Herausgeber:
Liechtensteiner Landeszeitung 1863-1867
Bandzählung:
1864
Erscheinungsjahr:
1864
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000081309_1864/7/
Werth, daß mit der Budgetvorlage so lange gezögert wer 
de, bis daß der Zollvertrag ratifizirt sei. Der Landtag 
ertheilte die gewünschte Ermächtigung, in der Voraus 
setzung, daß das 1864er Budget nach Hinwegfallen des 
erwähnten Hemmnisses ohne Verzögerung vorgelegt 
werde. 
Hierauf kommt die Schleswig-Holstein'sche Sache auf 
die Tagesordnung. Abgeordneter Kirchthaler verliest eine 
Interpellation des Inhalts: Die f. Regierung wolle 
Auskunst ertheilen, in welchem Sinne der Bundestags 
gesandte in der Sitzung vom 7. Dezember gestimmt habe 
und was sie, die f. Regierung zur Geltendmachung der 
alten verbrieften Rechte der Herzogtümer zu thun ent 
schlossen sei. Hr. Landtagskommissar v. Hausen verspricht 
die Beantwortung dieser Fragen in einer der nächsten 
Sitzungen. Nun stellt Abg. Keßler nach kurzer Begrün 
dung den Antrag auf Erlaß einer Addreße an Se. 
Durchlaucht, worin der Landtag seine Ansicht über das 
Recht der Herzogthümer niederlege und den Landesfürsten 
bitte, zur Geltendmachung dieser Rechte mitwirken zu 
wollen. Er wisse wohl, daß die äußere Vertretung des 
Landes ein Vorrecht des Souveräns sei; es soll dieses 
Recht durch diesen Schritt des Landtags auch nicht be 
einträchtigt werden: sondern man wolle nur dadurch der 
Gesinnung der Landesvertretung Ausdruck geben. Die 
also beschlossene Addreße lautet: 
Durchlauchtigster Fürst! Gnädigster Fürst und Herr! 
Die Personalunion durch welche die Herzogthümer 
Schleswig-Holstein mit Dänemark verbunden waren, hat 
mit dem Tode des Königs Friedrich VII. aufgehört. In 
den staatsrechtlich untrennbaren Herzogthümern ist nach 
altem Recht der Prinz Friedrich von Augustenburg zur 
Erbfolge berufen. Der Londoner Vertrag vom 8. Mai 
1852 konnte an der Thronfolge Schleswig-Holsteins 
nichs ändern, da er ohne Zustimmung der berechtigten 
Agnaten, der verfassungsmäßigen Landesvertretung und 
des deutschen Bundes abgeschlossen wurde. Das Londo 
ner Protokoll hat nach der Ansicht der anerkanntesten 
Rechtsautoritäten keine rechtliche Geltung. Die ganze 
deutsche Nation ist von dieser Ueberzeugung durchdrun 
gen. Kein legitimer Fürst kann zugeben, daß das ver 
briefte Recht des Herzogs Friedrich von Augustenburg 
unterdrückt werde. 
Durchlauchtigster Fürst! Auch die Landesvertretung 
des Fürstenthums ist von dem Rechte Schleswig-Holsteins, 
und des Prinzen von Augustenburg überzeugt und halt 
es für Pflicht, Euer Durchlaucht die treuergebenste Bitte 
auszusprechen, daß der Bundestagsgesandte dahin instruirt 
werde, bei der am Bundestage bevorstehenden Abstim 
mung über die Erbsolgefrage in Schleswig-Holstein die 
Stimme für das Recht des Herzogs Friedrich VIII. ab 
zugeben. 
In tiefster Ehrfurcht 
Euer Durchlaucht treugehorsamste 
Landesvertretung. 
