Herausgeber:
Liechtensteiner Landeszeitung 1863-1867
Bandzählung:
1864
Erscheinungsjahr:
1864
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000081309_1864/137/
Jahr erhält. Ein einziges Concert, welches diese Vir 
tuosen in Leipzig gaben, trug an 7000 fl. ein. 
— Der reiche Baron Rothschild in Paris hat aus 
seinem jüngsten Sohn einen Gelehrten gemacht. Als 
dieser jüngst heim kam und seinem Vater mit Freuden 
verkündigte, daß er das Doktorexamen glücklich bestanden 
habe, griff der erfreute Vater in die Chatulle und über 
gab dem Sohne ein Paquetchen mit den Worten: da, 
mache dir einen guten Tag. In dem Paquetchen be 
fanden sich für 50,000 Fr. Banknöten. Der Sohn will 
damit eine Reise nach Äegypten und in das Land Go- 
sen machen. 
— Von dem vertriebenen Großherzog von Tos- 
kana erzählt man eine edle That. Als er in der Ver 
bannung hörte, daß ein Theil seiner früheren Unterthanen 
durch Überschwemmung hart gelitten habe, schickte er 
sofort 10,000 Fr. zu deren Unterstützung. 
— In einem Gaschofe in Bamberg wurde einem 
Reisenden aus Locle in der Schweiz, während er bei 
Tische saß, sein Uhrenkasten mit 110 goldenen und 60 
silbernen Uhren im Werthe von 8000 Gulden aus dem 
Zimmer gestohlen. Der Dieb, ein kürzlich erst aus dem 
Münchner Krankenhaus entwichener Verbrecher, Namens 
Hautmann, wurde Nachts auf dem Bahnhofe Oberhaid 
erwischt und verhastet. 
— Was nur der Gans fehlt! sagte die stattliche 
Frau im Bauernhofe bei Prag; sie watschelt kaum mehr, 
hängt melancholisch den Kopf und frißt und säuft seit 
gestern nicht, es ist ihr nicht richtig im Kröpf! Fort mit 
Schaden, die Leute in der Stadt wissen viel, ob eine 
Gans gesund oder krank ist. — Die Gans wurde rich 
tig in Prag um ein Billiges verkauft und die Frau 
lachte heimlich über die dummen Stadtleute, als sie die 
schönen Batzen zählte. Wohl bekomms! — Die Stadt 
frau holte das Küchenmesser, ritsch, ratsch! war der Gans 
hals durch; was ist das? was klingelts? Da fällts 
noch einmal klingend auf den Boden — ein, zwei, drei, 
vier Dukaten; alle funkelnagelneu; noch ein Schnitt in 
den Hals, da kommt auch das Papierchen- zum Vorschein, 
in das die Dukaten gewickelt waren und das der Gans 
den Appetit verdorben hatte. Jetzt lachte die Frau in 
der Stadt. Aber verrathen wollen wirs der Bauernfrau 
nicht; denn wir wollen niemand ärgern. 
— England hat einen seiner Geldkolosse verloren, 
den Quäker und Brauer Gorney. Der Mann hinter 
läßt ein Vermögen von wenigstens 21 Millionen fl., die 
seinen Kunden durch die Gurgel gerollt sind. 
— Die fetteste Martinsgans hat der Kaiser von 
Oestreich gegessen und war ein Geschenk der Preßburger 
Judengemeinde. Alljährlich überbringt eine Deputation 
der Juden dem Kaiser die Martinsgans, — es ist ein 
alter Brauch, bei dem beide Theile nicht auf Ablösung 
antragen. 
— Das 2. deutsche Bundesschießen wird näch 
stes Jahr in Bremen gehalten werden und am 16. 
Juli anfangen. Daö Central-Comite hat drei Aufrufe 
erlassen: 1. an die deutschen Schützen, 2. an die Deut 
schen im Auslande, 3. an die Schweizer Schützen, daß 
sie zahlreich Theil nehmen. 
