Herausgeber:
Liechtensteiner Landeszeitung 1863-1867
Bandzählung:
1864
Erscheinungsjahr:
1864
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000081309_1864/72/
preußischen Kanonen haben den Dänen stark zugesetzt. 
Wäre nicht ein englisches Kriegsschiff in der Nahe gele 
gen, welches Miene machte zur Unterstützung der Dänen, 
dann würde das Gefecht für die östreichische Flotte nicht 
so unglücklich geendet haben. 
Die Festungswerke von Fridericia sollen gesprengt 
werden. In Jütland wurden Contributionen bei 
getrieben, die Wrangel im Betrage von 650,000 Thlr. 
ausgeschrieben hatte, die Stadt Horsens weigerte sich, 
Contribution zu zahlen und ist deshalb der widerspensti 
ge Magistrat aufgehoben und gefangen nach Rendsburg 
gebracht worden. Jütland selbst wird als Faustpfand 
für die Herausgabe der gekaperten deutschen Schiffe und 
ev. für die Kriegskosten dienen. 
Im preußischen Feldlager sieht man einen katholischen 
Feldprediger Simon, der wie die alten kriegeri 
schen Bischöfe einen Säbel trägt. Es ist ein kostbarer 
Säbel, der einem dänischen General gehört hat. Simon 
hat sich ihn durch sein muthiges und kühnes Benehmen 
in dem Düppeler Sturm verdient, die Offiziere des 18. 
Regiments haben ihm denselben als Andenken verehrt. 
Ein bischen nach Eifersucht schmeckt ein Soldaten 
witz. Als vor Wochen ein Piket preuß. rother Husa 
ren im Nachtlager von den Dänen überfallen und ge 
fangen wurde, lief im österreichischen Lager die Spott 
frage um: Worin gleichen sich die preußischen Husaren 
und die Krebse? — Antwort: Beide sind roth, beide 
gehen rückwärts und lassen sich bei Nacht fangen. 
Allerhand Neuigkeiten. 
Vaduz, 20. Mai. Die Rechtsverwahrung der Mit< 
glieder deutscher Landesvertretungen betreffend Schleswig- 
Holstein (siehe Nr. 10 der Ldsztg.) ist am 8. Mai, ver 
sehen mit 1349 Unterschriften deutscher Abgeordneten, 
an den Bundesbevollmächtigten bei der Londoner Kon 
ferenz, Frhr. v. Beust, eingesendet worden. Von den 
Unterschriften treffen 43 auf Oestreich (3 Vorarlberg), 
183 auf Preußen, Süddeutschland zeichnet sich aus 
durch nahezu Einstimmigkeit; aus den Landtagen von 
Baden, Würtemberg, Bayern, Liechtenstein, Koburg, 
Meiningen, Frankfurt, Nassau, Hessen-Darmstadt sehlen 
nur 53 Stimmen, während 458 unterzeichneten; Vz aller 
deutschen Abgeordneten haben unterzeichnet. — In Be 
zug auf Liechtenstein tragen wir nach, daß auch Herr 
Postmeister Wolfinger in Balzers sich mit dem Protest 
einverstanden erklärte. 
Vaduz. Mit Bedauern vernehmen wir, daß Herr 
Kaiser, ein junger, talentvoller Lehrer seine Stelle auf 
dem Schellenberg niedergelegt hat, um sich einem andern 
Berufe zu widmen. Dadurch gibt es wieder eine Lücke 
im Lehrerpersonale, die sich schwer ausfüllen lassen wird; 
denn bei dem verhältnißmäßig geringen Einkommen der 
Schulstelle am Schellenberg, wird sich kaum ein auswär 
tiger, tüchtiger Lehrer finden lassen, der dieselbe über 
nimmt und so ist diese Gemeinde aufs Neue einem im 
merwährenden Lehrerwechsel ausgesetzt, wobei die Jugend 
bildung unmöglich gedeihen kann. Herr Kaiser hatte sich 
in kurzer Zeit die Liebe der Eltern und Kinder und die 
Anerkennung seiner Vorgesetzten erworben. 