Endlich wurde das wiederholt in Vorlage gebrachte 
Zehentgesetz in Berathung genommen, indem das am 
30. März v. I. vom Landtag beschlossene Zehentgesetz 
die Sanktion Sr. Durchlaucht nicht erhielt. Der neue 
Entwurf der f. Regierung ist im wesentlichen mit dem 
früheren übereinstimmend, und wir verweisen deßhalb 
auf Nr. 5 der Landesztg. vom v. I., worin ein Aus 
zug dieses Gesetzentwurfes mitgetheilt ist. Die Ausmitt- 
lung des Geldwerthes geschieht nach den Durchschnitts 
preisen der Jahre 1826—1847, Pachtzehent wird nach 
dem durchschnittlichen Pachtschilling berechnet. Die Ab 
lösungssumme beträgt ^ des ermittelten Werthes (also 
den 15 fachen Betrag der Jahresleistung); die Abzah 
lung hat in 20jährigen Terminen zu geschehen mit Bei 
legung von 5^/o Zinsen, die alljährig im Vorhinein zu 
entrichten sind. Die Abführung der Jahresraten geschieht 
durch den Ortsvorsteher jeder Gemeinde an die Landes 
kasse. 
In nächster Sitzung kommt der Zollvertrag zur Mit 
theilung. Wir werden allsdann im Stande sein, die 
von unsern Lesern längst gewünschten Aufklärungen über 
diesen Vertrag zu geben, sowie es uns dann auch ge 
stattet sein wird, die Gründe auseinander zu setzen, welche 
den Landtag bewogen für den Fortbestand des Zollver- 
trags einzustehen. 
Vaduz, 12. Jänner. Anfangs d. M. wurde von 
Feldkirch eine Addresse an Dr. Rechbauer, oster. Reichs- 
rathsabgeordneter, abgesendet, die von über 400 ehren 
werthen Männern aus Vorarlberg und Liechtenstein un 
terzeichnet ist. Es wird ihm darin der lebhafteste Dank 
ausgesprochen für sein mannhaftes Auftreten zu Gunsten 
der schwer bedrängten Brüder in Schleswig-Holstein; zu 
gleich möge er in diesem Gesinnungsausdruck den Beweis 
finden, daß auch hier „am Fuße der rhätischen Alpen, 
an den Ufern des jungen Rheins Männer wohnen, in 
denen der Gedanke lebt, daß ein großes Volk sich nim 
mermehr fremde Vergewaltigung und Beugung des Rechts 
thatenlos gefallen lassen dürfe." 
Vaduz, 12. Jänner. Seit dem 3. Jänner herrschte 
ein ziemlich hoher Kältegrad, doch fiel das Thermometer 
nicht unter 14". 10—11^ war der gewöhnliche Stand; 
in Ruggell soll seit dem 6. der Rhein zugefroren sein; 
hier ist er noch offen. 
Vorarlberg. (Berichtigung.) In unserer letz 
ten Nummer berichteten wir 2 Fälle über Gefährdung 
der öffentlichen Sicherheit in Vorarlberg. Wir hatten 
diese Mittheilung dem Ostschw. W. entnommen. Nun 
erhalten wir eine Zuschrift des k. k. Staatsanw al 
tes in Feldkirch, worin das Ersuchen gestellt wird, 
den fraglichen Artikel in Nr. 1 idahin zu berichtigen, 
„es sei unwahr, daß ein Fuhrmann :c. mit einem Pisto 
lenschusse angefallen worden wäre, und eben so sei es 
rein unwahr, daß vermummte Gestalten zu Dornbirn in 
ein Haus zogen und raubten, was sie da bekamen." 
Das Gerücht dieser That sei durch die Aussage eines 
13jährigen Knaben entstanden, wonach „vor nicht gar 
langer Zeit, als er allein zu Hause war, 3 vermummte 
Männer in dessen Haus gekommen seien", sich aber, 
ohne etwas sich zuzueignen, wieder entfernt hätten. 
Uebrigens lägen Bedenken gegen diese Aussage vor, so 
daß man annähme, der Knabe habe die Sache geträumt, 
„oder er habe 'sie aufgelogen". — Diese Berichtigung 
stütze sich auf eine amtliche Mittheilung des k. k. Be^ 
zirksamtes in Dornbirn.
        

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