Herausgeber:
Liechtensteiner Landeszeitung 1863-1867
Bandzählung:
1864
Erscheinungsjahr:
1864
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000081309_1864/127/
Liechtensteiner.Landeszeitung. 
/«weiter 
Vaduz, Samstag 
Rro. SA. 
26. November 1864. 
Dieses Blatt erscheint monatlich regelmäßig 2mal, nur zur Zeit der Landtagsverhandlungen öfter, und kostet für das 
Fürstentum Liechtenstein ganzjährig j fl., auswärts 1 fl. 50. — Einrückungsgebühr für die gespaltene Zeile 4 Nkr. -- 
Man bestellt die Zeitung in Vaduz bei der Redaktion und in Feldkirch bei der löbl. Wagner'schen Buchhandlung. — Gesetze 
und Verordnungen, sowie die Landtagsverhandlungen erscheinen in Beilagen, wofür ganzjährig 50 Nkr. ferner zu bezahlen sind. 
Wozu ist der Gemeinderath? 
Viele wissen noch nicht, wie sie mit dem ständigen 
oder gar mit dem verstärkten Gemeinderath daran sind. 
Man wird's nicht ungern haben, wenn die Landeszeitung 
einige belehrende und erklärende Worte über diesen Gegen 
stand bringt. 
Bis zum Erlaß der neuen Gemeindeordnung war die 
Verwaltung der Gemeindeangelegenheiten dem Vorsteher 
oder Ortsrichter fast ganz allein anvertraut. In den 
meisten Fällen handelte er auf eigene Verantwortung 
oder im Auftrage der Regierung; in besonderen Fällen 
mußte er sich an den Beschluß der „Gemeinde" (Ge< 
meindeversammlung) hatten. War der Richter ein ver 
ständiger ehrenhafter Mann, so ging die Sache gut! 
Aber solche Männer gerathen nicht alle drei Jahre. 
Manchmal bekam ein starrköpfiger, gewaltthätiger Mann 
das Regiment und dann Weh! über die Gemeinde, die 
unter despotisches Joch sich beugen mußte; — oder aber 
es fehlte dem Vorsteher an Muth und Ausdauer, so daß 
er sich oft nicht getraute vernünftige Maßregeln durch 
zuführen, weil sich einzelne Schreihälse dagegen aufge 
lehnt hatten. Ueberhiupt war es im grellen Widerspruche 
mit den Ansichten dei' Gegenwart, daß man die Vertre 
tung so wichtiger Jntewssen der Einsicht und den Kräften 
eines einzelnen Mannes überließ. Unsere Zeit hält es 
eben mit dem Dichterwort: „Ich schwör' auf keinen ein 
zeln Mann, denn einer bin auch ich". 
Wer mir da glauben wollte, mit einer möglichsten 
Einschränkung des Ortsrichters und mit einer beständigen 
Berufung an die „Gemeinde" sei dieser Mangel gehoben, 
der würde sich arg getäuscht finden. Man weiß ja recht 
gut, wie's bei vielen Gemeindeversammlungen zugeht. 
„Viel Köpf viel Sinn" ist ein altes Sprichwort; da 
möchte jeder die Andern nach seiner Pfeife tanzen lassen, 
jeder will befehlen und keiner gehorchen. Und kommt's 
zum Beschluß, so ist damit noch nicht bewiesen, daß man 
daö Rechte getroffen hat. Gar oft läßt man sich durch 
einzelne Maulhelden in die Hitze bringen und hält zu 
Demjenigen, der am Meisten lärmen und — schimpfen 
kann. Oder ist es nicht so? — Solche Querköpfe hin 
tertreiben durch ihr rabbioses Geschwätz oft die nützlich 
sten Maßregeln. Freilich wenn zuletzt die gesunde Ver 
nunft zum Durchbruch kommt, dann schämt sich mancher 
seiner Widerspänstigkeit. 
Da hat nun das neue Gemeindegesetz einen Gemeinde 
rath verordnet; dieser vertritt die Gemeinde in allen 
Richtungen, bleibt ihr aber unter allen Umständen ver 
antwortlich. Da der Gemeinderath aus der Wahl aller 
stimmfähigen Gemeindebürger und Niedergelassenen her 
vorgeht, so ist damit eine Bürgschaft gegeben, daß in 
der Regel nur einsichtige und gutdenkende Männer be 
rufen werden. An die Stelle des früheren Ortsrichters 
also ein Gemeinderath gesetzt, der jetzige Vorsteher ist 
als Präsident des Gemeinoerathes zu betrachten, 
^er Vorsteher hat in Gemeindesachen kein 
Recht, seinem Kopf allein zu folgen, sondern 
er ist verpflichtet das zu thun, was der Ge 
meinderath durch Stimmenmehrheit beschlos 
sen hat. Wenn sich ein Vorsteher um die Meinung 
des Gemeinderaths nicht kümmert, so handelt er eigen 
mächtig und die Gemeinde, sowie der Gemeinderath kön 
nen ihn deshalb zur Rechenschaft ziehen. 
Landtagsverhandlungen. 
VI. Sitzung, Vaduz 28. Sept. 1864. 
(Schluß.) 
Ziffer 4 einstimmig angenommen. 
Ziffer 5: Gmelch will kein provisorisches Steuerge 
setz. Man soll die Steuerfrage ruhen lassen bis nach 
Vollendung der Landesvermeßung. Auch ist er gegen 
eine Personalsteuer. Sie ist lästig, sie hat keinen guten 
Namen. Er möchte nicht, daß man das Land auf ein 
Mal mit so verschiedenen Steuern belastet. Man soll 
die Steuerkraft schonen bis in Zeiten der Noth. 
Fischer bemerkt: Wenn man noch andere Gegen 
stände der Besteuerung unterwirft, so muß deshalb die 
gesammte Steuersumme nicht erhöht werden. Man er 
hebt z. B. die gleiche Summe, wie gegenwärtig, aber sie 
wird in mehreren Theilen umgelegt. Jetzt muß sie der 
Bauer und Grundbesitzer allein aufbringen, dann aber 
werden auch Andere, der Kapitalist, der Gewerbsmann 
:c. ihren Antheil beitragen. 
Keßler will nicht einsehen, warum man die Steuer 
kraft aufsparen solle, da man die Steuern jetzt brauche) 
die Steuerkraft fei vergänglich. Es sei eine Ungerechtig 
keit, daß man nur den Grundbesitzer zahlen lasse; es sol 
len alle Steuerfähigen zahlen.
        

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