Herausgeber:
Liechtensteiner Landeszeitung 1863-1867
Bandzählung:
1864
Erscheinungsjahr:
1864
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000081309_1864/29/
und es dann wieder zur Personalunion an den König 
der Dänen zurück zu geben, das ist doch kaum anzuneh 
men. Viele halten daher an der Meinung fest, am Ende 
werde doch Preußen die Herzogthümer sich anneriren, 
und dafür in Ungarn und Italien Oestreich Dienste lei 
sten. Freilich hält die Sache schwer; doch kann sie sich 
machen: wenn die Preußen vorerst einmal Schleswig- 
Holstein einige Jahre okkupirt haben, so wird man dann 
schon im Stande sein, Volksmanifestationen, statt für den 
Augustenburger, für Anschluß an Preußen hervorzurufen. 
Die Dänen, wie ihr König sagt, von der ganzen 
Welt im Stiche gelassen, und auf ihre eigene Kraft be 
schränkt, sind doch entschlossen, die Stellung von Düppel 
und die Insel Alsen bis aufs Aeußerste zu vertheidigen, 
weil sie von da aus die Herzogtümer dereinst wieder 
erobern zu können hoffen. — Prinz Friedrich Karl soll 
zu einer schleswig'schen Deputation gesagt haben: „Das 
Band, das Euch bis jetzt mit Dänemark verknüpfte, ist 
auf immer zerrissen." Nun, in Preußen nehmen es die 
Prinzen mit ihrer Versprechung nicht so genau. — Da 
gegen sagt der preußische (Polizei)-Kommissär zu den 
Schleswigern, sie würden alle ihre Wünsche erfüllt 
sehen, nur den nicht (und das ist gerade ihr ein 
ziger Wunsch!), daß sie von Dänemark losgemacht 
werden. 
Der preußische Feldmarschall Wrangel hat 6 Bataillone 
nach Holstein geworfen und mehrere Städte besetzt. „Ich 
prote stire!" hat der Bundesgeneral Hacke gerufen, 
„wir Protestiren!" schrieen die Bundeskommissäre, 
„wir Protestiren!" lärmt der Bundestag und beschließt 
in 14 Tagen eine Sitzung zu halten und die Sache 
reiflich in Erwägung ziehen zu wollen. Papa Wrangel 
aber streicht sich seinen Schnurrbart und sagt: „Ei, was 
schreit Ihr, Kinderchens? Wer thut Euch was zu leide? 
Seid nur still, ich muß das Holstein nur ein wenig be 
setzen, wegen — wegen strategischen Rücksichten, sonst 
hat's keinen Zweck." 
Bei Oeversee sind in einem dänischen Bataillon 65 
Schleswiger gewesen, die sich das Wort gegeben haben, 
nicht auf ihre deutschen Brüder zu schießen. So sind 
sie mehrere Male im dichten Kugelregen gestanden ohne 
einen Schuß zu thun. Das dänische Bataillon wird 
kriegsgefangen, und als es in Flensburg auf dem Sü- 
dermarkte aufgestellt ist, siehe da, der Himmel hatte seine 
Hand ausgebreitet über die braven Schleswiger und von 
den 65 fehlte auch nicht einer. Da entläßt sie General 
Gablenz mit den Worten in ihre Heimath: „Euern 
Handschlag verlange ich nicht, denn ich kenne Euern 
Herzschlag!" 
Der Feldmarschalllieutenant v. Gablenz ist ein Soldat 
mit einem ächt deutschen Herzen. Als er in Flensburg 
die braven Regimenter, die bei Oeversee gefochten, in 
Parade aufmarfchiren ließ, um die Bravsten der Braven 
mit Ehrenzeichen zu belohnen, da sprach er Worte, die 
aufbewahrt zu werden verdienen: „Wenn ich früher nie 
mals nach Geld und Gut gestrebt habe", so ungefähr 
sagte der wackere Mann, „so bedaure ich jetzt schmerzlich 
nicht reich zu sein. Ich habe meine braven Soldaten 
stets als meine Kinder betrachtet, und nun, wo so manche 
von ihnen im rühmlichen Kampfe gefallen sind, hege ich 
den lebhaften Wunsch, für ihre Hinterlassenen zu sorgen. 
