Herausgeber:
Liechtensteiner Landeszeitung 1863-1867
Bandzählung:
1864
Erscheinungsjahr:
1864
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000081309_1864/79/
Liechtensteiner Kandeszeitung. 
Zweiter ^alirKanK. 
Vaduz, Samstag Nro.R A« den 18. Juni 18K4. 
Dieses Blatt erscheint monatlich regelmäßig 2mal, nur zur Zeit der Landtagsverhandlungen öfter, und kostet für das 
Fürstenthum Liechtenstein ganzjährig t fl., auswärts 1 fl. 50. -> Einrückungsgebühr für die gespaltene Zeile 4 Nkr. — 
Man bestellt die Zeitung in Vaduz bei der Redaktion und in Feldtirch bei der löbl. Wagner'schen Buchhandlung. — Gesetze 
und Verordnungen, sowie die Landtagsverhandlungen erscheinen in Beilagen, wofür ganzjährig 50 Nkr. ferner zu bezahlen sind. 
Rundschau. 
Die Sache Schleswig-Holsteins ist wieder festgefahren 
und alle Hebel und Maschinen der vortrefflichen Londo 
ner Konferenzherren bringen sie nicht von der Stelle. 
Ein l^ltagiger Waffenstillstand ist alles, was die hoch 
weisen Räthe der alten Europa ausgetüftelt haben. 
Krieg und Frieden schweben also in der Luft. Das 
Beste ist, daß die Preußen und Oestreicher Schleswig 
und Jütland besetzt halten. 
„Auf ewig ungetheilt" ist der Wahlspruch der Schles- 
wig-Holsteiner. 6000 nordschleswig'sche Männer ver 
sammelten sich auf Voeghoved bei Hadersleben und er 
klärten, daß sie die Theilung ihres Landes als das größte 
Unrecht und größte Unglück betrachten, daß sie um keinen 
Preis unter die Tyrannei des eigennützigen Kopenhagen 
ner Pöbels sich wieder beugen würden. 
Und das ist auch die Meinung jedes braven deutschen 
Mannes, der ein Herz hat für sein Vaterland und des 
sen Stämme. Wir wollen uns nicht als „Waare" ver 
schachern lassen, zu Ehren des vielberüchtigten europäi 
schen Gleichgewichts oder zur Stütze des wacklichen dä 
nischen Jnselreiches; wir wollen fest halten an unserem 
Rechte. Es gehört die erbärmliche Schwäche Deutsch 
lands als Nation und die eigennützige Unverschämtheit 
der Engländer dazu, um solchen Theilungsprojekten nur 
einen Schein von Möglichkeit zu geben. 
Hoffen wir, daß Preußen und Oestreich fest bleiben. 
Beide dürften im Reinen sein darüber, wo ihre Stütze 
bei einem europäischen Konflikte zu finden sein wird. 
Oestreich namentich wird durch den Garibaldi Schwin 
del gelernt haben, was es mit der „natürlichen Allianz" 
mit England für eine Bewandtniß hat. Sicherer Verlaß 
auf unsere Großmächte ist jedoch keiner gegeben; denn 
bis zur Stunde ist man noch ganz im Nebel, was ei 
gentlich die nationale Einlenkung dieser beiden Staaten 
in der Herzogthümerfrage zu weg gebracht hat. Und 
solange kein klar bewußtes Motiv, solange keine Sicher 
heit im Handeln. 
Diel Kopfzerbrechen macht es dem deutschen Philister, 
was denn die Kaiser von Oestreich und Rußland in 
Kissingen, und was der Kaiser von Oestreich und der 
König von Preußen in Karlsbad mit einander abzuma 
chen hatten. Manchem träumt es von Umkehr und Re 
action u, dgl. doch meint die Feldkircher Zeitung von 
dem erleuchteten Kaiser Franz Josef sei Schlimmes nicht 
zu erwarten. Wir wollen es auch nicht hoffen; aber 
die großen Herren sind manchmal übel berathen und tref 
fen beim besten Willen nicht den rechten Ton. Uebri- 
gens ist die Sache lange nicht so gefährlich, als es den 
Anschein h,tt. Die liberale Strömung in Deutschland 
geht zu tief; die läßt sich von ein Paar Diplomaten 
und ihren Handlangern nicht so über Nacht stauen. Es 
ist weit besser, man läßt dem Wasser den Lauf, als man 
führt eine „künstliche" Ueberschwemmnnq herbei. Von 
Natur aus haben die deutschen Jdeenflüsse eine sehr mo 
dern te Strömung. Unsere Politisier gehen den Hinder 
nissen hübsch vorbei, anstatt sich daran die Zähne aus 
zubeißen. 
Allerhand Neuigkeiten. 
Vaduz, Juni. Auch dem Gemeindegesetze ist 
schließlich die höchste Sanktion Sr. Durchlaucht ertheilt 
worden. Wir können nicht umhin, in dieser Thatsache 
einen Beweis zu finden von aufrichtigem Zusammengehen 
zwischen Fürst und Landesvertretung. Es ließ sich ver 
muthen, daß noch in letzter Stunde manche Bedenken 
gegen die Fassung dieses Gesetzes höchsten Orts geltend 
gemacht würden. Wir begrüßen das Zustandekommen 
des neuen Gesetzes freudig. Sollte es auch einer oder 
der andern Klasse von Staatsbürgern nicht in allen Thei 
len entsprechen, so läßt sich doch hoffen, daß bei ihnen 
vernünftige Einsicht die Oberhand gewinnen werde. Im 
Ganzen ist das Gesetz ein großer Fortschritt und 
die wohlthätigen Wirkungen, namentlich auf ein regeres, 
frischeres Gemeindeleben werden nicht ausbleiben. Wir 
werden nach dem Erscheinen des Gesetzes über die wich 
tigsten Bestimmungen desselben gelegentlich Weiteres mit 
theilen. 
— Es ist erfreulich zu vernehmen, daß die ausge 
dehnten Kulturen in den Gemeindewaldungen aufs beste 
gedeihen. Die dabei angewandten Kulturmethoden sol 
len namentlich zu diesem Erfolg mitgewirkt haben. — In 
jüngster Zeit machten die Zöglinge des Graubündtner 
Forstlehrkurses eine Rundreise in den hiesigen Forstdistrik 
ten. 
Feldkirch, 10. Juni. Das 22. Stück des Reichs 
gesetzblattes enthält den Vertrag vom 23. Dezember 1863 
zwischen Sr. Majestät dem Kaiser von Oestreich und
        

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