Herausgeber:
Liechtensteiner Landeszeitung 1863-1867
Bandzählung:
1864
Erscheinungsjahr:
1864
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000081309_1864/80/
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5em souveränen Fürsten von Liechtenstein, über die Fort 
setzung deS durch den Vertrag vom 5. Juni 1852 ge 
gründeten östreichisch-liechtensteiil'schen Zoll- und Steuer- 
vereines. — Die Bodenseegürtelbahn scheint nicht recht 
vorwärts zu wollen. Nach den Zeitungsberichten des 
Frühlings hätte man den unverweilten Beginn deS Baues 
erwartet; aber es ist wiever Stillstand eingetreten. Die 
Feldk. Ztg. dringt darauf, daß man nicht länger zögere. 
— Ein anderes Bahnprojekt, das jetzt in der Luft ist, 
betrifft einen Schienenweg Vorarlberg-Tirol-Triest. — 
Für Oestreich wird ein längst ersehntes neues Strafge 
setz vorbereitet. — Der Redakteur der Feldk. Ztg. Hr. 
Kunz, hatte gegen den „Tiroler Boten" Klage wegen 
Ehrenbeleidigung erhoben. Am 1. Juni wurde der Pro 
zeß in Innsbruck verhandelt. Der Beklagte wurde schuld 
los gesprochen und der Kläger in die Kosten verurtheilt. 
— Die Baiern sehten die Freigebigkeit und Geduld 
des Königs Ludwig auf eine harte Probe. Während 
der 4 Wochen seiner Anwesenheit in München sind 2800 
Bittschriften um Unterstützungen an ihn ergangen. König 
Ludwig flüchtet vor dieser Zudringlichkeit nach Aschaffen 
burg und in die Pfalz; der regierende König geht nach 
Kissingen, um die fremden Majestäten zu begrüßen. 
— Die Maschinenfabrik von Borsig in Berlin hat 
soeben die 1600. Lokomotive fertig gemacht. Von 
diesen sind 200 Lokomotiven allein an die Köln-Minde- 
ner Eisenbahn abgegeben worden. 
Es ist eine schreckliche Zuchtlosigkeit eingerissen; nicht 
einmal die Maikäfer gehorchen der preußischen Regie 
rung. Man lese, was sich die «-Zeitung schreiben läßt: 
„Trotz den von der k. Negierung erlassenen Anordnun 
gen haben sich die Maikäfer in so großer Menge einge- 
funden, daß von ihnen die Bäume völlig entlaubt sind." 
In dem Dorfe Mettingen in Westphalen erhielt 
der Lehrer zu seinem 25jährigen Dienstjubiläum außer 
mehren kleineren Geschenken von der Gemeinde eine 
Banknote zu 600 Thlr. 
— In Berlin ist ein eigenthümlicher Fall zur Kennt 
niß der Polizei gekommen. Vor drei Jahren wollte eine 
Braut Hochzeit machen, erkrankte aber am Tage der 
Trauung; kurz entschlossen trat ihre Schwester als Stell 
vertreterin ein und ließ sich mit dem Bräutigam 
trauen. Nach der Trauung legte sie das hochzeitliche 
Kleid ab und trat in den Jungfernstand zurück, um spä 
ter einen andern Mann wirklich zu heiratheil. Die Fra 
ge ist jetzt: welches Vergehen liegt vor? 
— In Philadelphia sind bereits 15 Straßen eisen- 
bahnen vorhanden und wurden auf 11 von diesen Bah, 
nm im Betriebsjahr 1863 zusammen 26,664,510 Per 
sonen befördert. Bei diesem Betriebe wurden 12 Perso 
llen getödtet, worunter 4 Passagiere, und verletzt wurden 
20 Personen. Die Zahl der im Dienste verwendeten 
Pferde betrug nur 2325 und die der Wagen 500. 
