Herausgeber:
Liechtensteiner Landeszeitung 1863-1867
Bandzählung:
1864
Erscheinungsjahr:
1864
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000081309_1864/15/
waren, 44 Pfd.; 8 Pfund Mais oder Türken lieferten 
nach dem Quellen 26 Pfund; 8 Pfd. Roggen 30 Pfd. 
und 8 Pfd. Buchweizen 28 Pfund gequellte Frucht. Bei 
Hafer, Roggen und Buchweizen (Haidekorn) war die 
Ersparniß an Futter unbedeutend, dagegen außeror 
dentlich günstig beim Türken. Eine Anzahl Hüh 
ner fraß täglich 4 Pfd. rohen, trockenen Türken, sie ver 
zehrten aber blos 7 Pfd. im gekochten Zustand. Diese 
7 Pfd. sind aber nach obiger Rechnung nur 2 Pfd. 5 
Loth roh oder trockner. Also spart man die Hälfte 
am Futter, wenn man die Hühner mit gekochtem Türken 
füttert; und es stellt sich heraus, daß der Mais über 
haupt das vortheilhafteste Hühnerfutter ist. Eine bedeu 
tende Futterersparniß wird auch gemacht, wenn man den 
Mais schroten (grobmahlen) läßt, mit Wasser anrührt 
und eine Art Mus oder Teig daraus bildet. 
Diese Notizen entnehmen wir einem sehr empsehlens- 
werthen Büchlein von Dr. Hamm in Leipzig: „Die 
kleine Viehzucht. Enthaltend: Der Federviehhof und 
das Bienenhaus, sowie die Seidenraupen- und künstliche 
Fischzucht. Leipzig 1861." — Der Name des Verfassers 
bürgt für die Richtigkeit der angegebenen Vorschriften. 
Ueber Saatgetreide. 
Fast jedes Jahr werden neue Sorten Saatgetreide an 
empfohlen und mit guten Preisen bezahlt. Die Erzeu 
gung von Saatgetreide gehört jedenfalls zu den einträg 
lichsten Geschäften und es dürfte deßhalb manchem un 
serer bäuerlichen Freunde erwünscht sein, die Kunst zu 
erlernen, wie sich solche Saatfrüchte erzeugen lassen. 
