Herausgeber:
Liechtensteiner Landeszeitung 1863-1867
Bandzählung:
1864
Erscheinungsjahr:
1864
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000081309_1864/64/
Landtag sich deS PostwesenS nicht annimmt, werden wir 
— alle sammt und sonders — umsonst nach Abhülfe 
schreien — umsonst wird der allgemeine Ruf verhallen: 
„Verkehr! Verkehr!" Eine Postordnung mit Ablagen 
in jeder an der Poststraße liegenden Gemeinde, versehen 
mit Briefboten für die Gemeinden — das wäre ver 
nünftiger „Verkehr". 
Zu dem eben geschilderten Jammer-Verkehr — kommt 
noch, daß man für diesen Jammer-Verkehr überschwäng- 
lich zahlen muß. Oder wie steht's mit dem Brief und 
Paquettaren? Der lebhafteste Briefwechsel unserer Leute 
besteht mit der Schweiz. Von daher kommen wohl die 
meisten Briefe in's Land, von auswärtigen Arbeitern und 
Geschäftsmännern. In der Schweiz ist die Brieftare so 
weit ermäßiget, daß man einen Brief durch die ganze 
Schweiz mit 45 Rappen nn 6 kr. ö. W. frankiren kann; 
wird er aber hier frankirt so kostet er 15 kr. also 40 R. 
— Ein Heft von 3—5 Druckbogen unter Kreuzband 
kostet nach Chur—Sevelen 20 R. — 8 kr. — wird 
es aber per Post in's Land gebracht, so muß man mit 
50 R. — 20 kr. frankiren. Ein solches Heft von 
mehreren Bogen von Luzern—Sevelen kommt unter 
Kreuzband unfrankirt auf 30 R. nn 12 kr. — aber bis 
Vaduz per Post nicht weniger als 70 R. — 28 kr. — 
Sehr gut bezeichnet folgende Stelle aus einem Briefe 
von Luzern diese Porti-Differenz, es heißt: „Die Porti 
für Liechtenstein sind ganz enorm, wie für Briefe nach 
Schweden und Rußland. Wozu eine Konstitution, wenn 
ein Brief oder Druckschrift über die Grenze viel mehr 
besteuert wird, als solche nach England. Ein Heft von 
3—4 Druckbogen kostet für ganz Frankreich nur 15 
R. — 6 kr., — sage nur fünfzehn Rappen, ditto für 
Belgien — und nach Liechtenstein 70 R. — 28 kr. 
Es ist doch ungeheuerlich! Ein Brief von Basel bis 
Trübbach wird mit 15 R. mm 6 kr. frankirt; vom Rhein 
bis Balzers oder Vaduz kostet die Frankatur 5 kr. also 
zusammen — 11 kr., nun baben wir noch 4 kr. um 
15 kr. auszufüllen. — Warum diese 4 kr. mehr? Ist 
das eine Briefsteuer — im Verhältniß zum Porto von 
5 kr. beinahe 100^!!! Das heißt: „Vorwärts! Vor 
wärts! Verkehr! Verkehr!" Diese Brief- und Schriften- 
Taren und die Postspedition derselben in die Gemeinden 
sind wahrlich ungeheuerliche Uebelstände! 
Vom Krieg in Schleswig. 
Die Düppeler Schanzen sind am 18 April gefallen; 
die Preußen haben von Morgens bis Nachmittags zwei 
Uhr gestürmt und alle zehn Schanzen genommen, zuletzt 
den furchtbar befestigten Brückenkopf, der über den Meeres 
arm nach der Insel Alsen führt. Die Insel selbst schei 
nen sie noch nicht besetzt zu haben, da die Dänen von 
derselben aus die Brücke zusammenschössen, wozu Rolf 
Krake, das Panzerschiff getreulich half. Auf der Insel 
Alsen sollen noch 10—12,000 Dänen stehen. 
Der Hauptantheil an der Ehre der Erstürmung fällt 
der Brigade Raven zu, wie's scheint durchs Loos. Von 
jedem Bataillon wurde eine Kompagnie durchs Loos be» 
stimmt. Die ausgelösten Mannschaften nahmen das hl. 
