Herausgeber:
Liechtensteiner Landeszeitung 1863-1867
Bandzählung:
1865
Erscheinungsjahr:
1865
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000081309_1865/106/
Bucht: DaS glaube ich in Bezug auf die geistlichen 
Herren gewiß nicht; die waren wahrscheinlich durch geist 
liche Funktionen verhindert. 
Reg. - Komm.: Ich möchte auch für eine zweite Le 
sung rathen. Der Beschluß hat nur eine geringe Ma 
jorität. UebrigenS wurde schon früher angedeutet, was 
ich hiemit bestätige, daß von Seite der Geistlichkeit 
Schritte vorbereitet sind, um bei Sr. Durchlaucht die 
Befreiung von dtr bezüglichen Last zu erwirken. Es ist 
nun die Frage, liegt Ihnen daran, daß dieses Gesetz zu 
Stande komme oder nicht? Ist das erstere der Fall, so 
müssen sie es der Regierung auch möglich machen, das 
selbe höchsten Orts zu vertreten. Durch den mit Stim 
menmehrheit gefaßten Beschluß haben sie den Regierungs 
entwurf modifizirt und benahmen der Regierung hiedurch 
die Möglichkeit, für den modifizirren Gesetzentwurf ein 
treten zu können. 
Wanger: Ich glaube mit den von unS angeführten 
Gründen und mit 8 4 der Gemeindeordnung kann die 
f. Regierung das Gesetz durchbringen. 
Reg. > Komm.. erinnert wiederholt an die von der 
Geistlichkett bei Sr Durchlaucht eingebrachte Petition. 
Kirchthaler: Das wäre traurig, wenn eine Peti 
tion gegen die Majorität des Landtags durchdringen 
könnte, wenn die Landtagsbeschlüsse nichts gelten. 
Reg.-Komm.: Die Regierung hat die Pflicht auch 
die Petition eines einzelnen Standes zu berücksichtigen. 
Kirchthaler.' Der zahlreichste Stand ist das Volk. 
Präs. Ich spreche für eine zweite Lesung. 
Wanger: Ich würde eine Rüge der abwesenden 
Mitglieder beantragen und es bei der ersten Lesung 
lassen. 
Abstimmung: 7 Stimmen für zweite Lesung. 
Es folgt nun die Wahl einer Kommission zur Be 
richterstattung über daS Budget pro 1866. Es werden 
gewählt: Im ersten Gang: Schädler mit 10, Land 
richter Keßler mit 10 und Kirchthaler mit 8 St.; 
im zweiten Gang Quaderer mit 7 St. und im dritten 
Gang Wanger mit 6 St. 
Schluß der Sitzung um 2/z Uhr. 
Allerhand Neuigkeiten. 
Vaduz, 27. Sept. Durch eine kaiserliche Verord 
nung wurde die Reichsverfassung zeitweis außer Kraft 
gesetzt. Es sollen mit dem ungarischen Reichsrathe Un 
terbandlungen gepflogen werden, um ihn zur ganzen 
oder theilweisen Anerkennung zu bewegen! Nach Allem, 
was sich aus der bisherigen Haltung Ungarns schließen 
läßt, wird eS sich gegenüber der neuen Verfassung sehr 
wenig entgegenkommend verhalten. Die Ungarn stützen 
sich auf ihr altes, verbrieftes Recht; auf neue Rechte, 
die man gelten läßt oder beliebig aufhebt, wollen sie 
sich nicht einlassen. Man hat nun so und so viel mal in 
Oestreich erlebt, daß Verfassungen „für ewige Zeiten 
gültig und bindend" publizirt wurden; allein daS „für 
ewig" währte meist nur einige Jahre, um einem andern 
Platz zlr machen. ES ist wahr, was ein Wiener in die 
„Mg Ztg." schreibt, ein absoluter oder willkürlich be 
herrschter Staat kann so gut Kredit haben, als ein an 
derer; es zeigt sich gerade bei dem gegenwärtigen Fall, 
daß die Geldleute die „Einstellung der Verfassung" fast 
unbeachtet an sich vorübergehen lassen: aber es ist noch 
nicht aller Tage Abend Vielleicht kommen wieder Tage, 
wo man unbedingten Glauben an das gegebene Wort 
nöthig hat, wer will es dann übel nehmen, wenn dieser 
Glaube geschwunden, wenn an jener Stelle die Saat, 
des Mißtrauens groß geworden ist? — Ein Gesetz soll 
unter allen Umständen heilig sein; ein Gesetz darf nur 
durch ein Gesetz beseitigt werden. Wer gibt uns Bürg 
schaft, daß nicht auch andere Gesetze momentan „einge 
stellt" werden? Angenommen die östreichischen Banknoten 
erlangen bis Ende 1866 Silberwerth, indem die Staats 
schuld bis dahin an die Bank getilgt ist. Kann nicht 
bis dahin eines Tages, im Falle dringender Geldnoth, 
wieder eine Einstellung erfolgen, um die naheliegende 
Hilfe der Nationalbank in Anspruch zu nehmen? -- 
Wir wünschen, daß die Ausgleichsversuche mit Ungarn 
gelingen; aber sie sind auf alle Fälle theuer erkauft. 
Man sollte meinen, die „Einstellung der östreichischen 
Verfassung" sei auch eine Frucht der Gasteiner Zusam 
menkunst, wo Kaiser Franz Joseph und der König von 
Preußen den Handel über Schleswig-Holstein-Lauenburg 
ins Reine brachten. Ob der König - Herzog Wilhelm 
auch einen ähnlichen Schritt in Preußen vorbereitet? 
Am 1. Oktober versammeln sich die deutschen Land- 
tagSabgeordneten in Frankfurt, um über die Zukunft 
Schleswig - Holsteins und Deutschlands zu berathen. 
Diese ewigen Versammlungen werden überaus langwei 
lig und — verderblich. Im gemeinen Leben gilt die 
Regel: wenig reven und viel thun. Man weiß aus 
Erfahrung, daß diejenigen, welche immer von ihren Plä 
nen reden, am wenigsten ausführen. Es verzehren sich 
die kostbare Zeit und Kraft im Schwätzen. 
Eine merkwürdige Wandlung bereitet sich in Deutsch 
land vor. ES werden immer mehr Stimmen laut, welche 
es im besten Interesse Deutschlands finden, wenn SchleS- 
wig-Holstein sich mit Preußen vereinigen würde. Nur 
sollte das Selbstbestimmungsrecht des Volkes gewahrt 
bleiben. 
England war von einer Revolution bedroht. In Ir 
land harten verrückte Köpfe eine Verschwörung angezettelt. 
Man hat infolge dessen das seltene Schauspiel von 
Hausdurchsuchungen, politischen Verbrechern Zc., was in 
England fast ganz aus der Mode gekommen war. 
Man streitet sich in der Schweiz um den Bau einer 
Alpenbahn nach Italien. Zürich und seine Nachbarn 
möchten über den Gotthard bauen, St. Gallen und 
Graubünden wünschen die Fortsetzung der Bahn von 
Chur über den Luktyanier. Diese Linie wäre dilliger 
und wahrscheinlich auch rentabler, denn durch daS Rhein- 
thal ging zu allen Zeiten der Hauptverkehr nach Italien. 
Im südlichen Frankreich herrscht die Cholera in 
hohem Grade. Die meisten Einwohner der heimgesuch 
ten Städte fliehen und überlassen die Kranken ihrem 
Schicksal. An Toulon war mehr als die Hälfte der Be 
wohner geflohen; an einem einzigen Tage starben 76 
Personen an der Seuche. ES wurde verordnet die
        

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