Herausgeber:
Liechtensteiner Landeszeitung 1863-1867
Bandzählung:
1864
Erscheinungsjahr:
1864
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000081309_1864/14/
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GlaruS. In Glarus ist ein gewisser Gmür, ein 
roher Bursche von 21 Jahren, der im vorigen Novem 
ber sich damit amüsirte, in mehreren Fabriken und in 
den Dörfern Dornhaus, Dießbach, Hätzingen und Luch 
singen in der gleichen Nacht mit Steinen die Fenster 
einzuwerfen, vom Kriminalgericht zu 15 Stockstreichen, 
vierjähriger Einstellung im Aktivbürgerrecht und Landes 
verweisung bestrast worden. Für solche rohe Buben ist 
allerdings der Hasel ganz am Platze. 
Thurgau. Nachahmenswerth! Die Ortsge 
meinde Heschkofen hat den Beschluß gefaßt, daß jeder 
Einwohner seine Fahrhabe gegen Feuerschaden versichern 
solle; an die daherigen Auslagen erhält er von der Ge 
meinde vier Franken. Um diesem Beschlusse, der natür 
lich nicht Gesetzeskraft hat, dennoch den nöthigen Nach 
druck zu geben, verpflichtet sich die Gemeinde ferner, kei 
nen Brandbeschädigten zu unterstützen, der die Versiche 
rung unterlassen hat. 
Neuen bürg. Am 21. Januar Morgen sank das 
Thermometer in Chaur-de-Fonds auf 17^6 Reaumur 
unter Null. — Der „National" erzählt, daß in der 
Nähe der Neuenburger Grenze nicht weniger als fünf 
Briefträger erfroren seien. (?) 
Aus St. Gallen wird folgender trauriger Vorfall 
berichtet: Zwei Schüler des dortigen Gymnasiums, gute 
Freunde, die demnächst auf die Universität zu gehen be 
absichtigten, wollten sich noch im Fechten mit einander 
üben; dabei hatte aber der eine das Unglück, den andern 
so stark zu verwunden, daß derselbe schon nach 5 Stun 
den den Geist aufgab. Als jener die Sache ein so tra 
gisches Ende nehmen sah, ergriff er die Flucht, und man 
wußte kürzlich noch nicht, wohin sich der Unglückliche ge 
wendet habe. Der Fall erregte große Sensation und 
fand allgemeine Theilnahme. 
Verschiedenes. 
In Passau wurden neulich dem im Weinholzer'schen 
Gasthause wohnenden Herrn Heister 5000 fl. (160 fl. 
baar, das Uebrige in Urkunden und Werthpapieren) ge 
stohlen. Der Bestohlene erläßt nun folgende freundliche 
Warnung: „Ich warne hiemit Jedermann vor Ankauf 
der mir gestohlenen, auf meinen Namen lantenden Ur 
kunden und Werthpapiere. Zugleich ersuche ich den Dieb 
freundlich, diese Papiere, da er doch davon keinen Ge 
brauch machen kann, auf irgend eine Art wieder in 
meine Hände gelangen zu lassen. Die 160 fl. kann er 
als Belohnung für seine Mühe behalten." 
Bei einem armen Bauer in der Bretagne errichtete 
jüngst ein Notar ein Inventar und sah zu seiner Ver 
wunderung ein Bankbillet von 1000 Franken an der 
Wand angeklebt. Der Bauer hatte es vor längerer Zeit 
gefunden und ohne den Werth zu ahnen, zwischen dem 
ewigen Juden und der h. Genovefa im Zimmer ange 
klebt Es wurde mit dem Backstein, an dem es haftete, 
herausgenommen und von der Bank von Frankreich ohne 
Anstand ausbezahlt. ^ / 
Ernst Mahner, der Urgesundheits-Apostel, hat vor 
ein paar Tagen den Mainzern ein Schauspiel bereitet; 
er schwamm zwischen der Mainbrücke durch nach Castell 
hinüber. Wenn der Mann noch so frisch ist, so sollte 
er zur Muskete greifen und nach Schleswig-Holstein 
ziehen. 
Bibelauslegung. Lehrer: Was soll der Bibel 
vers bedeuten: Du sollst dein Brod im Schweiße deines 
Angesichtes essen? 
Schüler: Das heißt: ich soll essen, bis ich schwitze. 
Der Schüler, welcher vor zwanzig Jahren diese Ant 
wort gab, ist unterdessen Prediger geworden und wirkt 
als vielbeliebter Pfarrer in Z—l. 
— Als vor einiger Zeit ein vornehmer deutscher Rei 
sender, der per Eisenbahn von Bern nach Herzogenbuch- 
see reiste, ganz nahe beim Tunnel bei Burgdorf den 
Kopf zum Fenster hinausstreckte, sagte ein menschen 
freundliches Berner Fraueli zu demselben: „Da müeßt'r 
dr „Grind" in-e ha, süst fchlöht-ere am-ene Stud" a!" 


Land- und Hauswirthfchaftliches. 
Ernährung der Hühner. 
Im wilden Zustand, wenn das Huhn überhaupt noch 
in demselben irgendwo zu finden ist, lebt dasselbe wahr 
scheinlich eben so viel von Insekten und Würmern, wie 
von Körnern. Als Hausthier wird es hauptsächlich mit 
Abfällen aus Garten und Küche, mit Nachfrucht, Kleie 
und Gerste gefüttert. Die letztere ist ihnen allerdings 
das liebste und nahrhafteste Futter, und es wird dieselbe 
roh, zerquetscht, oder in Wasser aufgequellt verfüttert; sie 
legen darnach besonders große Eier. 
Um zu erfahren, ob die Fütterung der Hühner mit 
roher oder aufgequellter Gerste kostspieliger oder vortheil 
hafter sei, sind vielfache Versuche angestellt worden, wel 
che widerlegt haben, daß die Hühner mehr von der ge 
quellten, wie von der ungequellten Frucht fressen. So 
wurden 8 Pfund trockene Gerste gequellt, welche, nach 
dem dies geschehen war, 20 Pfund gequellte Gerste er 
gaben. Damit wurden 7 Hühner und 1 Hahn gefüt 
tert, welche gewöhnlich täglich 2 Pfund trockene Gerste 
verzehrten, aber nicht mehr als 3 Pfund gequellte zu sich 
nahmen. Füttert man die Hühner also, anstatt mit ge 
wöhnlicher trockener, mit gequellter Gerste, so spart man 
gut Vg des Bedarfs an Frucht. 
Dieses Ergebniß mußte natürlich auch dahin führen, 
dieselben Versuche mit den übrigen Körnern, die als Hüh 
nerfutter verwendet werden, zu machen, um die Vermeh 
rung der Masse kennen zu lernen, welche bei jeder Art 
durch das Kochen hervorgebracht wird, durch das ihre 
Hülse gesprengt und ihr Inhalt dermassen erweicht wird, 
daß sie sich zwischen den Fingern zerdrücken lassen, außer 
dem aber auch zu erfahren, wie viel Körnergewicht die 
Hühner von der einen oder andern Art gequellt zu sich 
nehmen. Acht Pfund Hafer gaben, nachdem sie gequellt 
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