Abendmahl und harrten des Befehls zum Angriff, der 
am Sonntag Vormittag für den Montag ausgegeben 
wurde. Der Kampf dauerte von Morgens bis Nach 
mittags gegen 2 Uhr und wurde meist mit Kolben und 
Bajonnett auSgefochten, von der Schießwaffe wurde 
wenig Gebrauch gemacht. Die 6 ersten Schanzen waren 
trotz des tapfern Widerstandes der Dänen in einer Stun 
de genommen. Es herrschte ein solcher Kampfesmuth, 
daß die nicht ausgelösten Reservemannschaften fast ge 
waltsam von ihren Offizieren zurückgehalten werden muß 
ten, um nicht sogleich ins Feuer zu stürzen. 
Eine amtliche Bekanntmachung des Berliner Polizei 
präsidenten gibt den Verlust der Preußen auf ungefähr 
2 Generale, 60 Offiziere und 600 Soldatm an; erbeu 
tet wurden 83 Geschütze und viele Danebrogs. Im 
Ganzen sollen 18 Bataillone gestürmt haben. 
Der Verlust der Dänen soll an 100 Offiziere, dar 
unter General du Plat todt, und 4000 Mann betragen. 
Berlin war auf die Nachricht von der Erstürmung 
der Düppeler Schanzen in freudigster Bewegung. Zahl 
reiche Häuser schmückten sich mit Fahnen. Abends nach 
8 Uhr zeigten 101 Kanonenschuß aus 6 im Lustgarten 
aufgefahrenen Geschützen den Bewohnern der Residenz 
an, daß der glorreiche Kampf um die Düppeler Schan 
zen beendet sei. 
Der König von Preußen hat nach dem Siege an den 
Prinzen Friedrich Carl telegraphirt: „Nächst dem Herrn 
der Heersckaaren verdanke Ich meiner herrlichen Armee 
und Deiner Führung den glorreichen Sieg des heutigen 
Tages. Sprich den Truppen meine höchste Anerkennung 
aus und meinen königlichen Dank für ihre Leistungen." 
Alsbald nach dem Falle der Düppeler Schanzen sollte 
Friedericia von den vereinigten Oestreichern und Preußen 
erstürmt werden. Aber die Dänen hielten nicht Stand. 
Sie müssen sehr entmuthigt sein, denn schon am 29. 
April haben sie diese Festung verlassen und sich auf ihre 
Inseln zurückgezogen; 197 Geschütze wurden in den 
Festungswerken vorgefunden. Die Oestreicher besetzten 
sofort Friderizia. 
Somit ist das letzte Bollwerk der Dänen auf dem Fest 
land gefallen und die Reihe wäre jetzt an Deutschland 
ihnen zu vergelten, was sie seit 14 Jahren an den 
Schleswig-Holsteinern verbrochen haben. Wird es dazu 
kommen? — Unwillkürlich fragt man sich: wofür wur 
de das Blut dieser braven Krieger vergoßen? — Man 
ist aber heute sowenig im Stande darauf eine Antwort 
zu geben, als vor drei Monaten. Das sind gewiß kläg 
liche Zustände. Auch die Diplomaten auf der Londoner 
Konferenz wissen uns nicht zu antworten; was die Ei 
nen wollen, das ist den Andern zuwider; und was sie 
alle zusammen wollen, davor bewahr' uns und die be 
drängten Schleswig-Holsteiner der Himmel. Am besten 
wär's sie liefen im Verdruß wieder auseinander. — Es 
wird von verschiedenen Seiten behauptet, die Preußen 
thäten Schleswig-Holstein gern für sich behalten. Wenn 
sie's thäten, es wär' grad kein Unglück; so kamen diese 
Lande doch ein Mal von Dänemark los. Freilich dürfte 
man nicht nach dem Rechtstitel fragen. 
Was für alle andere Völker Geltung hat, das gilt 
sicher nicht für die Deutschen. Von der Befragung des
        

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