Herausgeber:
Liechtensteiner Landeszeitung 1863-1867
Bandzählung:
1865
Erscheinungsjahr:
1865
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000081309_1865/110/
neS Gesetz geregelt werden sollen, und drückt damit aus, 
daß diese Last nicht mit den übrigen Gemeindelasten zu 
sammenfällt. 
Quaderer: ES werden hier die Wuhrlasten als 
Gemeindelasten behandelt, während sie in andern Staa 
ten größtenteils Staatslasten sind. Wir können sie 
leider nicht als Staatslast behandeln; wie aber wenn 
sie Staatslast wären, so müßten sie durch Steuern ge 
deckt werden und dann würden ste auch von den Geist 
lichen mitgetragen werden; so aber wollen sie von dieser 
Last befreit sein. Sie tverden diese Last wohl noch eher 
tragen können, als mancher arme Mann. Wir haben 
Leute, die an die Wuhrlast halb so viel leisten, als eine 
Pfarrei und doch haben sie kaum so viel Vermögen als 
der Pfarrer Jahreseinkommen. 
Gmelch: Zch gebe Hrn. Quaderer Antwort. Will 
man die Wuhrlast als Staatslast erklären, so muß ich 
dagegen Protestiren, so Protestire ich gegen dieses Wuhr- 
geletz. ^ 
Quaderer.' Ich sage nicht, daß die Wuhrlast eine 
Staatslast ist, ich sage sie könnte eine sein. .. (Hier 
vernimmt man Feuersignale vom Schlosse und die Siz- 
zung wird unterbrochen — nach einer halben Stunde 
Fortsetzung.) 
.... Gmelch: Hr. Quaderer wünscht die Bethei 
ligung der Geistlichen an der Wuhrlast im Interesse der 
armen Bevölkerung. Dagegen bemerke ich: l. tragen 
ja die Pfründen auch ihren Antheil, indem sie Steuer 
zahlen. 2. Ist es kein Schaden für die ärmeren Be 
wohner, wenn ihre Pfründen etwas besser gestellt sind. 
Ich sollte eigentlich nicht davon reden. Aber es ist doch 
sicher, daß ein Geistlicher, der im Stande ist etwas zu 
thun, den Armen viel nützen kann, während ihnen der 
schlechtgestellte nichts geben kann. 3. Daß die Pfrün 
den im Fürstenthume nicht so bedeutend gestellt sind, als 
die Herren sich vorstellen. Es ist im Fürstenthume nur 
eine Pfründe, welche man als gut bezeichnen kann. Die 
andern sind mäßig. Vergleiche man die Pfründen an 
derer deutschen Länder damit. 
Es kommt nun zur Abstimmung und der Antrag 
Wanger's wird mit 8—7 Stimmen angenommen. 
Die übrigen §§. bleiben unverändert und die Endab 
stimmung ergibt 13 Stimmen „Ja", nämlich Fischer, 
Keßler, Wolfinger, Wanger, Bargätze, Kieber, Schaff- 
hauser, Pfr. Büchl, Pfr. Erni, Quaderer, Kind, Mar- 
rer, Kirchthaler; und 2 Stimmen „Nein", nämlich: 
Schädler und Pfr. Gmelch. 
Hierauf erfolgt die Berathung des Budget pro 1865. 
(Die einzelnen Posten des Staatsvoranschlages wer 
den in einer Beilage besonders zum Abdrucke kommen 
und deßhalb übergehen wir dieselben.) 
^ Die Forderung der f. Regierung per st. 50 Honorar 
für den Religionslehrer an der Realschule zu Vaduz er 
regt eine längere Debatte. 