— Der neue Kanal zur Verbindung der Nord- mit 
der Ostsee wird sicher altsgeführt werden. Bei Eckern 
förde beginnend wird der Kanal bei Rendsburg und zwar 
da vorbeigeführt werden, wo jetzt die Brücke bei dem 
Zollhaus zwischen dem Kronenwerk auf der einen, und 
der Festung auf der anderen Seite gelegen ist. Der 
Kanal selbst wird nach der Abschätzung von Ingenieuren 
auf 35 Millionen Thaler zu stehen kommen. Die Weg- 
ersparniß für die Schiffe beträgt etwa 270 bis 280 
Seemeilen, die Zeitersparniß aber ist gar nicht zu be 
rechnen. 
— Der Prinz von Wales ist ein großer Danensreund 
und dem deutschen Herrn v. Beust nichts weniger als 
grün. Das hat er ihm vor Kurzem gezeigt; er hatte 
die Gesandten u. s. w. an Stelle seiner Frau Mutter 
zu empfangen und ordnete es so an, daß der Gesandte 
Deutschlands zwischen dem schwarzen Gesandten von 
Hayti und dem kaffebraunen Gesandten von Madagaskar 
figurirte. Herr v. Beust wird sich revanchiren. 
— Der Besuch des englischen Thronerben bei 
Ganbaldi hat in England ungeheures Aufsehen gemacht. 
Die Einen sagten, der Prinz habe vorher zu tief ins 
Glas geguckt, die Andern sagen: bewahre, der Prinz ist 
ein Demokrat, zwar nicht aus Vorliebe, aber aus ehr 
geiziger Berechnung. Er meine, sogar ein künftiger 
König könne nur an der Spitze der Demokratie eine 
Rolle spielen und das wolleer; die neutrale Rolle, wel 
che seine Mutter Viktoria in der Leitung der StaatSge- 
schäfte spiele, sei ihm in der Seele zuwider; er wolle 
persönlich herrschen und zwar als erster Demokrat Eng 
lands. Jungen Wein muß man ausgähren und sich ab 
klären lassen, sagt Frau Mutter Viktoria und gedenkt 
ihrem Thronerben möglichst lange Zeit dazu zu gönnen. 
— In mehren Zeitungen in Nordamerika war 
neulich eine Proklamation des Präsidenten Lincoln zu 
lesen, welche große Niederlagen der Unionsheere und eine 
neue Aushebung von 400,000 Mann verkündigte. Das 
Volk wurde entmuthigt, die Papiere fielen, überall Miß 
muth. Lincoln wußte aber gar nichts von der Prokla 
mation; denn sie war von Börsenspekulanten gefälscht. 
Die betreffenden Zeitungen sind von der Regierung so 
lange unterdrückt, bis sie nachweisen, daß sie selber be 
trogen worden sind. Das Goldagio ist auf 81^ ge 
stiegen. 
— Nach neuesten Berichten betragen die Schulden 
der europäischen Staaten bis 1863 die ungeheure Sum 
me von 24,500 Millionen Gulden. Vom 1. Jänner 
1861 bis 1. Oktober 1863 haben sich dieselben um 
2600 Millionen Gulden vermehrt. 
Schweiz. Der letzte schweizerische Zeltungsstempel ist 
endlich auch gefallen, indem der große Rath von Basel 
das dort diesfalls bestandene Gesetz aufgehoben hat. 
Gleichzeitig bat derselbe die Hundesteuer von 6 Fr. auf 
12 Fr. erhöht und damit den unbegüterten Leuten ihre 
Freude verunmöglicht, während die Reichen sich an diese 
Erhöhung nicht kehren werden. Auch die Wuchergesetze 
wurden mit großer Mehrheit abgeschafft. — Fast hätte 
es kürzlich im Baselland eine Revolution gegeben. Schon 
länger hadern die politischen Parteien dieses Kantons. 
Auf den 29. Mai war eine allgemeine Volksabstimmung 
anberaumt, gegen welche der sog. patriotische Veretn beim 
BundeSrathe protestirte. Dieser befahl der basellandischm 
Regierung die Volksabstimmung zu verschieben; allein 
ohne Erfolg. Die Abstimmung geschah, 17 Gemeinden 
von 70-^80 stimmten nicht, so daß keine Mehrheit heraus
        

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