Herausgeber:
Liechtensteiner Landeszeitung 1863-1867
Bandzählung:
1864
Erscheinungsjahr:
1864
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000081309_1864/99/
Liechtensteiner Kandeszeitung. 
Zweiter ^adrAanK. 
Vaduz, Samstag 9!rv» RN. den 3. Sept. 1864. 
Dieses Blatt erscheint monatlich regelmäßig 2mat, nur zur Zeit der Landtagsverhandtungen öfter, und kostet für das 
Fürstentum Liechtenstein ganzjährig 1 fl., auswärts i fl. 50. — Einrückungsgebüht für die gespaltene Zeile 4 Rkt. 
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und Verordnungen, sowie die Landtagsverhandlungen erscheinen in Beilagen, wofür ganzjährig 5S Nkr» ferner zu bezahlen sind. 
Landtagsverhandlungen. 
V. Sitzung, am 25. August 1864. 
Nach Genehmigung des Protokolls wird ein Schrei 
ben des Abg. Erni verlesen, durch welches dessen Ab 
wesenheit bei letzter Sitzung ausreichend entschuldigt ist; 
ebenso ergreift Gmelch das Wort um gegenüber der vom 
Landtage in letzter Sitzung ausgesprochenen Rüge dar 
zuthun, daß er legal abwesend gewesen sei (er war ver 
hindert durch priesterliche Funktion). 
Sofort wird die II. Lesung des Berichtes zur Staats 
rechnung pro 1863 vorgenommen (I. Lesung geschah in 
der II. Sitzung). Sämmtliche Absätze werden einstimmig 
genehmigt 
Nun folgt die II. Lesung des Gesetzes über den Orts 
schulrath. 
Artikel 1 mit 13—2 St. angenommen. 
Artikel 2 mit der Bestimmung, daß der Erpositus den 
Vorsitz im Schulrathe seiner Gemeinde führt und zugleich 
Lokalinspektor daselbst ist, erklärt sich Gmelch nicht ein 
verstanden. Er wünscht, daß diese Würden dem Pfar 
rer gewahrt bleiben. Wenn das Gesetz einem Erpositus 
eine solche Stellung anweise, daß der Pfarrer aufhöre 
Lokalschulinspektor zu sein, dann könne er nicht zustimmen. 
Der f. Reggs.-Kommissär bemerkt, diese Bestimmung 
des Gesetzes sei wohlüberlegt. Es sei ganz natürlich, 
daß der Erpositus, dem doch die Seelsorge in der Filial 
gemeinde anvertraut ist, und der den Pfarrer in dieser 
Beziehung vertritt, auch die Aufsicht über die betr. Orts» 
schule führe. Der Pfarrer könne keine hinreichende 
Kenntniß von den Verhältnissen der auswärtigen Schule 
sich verschaffen, da er nur selten in der Filiale erscheine. 
Gmelch erwiedert hauptsächlich, daß es für den Pfar 
rer in der Negel nicht so schwierig fein werde, sich über 
die Schulen seiner Pfarrei ausreichend zu belehren; daß 
die Trennung der Filialschulkinder vom Pfarrer sehr 
nachtheilig sei. Auch diese Schüler seien Pfarrkinder, der 
Pfarrer sei ihr Seelsorger und für sie verantwortlich. 
Da könne er sich nun nicht denken, daß der Pfarrer als 
Seelsorger in der Filialschule nichts zu sagen habe. Es 
könnten sogar Fälle eintreten, wo durch den Erpositus 
in der Filialschule Maßregeln genommen würden, die der 
Pfarrer als Seelsorger verwerfen müsse. Wie wolle 
dieser aMann Pegegen einschreiten? — Endlich könne 
der Erpositus m einzelnen Fällen ein Mann sein, dem 
eine ausreichende Geschicklichseit in der Leitung der Schute 
mangle! 
Der f. Reggs.-Kommissär wiederholte, daß diese Be 
stimmung mit guten Gründen aufgenommen wurde; es 
läge diese Bestimmung auch im Sinne des t85Her 
Schulgesetzes, wo es heißt: „Der Pfarrgeistliche" sei Lo 
kalschulinspektor. Unter dem Pfarrgeistlichen verstehe 
jenen Geistlichen, welcher die Obliegenheiten eines Pfar 
rers in der betr. Gemeinde versieht; das sei im vorlie 
genden Falle der Erpositus. In Bezug auf andere 
Gründe des Abg. Gmelch wird bemerkt, daß man dem 
Erpositus jedenfalls so viel Vertrauen schenken müsse, 
als dem Pfarrer, weil auch der Erpositus von seiner 
geistlichen Behörde für fähig erachtet worden wäre, die 
Psarrgeschäste in der betr. Gemeinde zu verrichten. Un 
fähigkeit in einzelnen Fällen für die Schulgeschäste könne 
auch beim Pfarrer eintreffen. In solchen Fällen sei aber 
immer noch die Oberschulbehörde zum Eingreifen berechtigt. 
Gmelch stellt den Antrag: „Erpositus" zu streichen. 
Allein 13—2 Stim. sprechen sich für die Beibehaltung 
dieses Wortes aus. 
Weil nach der Fassung des Gesetzesentwurfes der 
Schulrath nur aus 4 Mitgliedern zusammengesetzt ist, 
beantragt Keßler noch den Zusatz: „Bei Stimmengleich 
heit entscheidet die Stimme des Vorsitzenden." Dieser 
Zusatz wird aber mit 8—7 St. verworfen und dagegen 
mit 8—--7 St. beschlossen, daß nebst dem Ortsvorsteher 
auch der Säckelmeister Mitglied des Schulrathes sei. 
Art. 3 und 4 unverändert. 
Art. 5 Ziffer 3. Dem Schulrath obliegt „die Beauf 
sichtigung des sittlichen Betragens der Kinder außer der 
Schule, die Sorge für den fleißigen Schulbesuch ze." 
Zum ersten Satze bemerkt Kind, es habe sich eine 
Meinung unter den Lehrern verbreitet, wonach von ihnen 
die Fehltritte der Schüler außer der Schule nicht bestraft 
werden dürften. Er halte es für wünschbar, daß man 
deßhalb eine Bestimmung aufnehme, gemäß -welcher der 
Ortsschukrath den Lehrer mit der Ueberwachung der 
Schüler außer der Schule betrauen könne. 
Der f. Reggs.-Kommissär erwiedert, das sei unnöthig. 
Diese Ansicht der Lehrer sei irrthümlich, indem die letzte 
Verordnung über das Strafrecht der Lehrer genau im 
Anschlüsse an das bestehende Schulgesetz erflossen sei ; in 
diesem Gesetze aber sei dem Lehrer die Rücksicht auf das 
Betragen der Schüler in und außer der SchM zur 
Pflicht gemacht.
        

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