Für eine ähnliche Waffenthat, wie der Kampf bei Oever 
see, hat der Kaiser mich mit dem Maria-Theresia-Orden 
dekorirt; ich vermache die mit diesem Orden verbundene 
Jahrespension von 600 Gulden von jetzt an den Kin 
dern der in Schleswig gefallenen östreichischen Krieger". 
Das ist mannhaft und edel gesprochen und gethan, 
und der Mann verdient es, daß seine Soldaten ihn 
lieben. 
Sind doch die Menschen kuriose Geschöpfe. In dem 
blutigen Gefechte bei Oeversee schlugen sie einander mit 
Gewehrkolben todt und spießten einander auf die Bayo- 
nette, und nachdem das geschehen war, konnte man sehen, 
wie östreichische Soldaten die nämlichen Dänen, die sie 
auf die Köpfe geschlagen hatten, mit mütterlicher Sorg 
falt nach dem Verbandplatze trugen, und das nämliche 
thaten gefangene Dänen mit verwundeten Oestreichern. 
Ein solcher Schluß einer solchen Mordarbeit mag unser 
Herz etwas versöhnen. 
Kiel Vier verwundete östreichische Offiziere, jetzt 
hier, s. Z. bei Magenta und Solferino, versichern: der 
Kampf zwischen Schleswig und Flensburg fei mörderi 
scher gewesen als in Italien! Gegen sich dichtes Schnee 
gestöber und circa 10,000 Dänen. Regiment König der 
Belgier fast aufgerieben, ebenso das Regiment Kopen 
hagen. Die Straße war bedeckt mit Leichen, Verwun 
deten, Pferden, Fahnen, umgestürzten Kanonen, Wagen 
aller Art. 
In Rendsburg sah man, wie der Krieg Freund und 
Feind auf demselben Bauernwagen bettet. Ein östrei 
chischer Husar hieb einem dänischen Dragoner im Ein 
zelkampfe über den Kopf und schlug ihn nieder, verwun 
dete einen dänischen Infanteristen und bekam selbst einen 
Schuß durch die Hand. Alle drei wurden auf denselben 
Wagen auf Stroh gelegt und nach Rendsburg gebracht. 
Sie hatten sich ausgesöhnt und baten dringend, in ein 
Zimmer gebracht zu werden. 
Am Tage nach jenem Ereigniß, da der östreichische 
General Gondrecourt in Hamburg den Ausspruch ge 
than haben sollte, daß er unter die Turner schießen las 
sen werde, wenn sie nicht augenblicklich ihre Waffenü 
bungen einstellten, traf ein Bürger zwei östreichische Sol 
daten und fragte sie, ob sie auch wirklich geschossen ha 
ben würden, wenn kommandirt worden wäre. Ja, ant 
wortete der Eine, der Andere aber sagte eben so kurz: 
Na. Warum denn nicht? Schauens, war die Ant 
wort, ich bin halt a Trommler. 
Ein paar lustige Soldatenstückchen aus Schles 
wig sind folgende. Bei Oeversee wurde eine dänische 
Kanone von östreichischen Jägern umgangen, ehe es die 
Kanoniere merkten. Die Jäger schlichen sich von rück 
wärts still an die Kanoniere heran, die beschäftigt wa 
ren, die Kanone zu richten. Wie sie aber damit fertig 
sind, klopft ein Jäger einem der Dänen auf die Schul 
ter und sagt ganz ruhig: Richten könnt's die Kanon' 
schon, aber abfeuern nicht! — Beim Uebergang über die 
Eider sprengte ein preuß. Kürassier, der Unteroffizier 
Lenzen, allein mitten unter 4 dänische Dragoner und
        

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