Herausgeber:
Liechtensteiner Landeszeitung 1863-1867
Bandzählung:
1865
Erscheinungsjahr:
1865
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000081309_1865/109/
Liechtensteiner -Landeszeitung. 
Dritter 
Vadliz, Sonntag 9!r0 
Dieses Blatt erscheint in der Reget monatlich 3mal und k 
tene Zeile Nkr Man bestellt die Zeitung in Vaduz bei der 
Handlung oder bei der k. k. Post. Die Redaktion besorgt auch 
Landtagsverhandlungen. 
Vierter Landtag, 8. Sitzung (Schluß-) Vaduz am 9. 
Oktober 1865. 
Tagesordnung: 
II. Lesung der Rheinwuhrordnung, 
Staatsvoranschlag pro 1866, 
Landtagsrechnung, 
Wahl des Landesausschusses, 
Austritt von 6 wählbaren Mitgliedern. 
Das Protokoll letzter Sitzung wird genehmigt. Hiebe! 
bemerkt Hr. Präsident, daß Hr. Abgeord. Pfr. Gmelch, 
welcher bei letzter Sitzung abwesend war, durch nach 
träglichen Bericht die Gründe seines Ausbleibens mit 
theilte. Eine unaufschiebbare plötzliche Reise machte sein 
Erscheinen unmöglich. 
Es beginnt die II. Lesung des Rheinwuhrgesetzes. 
Artikel 1 bis 6 werden ohne Debatte einstimmig nach 
den Beschlüssen letzter Sitzung angenommen. 
Zu Artikel 7 wurde in letzter Sitzung beschlossen: 
„Befreit von Wuhr- und Dammlasten sind jene Pfrün 
den, deren geistlicher Nutznießer ein Gefammteinkommen 
von weniger als ff. 600 bezieht. Die Feststellung des 
Einkommens geschieht in der im §. 4 der Gemeinde- 
Ordnung bestimmten Art." 
Gmelch: Erlauben Sie, meine Herren, daß ich ei 
nige Worte zu Gunsten der Pfründen gegen vorliegen 
den Antrag spreche. Ich hätte das letzte Mal gespro 
chen, wenn ich nicht verhindert gewesen wäre, zu erschei 
nen. Es ist zu Gunsten der Pfründen bereits viel ge 
sagt worden; ich will das nicht wiederholen. Aber auf 
3 Momente will ich aufmerksam machen und bitte die 
selben zu berücksichtigen. Erstens ist der Besitzer einer 
Pfründe nicht der Besitzer der Pfründgüter, er ist nur 
Nutznießer. Er steht nicht in dem Verhältnisse, in wel 
chem der Eigenthümer steht. Der Eigenthümer kann 
seinen Grund und Boden verkaufen und dabei gewinnen, 
er kann ihn vertauschen, vererben zc. Der Pfründbe 
sitzer hat nur den Nutzen, den Grundbesitz muß er un 
angetastet lassen. Ihm nun dieselben Lasten zumessen, 
wie dem Eigenthümer, ist unbillig, weil er nicht die freie 
Bewegung hat, wie dieser. 
Der zweite Grund, warum ich Sie ersuche, sich zu 
Gunsten der Pfründen auszusprechen, ist der. Wie ich 
höre, greift die Wuhrlast in das Wesen der Pfründen 
wesentlich ein. Würde es sich um eine Last handeln, 
wie die Steuer, so glaube ich, würde keiner von uns 
SV. l5. Oktober 18KS. 
stet ganzjährig 1 fl. 50 kr. Einrückungsgeöühr für die gespal» 
Redaktion -7 in Feldkirch bei der löbl Wagner'fchen Buch- 
Bestellungen auf das liechtenst. LandeSgesetzvlatt. 
sich gegen diese Last aussprechen. Aber es handelt sich 
um eine Last, welche die Pfründen wesentlich beeinträch 
tigt. Ich höre, daß Pfründen mit 60, 70, ja über 
100 fl. in die Wuhrlast einbezogen werden. Das greift 
die Pfründen wesentlich an. Es ist zuviel gefordert. 
Wenn z. B. die Pfarrei BalzerS, wenn diese um 80— 
100 fl. verkürzt würde (sie wird nicht verkürzt, weil 
ihre Verhältnisse andere sind), so gestehe ich, daß ich 
nicht mehr anständig leben könnte; das ist ganz gewiß. 
Die Pfarrer haben eben viele Auslagen. Einen Haus 
halt zu bestreiten, ist schwer, Sie wissen das selbst, meine 
Herren, die Sie Familien und einen eigenen Haushalt 
haben. 
Drittens. Die Geistlichen der Diözese Chur sind 
in einem ganz andern Verhältnisse, als die Geistlichen 
anderer Diözesen, z. B. St. Gallen. Diese haben einen 
Emeritenfond, die deutschen Diözesen haben alle diesen 
Fond, von welchem der Priester im Alter unterstützt wird. 
In diesem Falle sind die Priester der Diözese Chur nicht. 
Nun frage ich Sie, wenn der Priester alt wird, 30— 
40 Zahre gedient hat und sich darnach sehnt von einer 
Last befreit zu werden, und er konnte nichts ersparen, 
in welcher Lage befindet er sich? Wollen Sie für die 
Priester, die ihre Kräfte doch auch.dem Lande weihen, 
wollen Sie für sie eine so traurige Zukunft schaffen? 
Die'Geistlichen im Lande könnten sich jetzt vielleicht 50 
—60 fl. jährlich zurücklegen. Nun kommt die Wuhrlast 
und macht dies unmöglich. Es ist auch nicht im Inter 
esse der Gemeinden, als Patrone den Pfarreien, von de 
nen sie Patrone sind, die -sie schützen sollen, an deren 
Wohl und Weh ihnen liegen soll, so sehr zu schaden. 
AuS diesen Gründen würde folgen, die Pfründen ganz 
und gar frei zu lassen. Ich wage nicht so weit zu ge 
hen und möchte Ihnen deshalb nur den Kommissionsan 
trag empfehlen. — In dem Berichte über die letzte 
Landtagssitzung in der Landeszeitung habe ich etwas ge 
funden, worüber ich auch einiges mittheilen will. Herr 
Wanger stellt den vorliegenden Antrag aus Rücksicht 
auf § 4 der Gemeindeordnung. Er glaubt in seinem 
Rechtsgefühl so weit gehen zu müssen. Wenn ich die 
Sache richtig anschaue, so kann der §. 4 ganz und gar 
bestehen ; wir haben aber noch einen andern, §. 2, ne 
ben welchem auch der Kommissionsantrag bestehen 
kann. Dieser §. gewährt uns volle Freiheit, wir kön 
nen in Bezug auf Wuhrlasten vollständig frei handeln, 
denn der K. 2 sagt, daß die Wuhrlasten durch eilt eige-
        

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