Herausgeber:
Liechtensteiner Landeszeitung 1863-1867
Bandzählung:
1865
Erscheinungsjahr:
1865
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000081309_1865/104/
Feierabend, und doch wird ein vollständiger Taglohn an 
gerechnet. Bei dem Bürger hat das weitem keine Be 
deutung, weil er seine Tage in der Winterszeit nirgends 
besser verwerthen und weil er die Arbeit selbst oder durch 
seine ßLeute verrichten kann. Anders ist es beim 
Beamten, beim Geistlichen, welchen man zumuthet, solche 
kurze Tagarbeiten für vollständige Tage zu bezahlen; 
denn er kann sich in der Regel nicht persönlich an der 
Wuhrarbeit betheiligen. 
(Schluß folgt.) 
Allerhand Neuigkeiten. 
Vaduz, 21. September. Die Weinlese in Feldkirch 
beginnt erst in nächster Woche. Auch in der Bodensee 
gegend will man vor Ende des Monats nichts vom 
„Wimmeln" hören. — Mittwoch den und Donners 
tag den 5. Oktober wird der vorarlberische Landwirth- 
schaftsverein, wie die „Feldk. Ztg." schreibt, sein Jah 
resfest in Feldkirch feiern. Am Oktober Abends 6^ 
Uhr Beginn der Generalversammlung im Gasthause zum 
goldenen Engel des Hrn. Gabriel Wurm. Am 5. Ok 
tober verkünden früh 6 Uhr Pöllerschüsse und Musik- 
klange den Anfang des eigentlichen Festes. Um 7 Uhr 
Zusammentritt des Fest'komites. Hierauf Aufstellung der 
angemeldeten Thiere. Um 9 Uhr feierlicher Zug nach 
dem Festplatze. Um 9^ Uhr Beginn der Thierschau 
und Musterung der ausgestellten Haus- und Nutzthiere 
durch die Preisrichter; sofort Berathung der letzteren 
und Preisvertheilung. Hierauf feierlicher Abzug vom 
Festplatze mit den preisgekrönten Thieren unter Musik 
durch die Neustadt zum Gasthause des^ Herrn Gabriel 
Wurm. Um 1 Uhr Festessen in den Lokalitäten des ge- 
nannten Gasthauses. Um 3 Uhr festliche Eröffnung 
der Ausstellung landwirtschaftlicher Produkte und Ge 
rätschaften. Da dieses Fest nicht blos durch seine 
äußere Ausstattung, sondern auch hauptsächlich durch 
seine hervorragende praktisch-nützliche Seite die Aufmerk 
samkeit und Theilnahme der Landwirthe aller Art ver 
dient, so glaubt man sich nicht zu täuschen, wenn man 
einer recht zahlreichen Betheiligung der vorarlbergischen 
Herren Oekonomen sowohl bei der Generalversammlung 
als beim Feste selbst entgegensieht. 
— Schleswig-Holstein. Der König von Preu 
ßen zahlt die 2 Millionen für Lauenburg aus seinem 
Privatvermögen. — Er will selbst nach Lauenburg kom 
men und die Huldigung des Volks entgegennehmen. — 
Bismarck ist zum Grafen erhoben worden. 
^ — In Bonn ist der Koch des Prinzen Alfred von 
Großbrittanien, der im Begriff stand, nach Coburg ab 
zureisen und seinen Dienst anzutreten, mit dem Grafen" 
von Eulenburg, der als Freiwilliger bei den Husaren 
daselbst steht, in Streit gerathen. Der Husar zog den 
Säbel und verwundete den sonst sehr friedfertigen Koch 
so, daß er am Tage darauf starb. Es ist sehr beklagens- 
werth, daß solche Brutalität so oft wiederkehrt. 
""" ' Druck von I. Graff's 
— Auf dem letzten Arbeitertage in Stuttgart er 
zählte der wohlbekannte und verdiente Moritz Müller 
(Pforzheim) ein Stück aus der „guten alten Zeit", wie 
er nämlich auf einer Reise von Meiningen nach Bayern 
auf den Schub gebracht worden sei, weil in dem Mei- 
ning'schen Visum der Punkt auf dem ersten i im Worte 
Meiningen gefehlt und der bayerische Beamte deshalb 
„Memingen" gelesen habe; und als darüber ein Wort 
wechsel entstanden, auch noch der Mangel am Passe 
entdeckt worden sei, daß zwar als Merkmal des Paßin 
habers ein Mal auf der Backe, nicht aber auf welcher 
Backe angegeben gewesen sei. Als er hierüber bei dem 
Minister in Meiningen Beschwerde geführt, sei die Folge 
leider die gewesen, daß zur Vergeltung die bayerischen 
Handwerksburschen in Meiningen drangsalirt worden. 
— Amerika. In Washington steht der Rebellen- 
Hauptmann Wirtz, ein Schweizer, vor dem Kriegsgericht. 
Ihm war vom Präsidenten Davis das Kommando über 
das offene Gefängniß zu Andersonville in Georgia über 
tragen, in welchem die gefangenen Soldaten der Unionö- 
armee bewacht wurden. Die Art, wie er sein Amt ver 
waltete, übersteigt jede menschliche Vorstellung. Seine 
Aufgabe und sein Bestreben war offenbar, so viele wie 
möglich sterben zu lassen, und die Ueberlebenden so zu 
ruiniren, daß sie nicht ausgewechselt werden oder nicht 
mehr dienen konnten. Der offene Pferch der Gefange 
nen war 800 Fuß im Geviert; hievon ging ringsum 
ein Rand von 29 Fuß. Breite ab, welchen kein Gefan 
gener übertreten durste, ohne von den Schildwachen er 
schossen zu werden. Es blieb mithin nur ein Flächen 
raum von 600,600 Quadratfuß, auf welchem 25,000 
Gefangene ohne ein anderes Obdach, als in die Erde 
gewühlte Höhlen, leben, kochen, schlafen und — ihre 
Nothdurft verrichten mußten. Die Gefangenen wimmel 
ten in dem Pferch dichter als die Ameisen oder die Bie 
nen in ihrem Stock; die meisten waren halbnackt und 
von Schmutz und Ungeziefer bedeckt, man ließ sie sterben 
an namenlosem Hunger, an Schmutz und Kälte. Lebende, 
Sterbende und Todte lagen neben und übereinander, je 
den Morgen wurden die Todten haufenweis auf Wagen 
fortgebracht; in 7 Monaten starben 13,500. Das sind 
die Aussagen der Gefangenwärter selber. Wirtz ist an 
geklagt, diese Gräuel angeordnet, mehrere Gefangene ei 
genhändig erschossen und mit Kolbenschlägen getödtet, 
Fußtritten zerstampft, viele andere haben erschießen und 
mit Bluthunden Hetzen und zerreißen lassen; er läugnete, 
wird aber durch seine eigenen Aerzte und Unterbeamte 
Lügen gestraft. 
Curs. 
Für 100 fl. Silber wurden in Wien bezahlt: 
Samstag, den 16. September . . fl. 107.65 Banknoten. 
Donnerstag, den '^1. September . fl. 107.75 » 
Herausgeber: Gregor Fischer. 
Verantwortlicher Redaktor: vr. Schädler. 
Wittwe in Feldkirch.
        

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