Herausgeber:
Liechtensteiner Landeszeitung 1863-1867
Bandzählung:
1864
Erscheinungsjahr:
1864
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000081309_1864/20/
Wolfinger: Dieser Weg ist ein Umweg. Besser 
wäre eine Einmündung oberhalb Triesen bei Matschels 
oder doch wenigstens bei der Wolfgangskapelle. 
Kind: Ich bin mit der Oertlichkeit bei Triesen nicht 
so genau bekannt; ich dächte aber, Triesen könne recht 
leicht einen Weg erstellen bis zu der neuen Straße. 
Erni: Ich bin bekannt; die Bewohner im obern Theile 
von Triesen werden sicher nicht mit ihrem Vieh bis zur 
Landstraße herabfahren und dann wieder aufwärts. 
Kirchthaler: Gerade so werden es die Vaduzer u. 
Schaaner machen. Es wird nie zu einer Auffahrt kom 
men bei der Rüttigasse, sonst müßte man die Straße 
einzäunen. Man wird den alten Weg beibehalten. Des 
senungeachtet erkenne ich die Straße als nützlich an. Sie 
ist zweckmäßig um einen anderweitigen Verkehr mit dem 
Alpgebiet zu erleichtern (Sennerei, Holzabfuhr u. dgl.) 
der Weg zum Viehtrieb wird immer übers Schloß gehen. 
Reg.-Komm.: Ich bin der Ansicht, daß es im In 
teresse der Gemeinde Triesen liegt, diese Verbindung zu 
erstellen; man verlangt ja auch vom Triesnerberg, daß 
die Seitenwege erstellt werden. 
Erni: Ich möchte denn doch fragen, wie der Nutzen 
zur Auslage sich verhält. Vom Steinort bis zum Sa- 
minabach wird man sie kaum anders brauchen als den 
Molken herauszuführen. Dazu ist sie aber zu kostspielig; 
der Nutzen leuchtet mir nicht ein. 
Reg.-Komm.: Das wird bei uns nicht anders sein, 
als anderwärts; und doch steht man in allen Staaten 
namentlich in der benachb. Schweiz aus Straßenbauten 
so viel verwenden, heutzutage sollte man nicht mehr in 
Zweifel sein, daß eine Straße nützlich sei. In 20 Jah 
ren ist man hierlands wahrscheinlich anderer Meinung, 
als gegenwärtig, wo man die Gemeinnützlichkeit von 
Bergstraßen noch bestreitet. 
Erni: Ich bin von meiner Jugend an durch 20 Jahre 
in der Schweiz gewesen, ich war in verschiedenen Kan 
tonen und habe eine solche Lurusstraße in den Alpen 
nicht gesehen, wie sie hier erstellt werden soll. 
Reg.-Komm.: Wo liegt denn der Lurus bei diesem 
Straßenbau? Ich dächte bei dem vorliegenden Straß 
projekte habe man sich ohnehin nkr auf das Nöthigste 
beschränkt. 
Neferent Keßler: Die Nothwendigkeit dieser Straße 
ist entschieden, wir haben darüber abgestimmt. Es wäre 
zu erwarten gewesen, daß die Gegner von Vornherein 
ihre Ansicht ausgesprochen hätten, — jetzt srommt es 
nichts mehr. Doch muß ich H. Erni erwidern: „Wenn 
Sie jetzt auf dem Triesnerberg wären, jso wüßten Sie, 
daß die Gemeinde gerade jetzt bedeutende Holzmassen aus 
den Alpen herausschafft. Auf dem Wagen würde das 
leichter gehen, als auf dem Rücken. — Ich berühre noch 
einen Punkt, welcher klar aufzufassen ist. Die Straße 
vom ^ande bis zum Ort Triesnerberg ist nach dem Pro 
jekt eme Landstraße und ist aus Landeskosten herzustellen 
und zu erhalten. 
Erni: Ich bin schon auch dieser Ansicht, allein ich 
rede nur davon, ob die Straße rentabel werde. 