Land- und HauswirHschaftliches. 
Hans- und Flachsbau. 
In früheren Zeiten wurde hier unvergleichlich mehr 
Hanf und Flachs gebaut als jetzt. Leider fehlen^ uns 
dafür die statistischen Belege, aber die Thatsache steht 
fest. Die Ursache davon ist hier wie anderwärts darin 
zu suchen, daß die wohlfeilem Baumwollwaaren die theu 
eren Leinenstoffe verdrängten. Die in den letzten Jahren 
eingetretene Baumwollenkrisis hat die Baumwollenindu- 
strie verringert und den Hanf- und Flachsbau wieder in 
Aufnahme gebracht. Um unsere Landwirthe zu diesem 
einträglichen Betriebszweige anzueisern, weisen wir auf 
die volkswirtschaftliche Thätigkeit anderer Gegenden hin 
und entnehmen der allgemeinen Zeitung folgende Korre 
spondenz aus dem Großherzogthum Baden. „Der Hanf 
bau im Großherzogthum nimmt unter den Handelsge 
wächsen im engern Sinn die dritte Stelle ein und er 
streckt sich durchschnittlich über 24,000 Morgen mit einem 
Gesammterträgniß von 2/2 Millionen Gulden im Durch 
schnitt. In keiner andern Gegend Deutschlands wird 
besserer Hanf erzeugt als längs des deutschen Ober 
rheins, insbesondere in den badischen Antheilen der ehe 
maligen Grafschaft Hanau zwischen Kehl und Rastatt; 
hier erreicht der' Hanf, insbesondere der sogenannte 
Schleißhanf, eine Höhe von 10 — 12, selbst bis 15 Fuß 
und liefert einen Bast, der an Stärke und lichter Farbe 
dem russischen gleichkommt und an Zartheit ihn noch 
übertrifft. Der auswärtige Absatz geht hauptsächlich 
nach dem Niederrhein, nach Holland und England, wo 
er vorzüglich zu Tauen, aber auch zum Spinnen und 
Weben verwendet wird. Der diesjährige Ertrag ist sehr 
befriedigend; die Preise stellen sich zu 16—-22 fl. pr. 
Centner, was für den Morgen 100—150 fl. abwirft. 
Um den Umsatz zu Gunsten der Produzenten zu erleich 
tern, hat man dieses Jahr erstmals eine große Ausstel 
lung von Hanf in Kork veranstaltet, welche auswärtigen 
Fabrikanten und Geschäftsleuten Gelegenheit bietet, sich 
selbst ohne kostspielige Mäkler ihren Bedarf auszuwählen 
und zu beziehen. Eine in neuerer Zeit in Emmerdingen 
errichtete mechanische Hanfspinnerei und Weberei ist in 
gedeihlichem Aufschwung begriffen, ihre jährliche Produk 
tion ist bereits nahezu auf 300,000 fl. gestiegen." Ist 
das nicht lockend für Landwirthe und Industrielle?! 
Unser Land eignet sich so gut wie irgend eines zum 
Hanf- und Flachsbau. Bei unserer landwirtschaftlichen 
Ausstellung im vorigen Jahre hat man sehr schönen hier 
erzeugten Hanf und Flachs gesehen. Es ist nicht über 
trieben, wenn wir sagen, daß unser Land in diesen Pro 
dukten fast mit jedem andern concurriren kann. Zur 
Errichtung einer mechanischen Hanfspinnerei und Weberei 
fehlte bei uns die Gelegenheit auch nicht. Wir machen 
unsere Geschäftsleute auf diesen Industriezweig aufmerk 
sam und wünschen, daß sie den Frauen die Last des 
Spinnens und Webens abnehmen. Unsern Landwirthen 
rufen wir zu: Baut Hanf und Flachs. Keßler. 
Wer sich eine leichtverständliche Zeitung über land 
wirtschaftliche und andere gemeinnützige Dinge wünscht, 
dem empfehlen wir die „Bauernzeitung" (Freising
        

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