Herausgeber:
Liechtensteiner Landeszeitung 1863-1867
Bandzählung:
1865
Erscheinungsjahr:
1865
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000081309_1865/100/
Allerhand Neuigkeiten. 
Vaduz, t3, September, Die Weinlese in hiesi- 
ger Gemeinde ist auf Freitag den 22. September festge 
setzt. Bereits in dieser Woche wird schon „Suser" im 
Gasthaus zum Löwen dahier ausgeschenkt. —Um in 
Zukunft bei neuen Rebenpflanzungen nur die besten Sor 
ten berücksichtigen zu können, wurde auf Anregung des 
landwirtschaftlichen Vereins eine Auswahl hiesiger Trau 
bensorten an den bekannten ausgezeichneten Weinbauer 
Dornfelk in Weinsberg in Würtemberg zur Bestimmung 
der richtigen Namen versandt. 
— Vom Triesnerberg erhielten wir eine Einsen 
dung über die Fortsetzung der Bergstraße. Aus Man 
gel an Raum mußte dieselbe bis zu nächster Nr. zurück 
gelegt werden. 
— Die Landtagsarbeiten sind bis zur II. Lesung 
der Wuhrordnung und bis zur Feststellung des Budget 
pro 1866 gediehen. Mit 1—2 Sitzungen ist die heu 
rige Saison beendigt, worauf 6 Abgeordnete durch das 
Loos ausscheiden. Der Verlauf des nächsten Winters 
wird dann eine neue Abgeordneten-Wahl bringen. 
— Auf 25. September hat die f. Regierung eine 
Lehrerkonferenz angesetzt. 
— Am Mühleholz bei Vaduz ist der Bau einer 
Fabrik in Angriff genommen. 
— Triefen. Der in Nr. 22 erwähnte Hochwür 
dige Herr Primiziant heißt Florian Kindle, nicht Laver 
Kindle; der Druckfehler wolle geneigtest verbessert werden. 
— Schleswig-Holstein. Der Bundestag hat 
Vacanz, — und dennoch rufen die Schleswig-Holsteiner 
Stände seinen Beistand gegen östreichisch-preußische Ge 
walt an. Der östreichische Feldmarschall Gablenz ist als 
Statthalter für das neue Kronland Holstein ernannt. 
—- Die Schleewiger möchten lieber wieder dänisch sein; 
es zogen ihrer 2000 nach Kopenhagen und wurden mit 
endlosem Jubel empfangen. — Ein östreichischer Soldat 
kommt den Herzogtümern Schleswig-Holstein auf 100 
fl., ein Preuße nur auf 30 fl. zu stehen. — Von den 
gekauftes Lauenburgern kostet jeder- den Preußenkönig 
139 Franken. — Für die geraubten Schiffe zahlt Dä 
nemark 100,000 Thlr. an Deutschland. 
— In Konstantinopel sind 2800 Häuser abge 
brannt. Ueber 20,000 Menschen sind obdachlos. 
-— In einer Vorstadt Wiens „Lerchenfeld" befindet 
sich ein Wirthöh aus, dessen Schild „zu den sieben 
Schwaben" lautet. Dasselbe erfreut sich einer außeror 
dentlichen Frequenz und bat diese fast lediglich folgendem 
originellen Einfall des Wirthes zu verdanken. In der 
Gaststube hängen nämlich sechs Schn^abenporträts und 
darunter ein Spiegel. Ist nun ein Gast so naiv, nach 
dem siebenten Schwaben zu fragen, so führt ihn der 
Wirth mit ergötzlichem Freimuth vor den Spiegel, läßt 
ihn hineinblicken, deutet und spricht mit ernster Stimme: 
„Das ist der siebente!" 
— Seit 6 Wochen hatte es in Galizien nicht gereg 
net; wie froh waren daher die Bauern in B., als sich 
Regenwolken zeigten. D^r Vieh Hirte aber erklärte, 
heute kann ich keinen Regen brauchen, fuchtelte mit sei 
nem Stäbe in der Lust umher und verscheuchte die Wol 
ken. Die Bauern waren wüthend, schleppten ihn zum 
Richter und der ließ ihm kurzweg 25 Hiebe auf den 
H. — regnen. Haltet ein! rief der geschlagene Mann, 
morgen regnets! — Richtig regnete es andern Tages, 
und nun war der Hirte wieder der Bauern Mann und 
Prophet; denn die Galizier sind wie jene wunderlichen 
Gläubigen, die ihre Götter prügeln, wenn sie ihre Bit 
ten nicht erfüllen, und sie bewuchern und ihnen Kerzen 
anzünden, wenn ihre Wünsche erfüllt werden 
— Wie es mit dem Unterrichte in Mecklenburg 
bestellt ist, zeigt folgendes: Von je 100 ausgehobenen 
Rekruten hatten in den Städten 70, im Dominium 90 
und in der Ritterschaft sogar 94 eine mangelhafte oder 
gar keine Schulbildung. In der Ritterschaft konnten 39 
Prozent weder lesen noch schreiben noch rechnen. Das 
Gesammtresultat für das ganze Land ist, daß Schulbil 
dung hatten 15, eine mangelhafte 59 und gar keine 
26 Prozent! Es hatten demnach 85 Prozent der aus 
gehobenen Rekruten nicht die nothdürftigste Bildung. Liegt 
das an den Schullehrern oder an den Aufsehern? 
— Seltene Fruchtbarkeit. In Grafenstein 
(Böhmen) wurde ein auf einem Feldwege aufgewachsener 
Kornh'alm gesunden, der vierzehn Aehren hatte, von de 
nen jede 40 Körner, zusammen also 560 Körner enthält.' 
Anzeigen« 
Kundmachung. 
Wegen der in der benachbarten Schweiz herrschenden 
Lungenseuche wird hiemit angeordnet, daß alles landein 
wärts die Grenze passirende Hornvieh mit einem Ge 
sundheitspasse und mit einer ämtlichen Bestätigung ver 
sehen sein müsse, daß der Ort oder die Alpe, woher das 
Vieh kömmt, seuchenfrei sei. 
Übertretungen dieser Anordnung werden nach dem 
Strafgesetze geahndet. 
F. L. Regierung 
Vaduz am 10. September 1865. 
v. Hausen. 
Kundmachung. 
Es wird zur allgemeinen Kenntniß gebracht, daß der 
hierländige Pferdemarkt in diesem Jahre am Montag 
den 25. September zu Nendeln abgehalten wer 
den wird. 
Fürstl. Liechtenst. Regierung 
Vaduz, den 10. September 1865. 
v.Hausen. 
Curs. 
' Für 100 fl. Silber wurden in Wien bezahlt: 
Samstag, den 9. September . . fl. 107.50 Banknoten. 
Donnerstag, den 14. September . fl. 107.50 » 
Herausgeber: Gregor Fischer. 
Verantwortlicher Redaktor: vr. Schädler. 
Druck von Z. Graff's Wittwe in Feldkirch.
        

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