Herausgeber:
Liechtensteiner Landeszeitung 1863-1867
Bandzählung:
1864
Erscheinungsjahr:
1864
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000081309_1864/76/
mentütschulen etwas zu andern sei, und was 
und wie und warum?" Die ziemlich lange und leb 
haste Debatte hierüber lieferte folgendes Ergebniß: Im 
Ganzen wurden wesentliche Aenderungen nicht beantragt; 
nur wären einige kleine Modifikationen, die sich durch eine 
sechsjährige Erfahrung als wünschenswerth und zulassig 
erwiesen, vorzunehmen, besonders den Lesestoff für erste 
Klasse betreffend. 
Der Herr Schulkommissär hatte sich schon in früheren 
Konferenzen beifällig über den Werrh und die Bedeutung 
des Lehrplanes für unser Schulwesen ausgesprochen, und 
als er sich am Schlüsse dieser Debatte erhob und die 
Lchrer aufforderte, sich darüber auszusprechen: „ob auch 
sie den Lehrplan für zeitgemäß, für unser 
Land und unsere Verhältnisse passend aner 
kennen?" erhoben sich sämmtliche Lehrer zu einem 
einstimmigen „Ja!" 
Eine weitere Debatte entspann sich über die in unseren 
Schulen eingeführten Lesebücher, da eine Aeußerung ge 
fallen war, als seien sie zu schwer verständlich, und da 
ein Lehrer sie zu umfangreich fand. Doch waren der 
Vertheidiger der Lesebücher so viele, daß der Sieg nicht 
zweifelhaft sein konnte. Oberlehrer Hinger gab einen 
historischen Rückblick auf die Lesebuch-Literatur von Mitte 
der dreißiger Jahre bis anher und machte hiebet nament 
lich auf die auffallenden Fortschritte hierin seit Ende der 
vierziger und Anfang der fünfziger Jahre bis zur Jetzt 
zeit aufmerksam. Er firirte auch den Standpunkt der 
bei uns eingeführten Lesebücher dahin: daß dieser eine 
Verbindung der realistischen und humanisti 
schen Richtung sei, wodurch die Verstandes 
und Gemüthsbildung in richtigem Verhältniß 
ihre Befriedigung finden. Der Herr Schulkom 
missär hob schließlich als Vorzug noch hervor, daß die 
Jugend durch den Gebrauch dieser Lesebücher zum Den 
ken recht eigentlich genöthigt werde und vor Gedan 
kenlosigkeit bewahrt bleibe, indem die Lesebücher stets zu 
erst an das Nächstliegende, dem Kinde Bekannte anknü 
pfen und erst von da aus das Entferntere in den Kreis 
der Betrachtung ziehen; und ferner: daß, besonders das 
Lesebuch für Oberklassen, vielfältig Hausbuch geworden 
sei und auch von Erwachsenen gerne gelesen werde, was 
auch die meisten Lehrer erfahrungsgemäß bestätigten. 
Als schließlich Herr Schulkommissär Erni die Frage 
an die Lehrer richtete: „ob auch sie die bei uns 
eingeführten Haesterschen Lesebücher als sehr 
gute Lehrmittel für unsere Schulen betrach 
ten?" ertönte ihrerseits wieder ein einstimmiges „Ja" 
als Antwort. 
Besonders erfreulich ist es noch, melden zu können, 
daß der Herr Schulkommissär gleich beim Beginne der 
Konferenz sämmtliche Lehrer aufforderte, frei und offen 
ihre Ansicht auszusprechen, indem er das freie Wort hier 
wünsche und gewähren lassen Derde. So wurde es auch 
bei den Lehrerkonferenzen bisher gehalten, und nur auf 
solche Weise sönnen sie anregend und erfrischend wirken 
und die Lehrer zum ferneren eifrigen Streben im Berufe 
und zur eigenen Fortbildung aufmuntern. 
