Herausgeber:
Liechtensteiner Landeszeitung 1863-1867
Bandzählung:
1864
Erscheinungsjahr:
1864
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000081309_1864/97/
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der Obstbäume spricht, so begegnet man seitens mancher 
Baumbesttzer nicht selten noch großen Vorurtheilen, deren 
Zerstreuung der Sache des Obstbaues nur förderlich sein 
kann. 
Die wichtigeren dieser Vormtheile sind: „man ver 
mindere durch das Ausputzen der Bäume den 
Fruchtertrag; denn an den Aesten wüchsen ja 
die Aepsel" und: „man todte durch das Aus 
putzen die Bäume oder schade denselben 
wenigstens." 
Aus die erstere dieser Behauptungen läßt sich kurz ent 
gegnen, daß auch ein ausgeputzter Baum niemals alle 
seine angesetzten Blüthen behält, sondern viele derselben 
fallen läßt, ebenso schon in der Bildung begriffene Früchte. 
Würde dieses nicht geschehen, so könnte der Baum alle 
angesetzten Früchte nicht einmal tragen, viel weniger noch 
würden sämmtliche Früchte vollkommen werden und rei 
fen. Wenn nun dieses beim geputzten Baume natur 
nothwendig statt findet, so muß dies noch in viel höherem 
Grade der Fall sein beim ungeputzten Baume, der ver 
hältnißmäßig vielleicht mehr Blüthen treibt als ersterer; 
er kann noch viel weniger alle seine Blüthen und Fruch- 
tensätze behalten und letztere vollkommen entwickeln und 
reifen, weil ihm dazu die Kraft mangelt, daher solche 
Früchte stets kleiner bleiben und weniger schmackhaft sind 
als die von Bäumen in gehörigem Zustande. Man darf 
also beim Ausputzen der Bäume hinsichtlich der Vermin 
derung des Fruchtertrages ohne Sorgen und vollkommen 
beruhigt sein. 
Was die zweite Behauptung betrifft, als todte man 
durch das Ausputzen die Bäume oder schade ihnen wenig 
stens, so beweiset die tägliche Erfahrung das gerade Ge 
gentheil, indem Bäume, von welchen die überflüssigen 
Aeste und Zweige;c. entfernt wurden, nachher weit bes 
ser und freudiger wachsen und ein viel frischeres Aus 
sehen zeigen. DaS Ausputzen und Reinigen der Bäume 
vermindert also weder den Fruchtertrag noch behindert es 
das Wachsthum, sondern wirkt nach beiden Seiten gün 
stig; es ist nothwendig und nützlich für den Baum. 
Die Entfernung überflüssiger Theile von Pflanzen ist 
nicht neu und wird bei uns, namentlich beim Weinstocke, 
schon längst angewendet. Da weiß man sehr gut, daß 
durch das Beschneiden der Stock wieder kräftigere Holz 
triebe macht, indem durch den Schnitt der Saftauf we 
nigere Augen beschränkt wird, und daß dieses auch auf 
Größe und Güte der Trauben sehr günstig einwirkt; 
man weiß, daß durch einen vernünftigen Schnitt der 
Rebstock überhaupt gesund und kräftig erhalten wird; und 
belachen würde man bei uns den Thoren, der an seinen 
Reben Alles wild durcheinander wachsen ließe, wie die 
Natur es treibt. Beim Obstbaume aber, der doch hin 
sichtlich seines Wachsthums und Gedeihens den gleichen 
Gesetzen unterliegt, wie der Weinstock, beim Obstbaume 
sollte es anders sein! Diesem sollte es gut thun, ihn 
verwildern zu lassen, nie Messer und Säge zu gebrau 
chen! Dadurch sollte er uns mehr und besseres Obst brin 
gen! Ein denkender Landwirth wird wohl solches nicht 
glauben noch behaupten! 
DaS Abnehmen der überflüssigen und störenden Zweige 
und Aeste ist nothwendig, damit der Baum den Saft zu 
kräftigerer Holz- und Fruchtbildung verwenden kann; es 
ist nothwendig, damit die Baumkrone regelmäßig und 
licht werde, so daß Sonne und Luft ungehindert Zutritt 
haben. Dadurch wird die Gesundheit und das Wachs 
thum des Baumes befördert; er trägt reichlicher und 
schönere und größere Früchte, deren Zuckergehalt reicher 
ist als bei Obst von Krüppeln und Besen; denn der Zu 
tritt der Sonne begünstigt das Wachsthum und die Ent 
wickelung des Zuckerstoffes der Früchte; daher ist auch 
Obst auf der Sonnenseite der Bäume ansehnlicher und 
besser, als das, welches im Schatten wächst. 
Durch die Entfernung von Moos, Nesteln, Epheu und 
der Korbrinde werden dem Baume Säfte erhalten, wel 
che ihm sonst die Schmarotzerpflanzen entziehen; die Rinde 
bleibt gesund und vor Fäulniß bewahrt; die Schlupf 
winkel schädlicher Insekten werden dadurch zerstört; denn 
nur zu gern verbergen diese ihre Eier unter Moos und 
in den Ritzen der alten Korbrinde, und von da aus ha 
ben denn die aus den Eiern entstehenden Raupen nur 
einen kurzen Spaziergang zu machen auf den Baum, 
um ihn zu beschädigen. 
Der Nutzen des Ausästens der Obstbäume zeigt sich 
auch bei Sturmwinden. Der Wind hat nämlich mehr 
Raum, durch die Aeste der Bäume hindurch zu ziehen; 
er kann sich also nicht so sehr anlegen und verliert an 
Gewalt; auch reiben und schlagen sich die Aeste nicht so 
leicht und stark und es werden weniger Früchte beschä 
digt oder abgeworfen. 
Durch das Ausputzen der Obstbäume wird ferner ein 
werthvolles Brennmaterial gewonnen; auch gewährt ein 
gehörig ausgeputzter und gereinigter Baum ein freundli 
ches Ansehen und macht seinem Besitzer Ehre. 
27. «ZA 
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