur Stelle, um die Flammen durch frischen 
Mist, Gülle zc was in der Nähe war, zu dämpfen. 
In kurzer Zeit war durch die emsige Hilfe der Bewoh 
ner das Feuer trotz des heftig anbrausenden Föhns ge 
löscht. Ein angrenzender Stall mit Heulager hatte zum 
Glück kein Feuer gefangen, und so blieb unsere Gemeinde 
von einem unberechenbaren Schaden bewahrt. DaS 
Mittel- und Oberdorf, die schönsten Obstgärten und 
Weinberge waren dem Verderben nahe. 
Vaduz, am 8. Oktober. Heute wurde das hohe 
Geburtsfest Seiner Durchlaucht des regierenden Für 
sten in herkömmlicher Weise gefeiert. Die Festrede des 
Hw. Hrn. Pfarrer Dr. 6e Ourtins ist im Druck erschie 
nen und kann durch die Briefboten gegen 8 Nkr. bezo 
gen werden. Der Ertrag ist zu Gunsten einer neuen 
Kirche in Vaduz bestimmt. 
— Am 9. wurde der Landtag geschlossen. Beim 
Schluß wurden 6 wählbare Mitglieder durch das LooS 
ausgeschieden. Auf diese Weise traten folgende Abge 
ordnete zurück: Erni, Kieber, Quaderer, Wanger, Bar 
gätze, Wolfinger. Dagegen verbleiben: Schaffhauser, 
Kirchthaler, Fischer, Keßler, Schädler, Büchl und nebst- 
dein Vie von Sr. Durchlaucht bestellten Mitglieder: 
Marrer, Kind, Gmelch. 
— Ein in mehreren Blättern auftauchendes Gerücht, 
daß Preußen für die Abtretung von Holstein Oestreich 
8 Millionen Thaler geboten habe, erwähnen wir trotz 
seiner Ungeheuerlichkeit. Als Thatsache würde eS eben 
so wohl von preußischer Verachtung des Rechtes wix 
von der unheilbaren Finanznoth Oestreichs Zeugniß geben. 
— Es ist sehr glaublich, daß die Abneigung der 
Schleswig-Holsteiner, an Preußen zu fallen, auch ihre 
menschlichen Gründe hat. Ueber diese berichtet der „D. 
A. Z." ein Mann, der die Herzogtümer bereist hat, 
um die Stimmung kennen zu lernen. Er erinnert da 
ran, daß die Herzogtümer in vielen Dingen hinter dem 
übrigen Deutschland zurückgeblieben seien. So komme 
es, daß" der Zünftler mit Schrecken die preußische Ge- 
Werbefreiheit nahen sieht; der größte Theil der Städte 
fürchtet den Verlust seiner theuern Steuer- und Rekru- 
tirungsfreiheit, die hochsportulirendn Advokaten die preu 
ßische Gerichtsordnung, die zahlreichen, mit hohem Ge 
halt dotirten Beamten sehen mit Entsetzen auf den ver 
gleichsweise kärglichen Gehalt ihrer preußischen AmtSbrü- 
der; der Bauer denkt bedenklich an die allgemeine 
Wehrpflicht uNd den blauen Rock des Königs; ein großer 
Theil des Handelsstandes an den unvermeidlichen. Ein 
tritt in den Zollverein. Die Universität Kiel scheue die 
Konkurrenz mit denjpreußischen Universitäten und fürchte
        

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