Pfarrer Erni: Ich kann mich nicht einverstanden er 
klären, daß wir noch einen besondern Religionslehrer für 
die Realschule anstellen. Wenn der Grundsatz ausge 
sprochen wird, daß der Seelsorger von Vaduz nicht ver 
pflichtet sei, diesen Unterricht zu ertheilen, so könnte auch 
behauptet werden, daß er für die Soldaten auf dem 
Schlosse nicht verpflichtet sei, die Seelsorge unentgeltlich 
zu besorgen; ebenso bezüglich der HH. Beamten in Va 
duz, welche nicht Bürger sind. Ich finde das gar nicht 
fraglich. Wenn ein Fremder in die Gemeinde kommt, 
so muß er ihm im Falle den geistlichen Beistand leisten. 
Oder wird er in diesem Falle Bezahlung verlangen? 
Er wird sich nicht dazu verstehen. Bisher hat der Cu- 
rat von Vaduz diesm Unterricht ertheilt, er hat es nicht 
gewagt ihn auszuschlagen oder eine Bezahlung zu ver 
langen. Der gegenwärtige Curat hat ihn bisher auch 
ertheilt, bis man ihn vor den Kopf gestoßen hat. 
Präs. Schädler: Ich muß die Bedenken, welche die 
Commission erwogen hat, dem Hrn. Vorredner entgegen 
stellen. Die Realschule ist eine bleibende Anstalt zur 
Hebung der Volksbildung, der Religionsunterricht ist eine 
bleibende Leistung; eS ist das etwas ganz anderes, als 
wenn ein Fremder hieherkommt und geistlichen Beistand 
braucht. Wir haben es deßwegen für billig erachtet, 
eine Entschädigung zu bewilligen. Dieser Religionsun 
terricht wird eine bleibende Leistung, welche mit den ur 
sprünglichen Aufgaben der Curatiepfründe nicht zusam 
menhängt. 
Erni: Alle Realschüler, welche ihren Wohnsitz dahier 
zeitweilig haben, gehören zu den Pfarrkindern des Cu- 
raten und deßhalb hat er für ihren Unterricht zu sorgen. 
Deßhalb wollen wir unser Budget nicht belasten. 
Reg.-Komm.: Der Hr. Vorredner sagt, der frühere 
Curat habe den Unterricht unentgeltlich ertheilt und habe 
nicht gewagt etwas zu verlangen. Das ist nicht ganz 
richtig. Er hatte, wie die bezüglichen Akten darthun, 
den Religionsunterricht nur provisorisch und in Folge 
einer besondern Aufforderung von Chur ertheilt. Ferner 
sagt Hr. Erni, der gegenwärtige Curat habe den Unter 
richt nur so lange ertheilt, bis man ihn vor den Kopf 
gestoßen habe. Ich muß dem gegenüber erwähnen, daß 
der jetzige Curat gleich bei semer Hieherkunft die Frage 
eines Honorars anregte, und es wurde ihm ein solches 
in Aussicht gestellt. Was aber den Punkt betrifft, man 
habe den Curat vor den Kopf gestoßen, so muß iH 
Hrn. Erni jedenfalls um nähere Aufklärung ersuchen. 
Erni hat keine positiven Anhaltspunkte hiefür, son 
dern vermuthet es nur' 
Keßler als Referent erläutert, daß der Curat recht 
lich nicht zur Ertheilung des Religionsunterrichts ver 
pflichtet sei. 
Ebenso der Regierungs-Kommissär, welcher zudem auch 
nicht die kirchliche Verbindlichkeit hiezu einsehen kann. 
Erni: Wie eS sich in kirchenrechtlicher Hinsicht ver 
halte, lasse sich nicht bestimmt sagen. Christus habe ge 
sagt: Gehet und lehret alle ic. Ebenso Paulus: Be 
nützet jede Gelegenheit, den Kleinen das Brod zu brechen. 
Man streite in mehreren deutschen Staaten, um den 
Einfluß der Kirche auf die Schule zu wahren, und hier 
wolle man denselben zurückweisen. Man solle die Sache 
fallen lassen, er glaube, daß der Religionsunterricht den 
noch besorgt werde. 
^ Kirchthaler: Im Ausschüsse ist die Ansicht ausge-. 
sprochen worden, daß der Religionsunterricht in der Real-
        

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