Ein Engländer, Namens Hallet, der Erfinder des so 
genannten „genealogischen" Weizens, verfuhr folgender 
maßen: Er nahm im Jahre 1857 zwei besonders schöne 
Weizenähren und säete an einem abgesonderten Orte die 
Körner derselben. Bei der Ernte machte er eine neue 
Auswahl unter den Aehren und säete die so gewonnenen 
Körner aufs Neue aus; durch dieses Mittel ist es ihm 
gelungen, die Länge der Aehren und die Anzahl der 
Körner in denselben zu verdoppeln. Herr Hattet verkauft 
den Büschel dieses Getreides um 30 Franken oder nach 
unserem Maas das Viertel Wiener Metzen) um 10 
sl, Oe. W., während 1 Hectoliter (3^ Viertel) des von 
diesem englischen Saatgetreide in Frankreich erzeugten 
Weizens um 36 Franken oder 14 st. 20 kr. Oe. W. zu 
haben ist. Trotzdem behält das englische Produkt den 
Vorzug, weil der englische Samenzüchter die Auswahl 
der Aehren und Körner jedes Jahr fortgesetzt und das 
scheint sehr wesentlich zur Erhaltung der ausgezeichneten 
Eigenschaften dieses Weizens: große Aehren, große und 
viele Körner zu erzeugen, denn es erfordert wahrschein 
lich die nämliche Sorgfalt, derartige Eigenschaften zu er 
halten, als neu hervorzubringen. Unsere Landwirthe 
geben sich diese Mühe bis jetzt noch nicht und darum 
gehen die Eigenschaften, welche diesem Getreide den Vor 
zug vor dem gewöhnlichen Saatweizen sichern, nach Ver 
lauf von 4—5 Jahren vollständig wieder verloren, wäh 
rend es so leicht wäre, sie zu erhalten. Es bedarf zu 
diesem Zwecke weiter nichts als dünn oder schütter zu 
säen, das Feld wohl vorzubereiten und das Getreide auf 
dem Halm vollständig ausreisen zu lassen, die schönsten 
Aehren auszuwählen und von diesen, nachdem sie sorg 
fältig gedroschen sind, nur die vollkommensten Körner 
zum Saatgetreide zu bestimmen. Dieses Verfahren, wel 
ches jedes Jahr wiederholt werden muß, mag etwa um 
ständlich sein, die Mühe lohnt sich aber so reichlich, daß 
von dem genealogischen Weizen Hallet's 42 Hectoliter 
per Hectare gewonnen wurden, d. i. auf 2779 Klafter 
136 A Viertel, oder auf 100 Klafter nahezu 5 Viertel. 
Aus dem landw. Anzeiger. 
D i e B i e n e. 
Wir haben bisher die Verrichtungen der Biene außer 
halb des Stockes besprochen, wir wollen nun ihre Ar 
beiten im Innern desselben zum Gegenstande unserer 
Betrachtungen wählen. 
Die wichtigste derselben besteht im Baue der verschie 
denen Zellen. Es gibt nur drei Figuren, die, in einander 
gepaßt, gar keinen Raum zwischen sich lassen, es sind 
dies: das gleichseitige Dreieck, das Quadrat und das 
reguläre Sechseck. Da der Stoff zum Baue der Zellen 
nur in geringer Menge von der Biene ausgeschieden wird, 
so kommt Alles darauf an, mit den möglichst kleinen 
Mitteln das möglichst große Resultat zu erzielen. Der 
kleine Ingenieur hat dieses Problem auf das Vollstän 
digste gelöst. Die Form und die Größe der Zellen müssen 
nothwendig auch der Form und der Größe der Bienen 
angepaßt sein, für deren Aufnahme sie bestimmt sind. 
Nun ist aber die Biene von länglicher Gestalt, man sollte 
also glauben, daß cylindrische Röhren für ihre Aufnahme 
am zweckdienlichsten wären, aber diese Röhren, nebenein 
ander gestellt, würden nicht in einander greifen, es ginge 
daher viel Raum verloren. Blieben diese Räume leer, 
so würde der Bau an Festigkeit verlieren, würden sie mit 
Wachs ausgefüllt, so entstünden daraus zwei Nachtheile, 
die Zellen wären zu schwer, und von dem spärlichen, 
kostbaren Baumaterials würde zu viel vergeudet werden. 
Es blieb also nur noch die Wahl zwischen dreiseitigen 
Dreiecken, Quadraten und regulären Sechsecken. Erstere 
würden dem Uebelstand einer großen Raumverschwendung 
mit sich führen, denn die Ecken blieben unbenützt, das 
selbe gälte von den Quadraten. 
Die Biene wählte daher den Sechsbau, als den, al 
len Bedingungen am besten entsprechenden. Die Honig 
wabe ist also eine Verbindung von sechseckigen Zellen 
röhren, welche aneinander gereiht sind, wie die Steine 
einer Mosaikarbeit, und besteht aus zwei Reihen Zel 
len, die an den Grundflächen zusammenhängen, und die 
Mündungen nach auswärts kehren. Auch bei Anferti 
gung dieser Waben beurkunden die Bienen eine bewun 
derungswürdige Oekonomie; würden diese nur aus einer 
Reihe von Zellen bestehen, so ginge die Basis einer je 
den dieser Zellen für die Industrie der Bienen verloren, 
sie lassen aber die Basis der einen Reihe auch zugleich 
die Basis einer zweiten Reihe von Zellen sein, und er 
sparen dabei abermals Zeit, Raum und Material. Wenn 
man nach Durchschneidung einer Wabe die Grundfläche 
betrachtet, so sieht man, daß sie die Gestalt von Pyrami 
den haben, deren jede aus drei Rauten zusammengesetzt
        

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