^6-^omm.: Die Gemeinde Triesnerberg legt auf 
die Erbauung einer Straße über den Gulmen weit mehr 
Werth als auf die Verbindung mit dem Flachlande. 
Druck van Z. Graff' 
Keßler: Hr. Erni meint, daß solche Straßen in der 
Schweiz nicht vorkommen. Da dürfen wir nur nach 
Sevelen gehen, so finden wir recht schöne Bergstraßen; 
und wenn wir dem Fortschritt huldigen wollen, so müs 
sen wir den Bau dieser Straßen ebenfalls befördern. 
Kircht Haler: Der Holzmangel am Berg hat am 
meisten dieses Projekt hervorgerufen. Nun da man Ernst 
steht, spricht man auch schon von einer Ziegelei am Sa- 
minabach. In 20 Jahren erhält man vielleicht billigere 
Ziegeln aus dem Saminathal, als von Nendeln. 
Präs.: Gibts viel Holz hinter dem Gulmen, so wer- 
den sicherlich allerlei Fabrikate erzeugt, deren Transport 
leichter ist, als der des rohen Holzes; vielleicht Kohlen. 
Schindeln u. dgl. 
Es ist nun unsere Aufgabe der Regierung den Be 
trag aus Landesmitteln zu gewähren, damit sie an die 
Ausführung des Projekts schreiten kann. Das Abkom 
men aber mit der Gemeinde Triesnerberg liegt uns fern. 
Ich bringe nun die Anträge der Kommission zur Ab 
stimmung : 
„Der Landtag ist einverstanden, daß die Gemeinde 
Triesnerberg die Herstellung der Straßenstrecke von der 
Rüttigaß bis zur schon hergestellten neuen Straßenstrecke, 
von Nr. 0—114 des Hauptplanes, ferner die Herstel» 
lung der Straße von der Kirche bis außerhalb des 
Steinorts sammt der hiebei nöthigen Grundauslösung für 
die Fahrbahn, endlich die Herstellung der einmündenden 
von der Regierung als nothwendig erkannten Verbin 
dungswege namentlich nach Rothenboden und Wanger- 
berg, wie nicht minder die für diese Verbindungswege 
nöthigen Grundeinlösungen übernehme und aus eigenen 
Mittel bestreite. 
Der Landtag gibt seine Zustimmung, daß der Ge 
meinde Triesnerberg die Herstellung der Straße von der 
Rütegasse bis außerhalb des Steinorts in einer von der 
fürstl. Regierung zu bestimmenden Anzahl Jahre aufge 
tragen werde, wogegen ihr aus der fürstl. Landeskasse 
eine Summe von 5000 fl. Oe. W. in 4 Jahresraten 
von 1864 angefangen bezahlt werden. 
Die Kosten der Expropriation des zum Straßenbau 
nöthigen Privatbodens, innerhalb der Punkte von der 
Landstraße bis zu den Triesner Heurüttenen, habe die 
Landeskasse zu übernehmen." Mit 12 gegen 3 Stimmen 
angenommen. 
Der Landtag gibt seine Zustimmung, daß auf der 
Straßenstrecke von der Rütegasse bis zum Steinort auf 
Landeskosten Wegmacher angestellt und das Schotter- 
materiale erzeugt werde, wogegen die Gemeinde Tries 
nerberg dasselbe unentgeldlich zuzuführen habe. — Ein 
stimmig angenommen. 
Der Hr. Abg. Marrer wird Ihnen nun den Bericht 
über die vom Hr. Sekretär Fischer vorgelegte Rechnung 
bezüglich der I. Landtagsperiode vorlesen. Marrer verliest 
den Bericht und stellt den Antrag auf Genehmigung der 
richtig befundenen Rechnung. Der Antrag wird einstim 
mig angenommen. Hierauf wird die Sitzung geschlossen. 
Herausgeber: Gregor Fischer. 
Verantwortlicher Redaktor: vr. Schädler. 
Wittwe in Feldkirch.
        

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