Herausgeber:
Liechtensteiner Landeszeitung 1863-1867
Bandzählung:
1864
Erscheinungsjahr:
1864
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000081309_1864/133/
Vieharzt und erklärte, nachdem der Eigenthümer des Thie 
res ihn mit der Krankheit desselben bekannt gemacht, 
dasselbe innert einem Monat zu kuriren. Gerne ging 
der Besitzer G. auf diesen Vorschlag ein unv der Arzt 
vom Judenland ließ die Erkrankte nach seiner Heimat 
transportiren, um alldort derselben gehörige Pflege an- 
gedeihen zu lassen. Letzten Donnerstag traf nun G. den 
Heilkünstler in S. Ganz natürlich erkundigte er sich 
über das ihm seiner Zeit in Behandlung gegebene Stück 
Bieh. „Ja bei der war keine Heilung mehr möglich und 
habe deßhalb, um euch das Futtergeld und Arztkosten zu 
ersparen, dieselbe schon längst um einen Kopf kürzer ge 
macht", das war die Antwort des renommirten Doktors. 
— Der Staat St. Gallen wendet für die Ausbil 
dung jedes Lehrers mindestens 2000 Frk. auf. Die 
Unterhaltung des Schullehrerseminars kostet gegenwärtig 
40,000 Frk. 
— Im letzten Frühling starb zu Bern der Kaufmann 
Trümpi eines plötzlichen Todes. Es regte sich Verdacht, 
daß er vergiftet worden sei. Bei der ärztlichen Unter 
suchung fand man Strychnin, eines der fürchterlichsten 
Gifte in der wieder ausgegrabenen Leiche. Der Haus 
arzt des Trümpi, Dr. Demme, und die Frau des 
Kaufmanns wurden in Hast genommen, weil man sie 
des Giftmordes verdächtig hielt. Dr. Demme hatte ein 
zweideutiges Verhältniß mit der Frau Trümpi unterhal 
ten und war zudem mit ihrer Tochter Flora verlobt. 
Der Prozeß wurde Ende Oktober verhandelt. Es fan 
den sich viele Anzeigen, die gegen den Dr. Demme spra 
chen, besonders mehrere Briefe, die er an sich selbst ge 
schrieben hatte, um den Verdacht von sich abzulenken u. 
dgl. Frau Trümpi erwies sich als gänzlich schuldlos. 
Durch günstige Zeugenaussagen kam es dahin, daß auch 
Demme freigesprochen wurde, indem man mit vielem 
Recht vermuthete, Trümpi habe sich selbst vergiftet. Nach 
der Freisprechung wurde Demme aufs Neue vor Gericht 
gezogen. Er hatte seiner Braut einen Ring von mehre 
ren tausend Franken im Werth geschenkt. Dieser Ring 
wurde als derjenige erkannt, der einem fremden Gesand 
ten in Bern gestohlen worden war. Demme konnte sich 
nicht über die Erwerbsart dieses Ringes ausweisen; zu 
dem stellte es sich heraus, daß Dr. Demme jenen Ge 
sandten ärztlich behandelt hatte; endlich war auch einem 
Engländer, welcher Demme als Arzt brauchte, ein Ring 
von 500 Fr. entwendet worden. Diesen sollte Demme 
auch gestohlen haben. Nach so schwerem Verdachte flüch 
tete Demme mit seiner Braut, während ihre Hochzeit 
schon nahe bevorstand. Er schrieb an seine Eltern, daß 
er sich mit Flora im Genfersee ertränken werde; man 
habe ihn, den Unschuldigen, so schwer verdächtigt, seine 
Wre sei ihm dadurch geraubt und er könne so nicht 
mehr leben. — Nur wenige Leute glaubten an die Wahr 
heit dieses Briefes. Man vermuthete er habe nur damit 
die Polizei täuschen wollen, um sicher zu entkommen. 
Richtig traf es so ein. Vor wenigen Tagen telegraphirte 
der Schweizerkonsul in Genua, daß Dr. Demme und 
Flora in einem Gasthof zu Nervi bei Genua am Mor 
gen nach ihrer Ankunft todt auf ihrem Zimmer gefunden 
worden seien; wahrscheinlich hätten sie sich vergiftet. Dies 
ist in Kürze der Verlauf einer Geschichte, welche die ganze 
zivilisirte Welt seit Wochen in Spannung erhielt. 
— Bern. In der Nähe des Dörfchens Eblingen 
bei Brienz wurde letzter Tage ein Steinadler geschossen, 
der mit ausgespannten Flügeln 7—8 Fuß mißt. Der 
schwarze Bursche hat den Bewohnern des rechten Brienzer 
Seeufers bedeutenden Schaden zugefügt, indem er in den 
letztverflossenen Jahren mindestens ein paar hundert Läm 
mer raubte und sogar Ziegen und größere Schafe tödtete. 
— Appenzell. In Stein hat letzter Tage ein 
Hund seinen Meister, drei andere Personen und mehrere 
Hunde gebissen. Nachdem das Thier erlegt worden, 
zeigte die Untersuchung dann, daß es in hohem Grade 
wuthkrank gewesen. 
— Der geistvolle Schriftsteller Dumas der Jün 
gere gehört trotz seiner etwas bedenklichen Theaterstücke 
zu den Günstlingen der Kaiserin Eugenie. Darum erhielt 
er jüngst auch eine Einladung nach Compiegne an den 
Hof. Hier, sagte ihm die Kaiserin, hat Jedermann seine 
volle Freiheit. — Wie schade, daß nicht ganz Frankreich 
nach Compiegne geladen ist! antwortete Dumas sofort. 
— Prinz Napoleon hat eine unglückliche Hand. 
Auf der Jagd in Compiegne wollte er dem Kaiser die 
Büchse reichen und ließ sie fallen. Der Schuß ging 
los und streifte dem Kaiser den Jagdrock derart, daß ein 
Brandloch in demselben blieb. 
— König Franz II. von Neapel hat die Herrschaft 
Odran bei Troppau für ^ Mill. Gulden gekauft. >— 
In München wurden einem Metzger die Hühnerau 
gen unvorsichtig ausgeschnitten, es kam der Brand dazu 
und der Mann starb. 
-- Wenn die Londoner einen neuen Bürgermei 
ster gewählt haben, dann muß er bei seiner Einweihung 
61 Hufeisen nebst den dazu gehörigen Nägeln» zählen 
und ein Scheit Holz zerspalten. Alles im Beisein des 
Gemeinderaths und einer großen Menge Zuschauer. Erst 
wenn er diese Prüfung ohne Fehler bestanden hat, kann 
er den Bürgermeisterthron besteigen. — Und das dünkt 
den Londoner nach lange nicht närrisch! — 
— In Polen sind 71 Mönchs- und 4 Nonnenklöster 
geschlossen worden, welche nicht die kanonische Anzahl 
Mitglieder (8) zählten, und 39 andere wegen Betheili 
gung an der Revolution. Die Entlassenen bekommen 
ein anständiges Gnadenbrod und nöthigenfalls auch Rei 
segeld ins Ausland. 
* Die Wuhrbauten 
bilden während der Wintermonate bekanntlich eine Haupt 
beschäftigung der sieben wuhrpflichtigen Gemeinden Liech 
tensteins. Der Eifer, mit welchem die Neubauten auf 
dem fchweiz. Ufer betrieben werden, mag auch auf un 
serer Seite als gutes Beispiel gewirkt haben, denn eS 
ist zu bemerken, daß man Heuer die Bauten zeitiger und 
auch energischer als sonst in Angriff nimmt.
        

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