Ein frugales Mittagsmahl, mit heiteren Gesprächen 
untermischt, vereinigte die Theilnehmer an der Konferenz, 
und gegen Abend erst trennte sich die Gesellschaft mit 
dem Wunsche baldigen frohen Wiedersehens. 
* Vaduz. Das hohe Fronleichnamsfest, vom schön 
sten Wetter begünstigt, wurde dieses Jahr dahier weni 
ger still, als sonst gewöhnlich, gefeiert, indem die Pro 
zession von der Blechmusik und von einer Abtheilung 
Schützen, hiesigen Bürgerssöhnen, begleitet wurde; auch 
mehrere Vertreter der k. k. Finanzwache begleiteten das 
Allerheiligste. Die Blechmusik, erst seit einem halben Jah 
re ins Leben gerufen, spielte die gewählten Stücke prä 
cis und recht gut; ebenso führten die Schützen, erst we 
nige. Tage vor dem Feste etwas einererzirt, die Bewe 
gungen und Handgriffe genau aus und feuerten erakt. 
Es ist dieser Eifer der jungen Männer um so mehr öf 
fentlich anzuerkennen, als ihnen nicht nur keine Auf 
munterung hiezu zu Theil wurde (wie es sonst in der 
Regel anderwärts üblich ist), sondern ihnen durch Auf 
bringung des Schießbedarfs für ihre Stutzen noch Geld 
opfer auferlegt worden sind. 
Nach der Prozession lud der Fähndrich, A. K., Schützen 
und Musiker in sein Haus zu einem reichlichen Labetrunk. 
— Die Vermählung der Prinzessin Anna, Schwester 
Sr. Durchlaucht des regierenden Fürsten, mit dem Für 
sten Lobkowitz hat am 22. Mai stattgefunden. 
Vaduz am 31. Mai. Am heutigen Tage wurde die 
III. Sitzungsperiode des liechtenst. Landtags eröffnet. Da 
Herr Landesverweser v. Hausen sich gegenwärtig in 
Wien befindet, so war kein Vertreter der f. Regierung 
anwesend. Die Einberufungsverordnung, sowie eine 
höchste Botschaft Sr. Durchlaucht wurden verlesen und 
sodann zur Wahl der Präsidenten und Sekretäre geschrit 
ten. I. Präs.: Schädler, I!.: Erni; Sekretäre: Fischer 
und Gmelch. Ueber die Regierungsvorlagen für den 
Landtag ist Näheres noch nicht bekannt. Der Abdruck 
obiger Aktenstücke erfolgt in einer Beilage. 
* Schaan, 30. Mai. Die neue Briefpost-Organi- 
sation erscheint uns sehr Willkommen. Wir begrüßen den 
Briefboten aus unserer Hauptstadt recht freundlich, und 
zollen demjenigen der diesen in Bewegung gesetzt hat, 
den besten Dank. Bleiben wir aber nicht auf halbem 
Wege stehen, sage man auch L da man ^ gesagt hat, 
und verschaffe den Landleuten ebenfalls Gelegenheit, we 
nigstens einfache Briefe in ihrem Dorfe abgeben zu kön 
nen. Ich halte es immer noch für sehr mangelhaft, daß 
man mit jedem einfachen Brief z. N. von Schaan, Trie 
fen und aus dem Eschnerberg herauf nach Vaduz laufen 
soll, um ihn der Post übergeben zu können. 
Man könnte diesen Uebelstand doch um Vieles verbes 
sern, wenn man, — im Falle sich Niemand in betreffen 
den Dörfern zu einer Postablag - Uebernahme herbei las 
sen sollte bei den Schulhäusern ein Briefkästchen mit 
Einwurf anbringen würde. Den Schlüssel zu dieser 
Briefablage hat der Briefträger bei sich, der dann mit 
geringer Mühe die eingeworfenen Briefe weiter befördern 
könnte. 
Wer besorgt aber alsdayn die Brieffrankatur, und 
wer weiß für alle Fälle, wie hoch dieser oder jener Brief
        

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