* Triefen. Heute am 17. Mai wurde die sterbWe 
Hülle des Hochw. Hrn. Pfarrers Peter Wendel in 
Hofer unter zahlreicher Volksmenge und in Begleit aller 
Psarrgeistlichen des Landes und des Hochw. Hrn. Jos. 
Ant. Nigg von Triesen, Benefiziat an der Domkirche 
zu Chur, zur Erde bestattet. Hofer war der Senior 
der Liechtensteinischen Geistlichkeit und der siebent' älte 
ste Priester der ganzen Diözese Chur. Geboren zu Nau- 
ders im Tirol am 23. Mai 1785, wiedmete sich der 
rüstige Knabe den Studien. Während des Tiroler Frei 
heitskrieges vertauschte er die Feder mit der Waffe. Hier 
auf trat er zu Solothurn in der Schweiz in den 
theologischen Curs, vollendete seine Studien in Chur, 
ward dann zu Luzern am 14. März 1813 zum Priester 
geweiht. Seit dieser Zeit wirkte Hofer ununterbrochen 
im Fürstentum Liechtenstein und zwar zuerst in Ben 
dern unter den Prämonstratenser Mönchen von St. 
Luzi als Vikar 4 Jahre und 5 Monat; als Kaplan in 
Balzers 1 Jahr 5 Monat, als Pfarrer an Tr i esne r- 
berg 2 Jahre 3 Monat; seit dem Jahre 1821 aber 
beständig als Pfarrer in Triesen— also über 43 Jah 
re lang. Hofer war kein Gelehrter, aber ein praktisch 
gebildeter, frommer, einfacher Priester; ein liebevoller und 
von Allen geliebter Seelsorger; eine derbe tiroler Natur 
bis zum hohen Alter; ein offener, wahrheitsliebender, 
gerader Mann ohne Arg und Falsch. Wer ihn kannte, 
liebte ihn; sein Andenken, die Erinnerung an den bie 
deren, heiteren, liebenswürdigen und gottessürchtigen Prie 
ster, wird in Liechtenstein, dem er ein halbes Jahrhun 
dert lange sein Leben und Wirken geweiht hatte, nie er- 
löschen. 
Den unermüdlichen Eifer für seine Triesner bewährte 
Pfarrer Hofer allseitig mit Rath und That. Neben 
der Seelsorge fand er noch Zeit für eine sehr interessante 
Chronik über die kirchlichen Verhältnisse von Triesen nie 
derzuschreiben, deren Werth man erst jetzt und später an 
erkennen wird. Ein allen Pfarrherren nicht nur Liech 
tensteins, sondern auch der ganzen Diözese Chur anzu 
empfehlendes und nachahmungswürdiges Beispiel! Wür 
den sie das schriftliche Material ihrer Pfarrarchive, wenn 
noch so dürstig, sammeln, ordnen, zusammenstellen und 
etwa durch eigene Erfahrungen sowie durch Angaben 
älterer bewährter Männer vermehren, so wäre es eine 
sehr schöne und lobenswerthe und gewiß eine sehr nütz 
liche Arbeit! 
In Oestreich würde Pfarrer Hofer als über ^jähri 
ger Pfarrer derselben Gemeinde die goldene Verdienst 
medaille erhalten haben. Er ging jedoch nicht leer aus. 
Als Anerkennung seines 40jährigen eifrigen Wirkens 
beehrte den greisen Priester an seiner Secundiz oder 
Jubelmeße, die er am 25. März 1863 feierlich hielt, 
unsere Durchlaucht Frau Fürstin-Mutter mit einem sehr 
schönen rothen Meßgewand, als bleibendes Zeichen der 
verdienten Martirkrone. 
In der letzten April - Woche abhin ergriff den bereits 
schon altersschwachen Pfarrer die allgemeine sich zeigende 
sogenannte Grippe mit einem heftigen Anfalle von noch 
nie gefühlter Schwäche und setzte seinem Wirken das 
letzte Ziel bis er endlich in Gottes Fügung geduldig er-
        

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